Lesum-Park

Neue Räume für die DRK-Retter

Das Deutsche Rote Kreuz eröffnet seine neue Rettungswache im Lesum-Park im Dezember. Dann geht auch die benachbarte Kita mit 120 Plätzen an den Start, die ebenfalls das DRK betreiben wird.
03.05.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Neue Räume für die DRK-Retter
Von Julia Ladebeck
Neue Räume für die DRK-Retter

Der Rohbau des dreigeschossigen Gebäudes steht bereits seit einigen Wochen. Inzwischen hat der Innenausbau begonnen, in Kürze wird der Estrich verlegt.

Christian Kosak

Lesum. Ein bisschen Wehmut wird vermutlich dabei sein, wenn das Vegesacker Rettungswachen-Team des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seinen Standort an der Borcherdingstraße verlassen wird, vermutet Andreas Fühßer, Bereichsleiter Rettungsdienst beim DRK Bremen. Immerhin ist das DRK dort bereits seit 1956 ansässig und stellt von der Wache aus seit 1974, zunächst mit einem VW Lastentransporter, den Rettungsdienst in Bremen-Nord und den umliegenden Landkreisen sicher. Überwiegen wird jedoch die Vorfreude der Mitarbeiter auf das neue Domizil im Lesum-Park, ist Fühßer sich sicher. Der Umzug ist zum Dezember geplant.

An der Charlotte-Wolff-Allee erwartet die Einsatzkräfte ein neu errichtetes Gebäude, das die Procon-Gruppe nach der aktuellen DIN-Norm für Rettungswachen baut. Zusätzlich werden individuelle Wünsche des DRK, beispielsweise bei der Anordnung der Räume, berücksichtigt. Der Unterschied zum bisherigen Rettungswachen-Gebäude ist eklatant. „Wir verbessern uns deutlich“, betont Fühßer. Von einem Gebäude mit einer „desolaten Bausubstanz“, das zwar „relativ viele Quadratmeter“ habe, von denen allerdings nicht alle wie benötigt nutzbar seien, zu einem Neubau, der nach dem neuesten Standard errichtet wird.

Der Rohbau des dreigeschossigen Gebäudes steht bereits seit einigen Wochen. Inzwischen hat der Innenausbau begonnen, in Kürze wird der Estrich verlegt. Der ursprünglich avisierte Einzugstermin August oder September musste dennoch verschoben werden. Die Fertigstellung des Hauses, in das auch die Procon-Gruppe selbst einziehen wird, hat sich um einige Monate verzögert. Zwei Gründe gab es dafür nach Angaben von Projekt- und Bauleiter Michael Lück: „Durch die Corona-Pandemie gibt es Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien. Wir haben Probleme, Dämmmaterial zu bekommen und warten zum Teil sehr lange auf Türen.“ Dazu kommt laut Lück die Hochjunkturphase in der Baubranche. „Die Kapazitäten sind alle auf Anschlag“, sagt der Diplom-Ingenieur.

Insgesamt hat die DRK-Wache eine Nutzfläche von 500 Quadratmetern. Im Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes entstehen auf rund 250 Quadratmetern drei Stellplätze und ein Desinfektionsplatz für die Rettungswagen. „Jeder Wagen wird unabhängig von einsatzbezogenen Desinfektionen einmal pro Woche komplett gereinigt und desinfiziert“, erläutert Andreas Fühßer den Zweck. Zusätzlich werden im Erdgeschoss ein Materiallager, ein Desinfektionsraum, Duschen und Umkleideräume für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untergebracht. Wie alle Bremer DRK-Wachen wird auch die in Lesum künftig über das DRK Zentrallager in der Neustadt mit Verbrauchsmaterial und Medikamenten versorgt, so Fühßer. In der ersten Etage werden Ruheräume, ein Aufenthaltsraum samt Teeküche, Toiletten, ein Büro für die Dokumentation der Einsätze und ein weiteres für Wachenleiter Jörg Mekelburg eingerichtet.

