Worpswede gewinnt Landespreis Leuchtturm-Projekt im Kindergarten

Worpswede. Das gibt es bisher im ganzen Landkreis nicht; auch in Niedersachsen dürfte das Projekt einmalig sein: Die Kraft der Sonne soll dem DRK-Kindergarten 'Am Wurthwald' helfen, seinen Energiebedarf auf zirka zehn Prozent zu senken und Strom zu produzieren.
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Von Michael Wilke

Worpswede. Das gibt es bisher im ganzen Landkreis nicht; auch in Niedersachsen dürfte das Projekt einmalig sein: Die Kraft der Sonne soll dem DRK-Kindergarten 'Am Wurthwald' helfen, seinen Energiebedarf auf zirka zehn Prozent zu senken und Strom zu produzieren.

Ein spannendes Experiment, auch für die Kinder. Sie sollen in jedem Gruppenraum auf dem Display sehen können, wie viel Energie gerade gewonnen oder verbraucht wird. Draußen ist ein öffentlicher Energielehrpfad für Kinder und Erwachsene geplant. All das hat eine Jury in Hannover überzeugt. Mit ihrem Leuchtturm-Projekt, das die Energie-Wende im Kreis Osterholz einleiten soll, hat die Gemeinde Worpswede einen mit 50000 Euro dotierten Landespreis gewonnen, im Wettbewerb 'Klima kommunal 2010'. Gleich zwei Landesminister werden den Preis heute um 9.30 Uhr im Alten Rathaus in Hannover übergeben: Umweltminister Hans-Heinrich Sander und Sozialministerin Aygül Ökzan wollen die Worpsweder ebenso beglückwünschen wie Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände in Niedersachsen.

'Innovativ und nachhaltig'

Das Projekt sei 'in vielfältiger Weise innovativ und nachhaltig', lobte die Jury. Und es füge sich hervorragend ein in den Rahmen des EU-Projekts 'Energiewende 2030 Osterholz'. Binnen 20 Jahren wollen der Landkreis und seine Gemeinden dafür sorgen, dass die Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen ihren Energiebedarf im Landkreis decken können und nicht mehr auf die großen Energiekonzerne angewiesen sind. Dabei soll möglichst viel Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne kommen.

Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke freut sich über die Auszeichnung: 'Ein toller Erfolg!' Der hat mehrere Väter. Bei der Umgestaltung des Kindergartens zum Energiehaus kooperiert die Gemeinde eng mit dem DRK-Kreisverband, dem Ingenieurbüro Becker und dem Kindergarten. Das technische Konzept haben die Ingenieure entworfen, das pädagogische Konzept haben sie mit den Erzieherinnen des DRK-Kindergartens entwickelt. Das Gros der Heizenergie soll dank eines ausgeklügelten Systems aus der Kraft der Sonne gewonnen werden. In die Dächer der Gebäude sollen Solarthermie-Anlagen mit Sonnenkollektoren eingebaut werden - und ein Solarluftsystem, das die Wärme der Außenluft nutzt. Geplant ist auch ein Energiezaun, der Erdwärme und Sonnenstrahlung nutzt. Ein Geflecht aus Rohren speichert Sonnenwärme und Erderwärmung. Für die Jungen und Mädchen des Kindergartens sind die Anlagen greifbar. Kindgerechte Modelle auf dem Kindergartengelände und dem Energielehrpfad sollen ihnen zeigen, wie erneuerbare Energien erzeugt werden. Auch eine Mini-Windkraftanlage gehört dazu. Der Lehrpfad soll öffentlich zugänglich sein und im Künstlerdorf ausgeschildert werden.

'Die Kinder sollen mit allen Sinnen erleben, was da passiert', sagt die Kindergartenleiterin Maren Lilje. Im Kindergarten werden die Themen pädagogisch aufgegriffen. In jedem Jahr gibt es ein Schwerpunktthema: Sonne, Erde oder Wind. 'Das wird sehr spannend', glaubt Maren Lilje. 'Das wird eine Herausforderung für uns, aber wir freuen uns drauf.'

Einen Haken hat die Sache: Noch sind die Förderanträge nicht bewilligt. Die energetische Sanierung des 1978 gebauten Kindergartens würde fast 300000 Euro kosten. Dach und Kellerdecke müssen gedämmt, Fenster und Fußbodenheizung erneuert, Solaranlagen und Wärmepumpe eingebaut werden. Investieren müsste die Gemeinde so oder so. Eine herkömmliche Sanierung würde 115000 Euro kosten. Langfristig rechnet sich das teurere Konzept. Nach Berechnungen des Büros Becker könnten 89,1 Prozent der heute benötigten Energie gespart werden. Jahr für Jahr.

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