Dem Planungs- und Baustart ging eine lange Suche nach einem geeigneten Partner voraus, erzählt der Rettungsdienst-Leiter. Die habe schon begonnen, kurz nachdem der DRK Kreisverband Bremen Stadt den insolventen Kreisverband Bremen-Nord im Jahr 2008 übernommen hatte. Mit der Procon-Gruppe fand das DRK diesen Partner schließlich. Das Quartier Lesum-Park wurde zu Beginn unter dem Arbeitstitel „Gesundheitspark“ geplant. Schon recht früh gab es die Idee, auch eine Rettungswache zu bauen. „Zunächst hatten wir sie noch an einem anderen Standort vorgesehen“, sagt Lück. Im März 2019 begann Planerin Janine Woltmann schließlich mit den konkreten Entwürfen – auch für die benachbarte Kindertagesstätte.

Der Bauträger wird gleichzeitig auch Mitbewohner des DRK. Die Procon Gruppe verlegt ihren Standort von der Überseestadt in den Lesum-Park und bezieht zum Dezember die erste und die zweite Etage des dreigeschossigen Hauses. Gleichzeitig soll auch die benachbarte Kindertagesstätte an den Start gehen, die auch das DRK betreiben wird. Der Bau des zweigeschossigen Kita-Gebäudes, das in L-Form an die künftige Rettungswache grenzt, ist ebenfalls schon weit fortgeschritten.

Nachdem das DRK im vergangenen Jahr im Lesum-Park schon die Kita-Gruppen mit 30 Plätzen im Gebäude der Gesellschaft Vacances Mobiler Sozial- und Pflegedienst übernommen hat, kommen ab September nun 120 Plätze in der neuen Kita hinzu. Nach Angaben von DRK-Sprecher Lübbo Roewer sind acht Gruppen geplant – vier für Kinder von drei bis sechs Jahren und vier Krippengruppen für Ein- bis Dreijährige.

„Da können wir nebenan gleich Nachwuchs werben“, scherzt Fühßer. Tatsächlich werden die Kinder nicht sehr viel davon mitbekommen, dass sich nebenan eine Rettungswache befindet, glaubt er. Die künftigen Nachbarn bräuchten sich keine Sorgen machen, dass sie künftig regelmäßig durch laute Martinshörner gestört werden. „Wir sind zwar mit Sonderrechten ausgestattet, aber in aller Regel fahren die Fahrer an der Wache nicht mit Martinshorn los. Damit gehen sie verantwortungsvoll um.“

Auch die Tatsache, dass die Vegesacker Wache seit Jahrzehnten in einer kleinen Wohnstraße ansässig ist, könnte die Nachbarn beruhigen. Der Rettungsdiens-Leiter vermutet: „Vielleicht sind die Anwohner sogar beruhigt, weil wir jetzt in die Nachbarschaft ziehen.“ Fühßer ist mit dem Standort jedenfalls vollends zufrieden. Der Lesum-Park sei durch die Nähe zu den Autobahnauffahrten gut angebunden und die Rettungszeiten könnten gut eingehalten werden. Daran ändere auch die Tempo-30-Zone im Lesum-Park nichts.

Info

Zur Sache

Die DRK-Wachen in Bremen

Insgesamt fünf Rettungswachen wird das Deutsche Rote Kreuz künftig in Bremen betreiben: die Wache im Lesum-Park, das DRK Rettungszentrum Neustadt, die DRK Wache Schwachhausen, die Rettungswache Habenhausen und die DRK Wache Gröpelingen.

Seine Wache Am Heidbleek in Blumenthal gibt das DRK auf und unterhält dann künftig nur noch eine statt zwei Wachen in Bremen-Nord. Der Rettungswagen, der dort derzeit stationiert ist, wird ebenfalls nach Lesum verlegt. Die Wache im Gebäude der freiwilligen Feuerwehr Blumenthal hat kein Stammpersonal. Sie wird aktuell im Rotationsverfahren von der Stammbesatzung des Rettungswache Vegesack besetzt.

Das DRK deckt nach eigenen Angaben 47 Prozent des Einsatzaufkommens mit Rettungswagen in Bremen ab. Im Jahr 2020 gab es für das DRK 32.800 Einsätze.

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