Hilfe von nebenan Lichtblicke aus der Nachbarschaft

Aufgrund der Corona-Krise wollen Freiwillige für Senioren und Infizierte zum Einkaufen gehen. In Osterholz-Scharmbeck und umzu gibt es gleich mehrere Hilfsangebote.
17.03.2020, 18:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Valek und Brigitte Lange

Osterholz-Scharmbeck. In den Ortschaften formiert sich Hilfe in der Not. Unter anderem in Sandhausen, Garlstedt und Osterholz-Scharmbeck werden hilfsbereite Bürger und Hilfesuchende zusammengebracht. Wer körperlich eingeschränkt ist, allein lebt und keine Familienangehörigen hat, soll von Nachbarn versorgt werden, so die Idee dahinter.

Der Kreisstädter Peter Göbel hat eine Bürgerinitiative gegründet, um Senioren und Infizierten in Quarantäne zu helfen. Für seinen Einkaufsservice arbeite er mit Marktkauf am Pumpelberg zusammen, so Göbel im Gespräch mit der Redaktion. „Wir wollen uns auch um diejenigen Mitmenschen kümmern, die in sozialen Medien nicht vertreten sind.“ Dazu seien seine Helfer und er täglich in der Zeit von 7 bis 20 Uhr erreichbar – auch am Wochenende. Die Telefonnummer lautet 0 174 / 804 94 16.

Bei Jörg Kockert laufen die Fäden in Sandhausen zusammen. Für die Nachbarschaftsaktion hat er unter anderem einen Online-Aufruf gestartet. Er bittet alle Sandhausener, die keiner Risikogruppe ab 65 angehören und körperlich fit sind, sich zu engagieren. „Helft dabei, die Versorgung auch unserer älteren Generation sicherzustellen und Einkäufe zu erledigen“, appelliert Kockert.

Dazu sei eine WhatsApp-Gruppe gegründet worden, mit deren Hilfe die Einkauf-Einsätze koordiniert und weitere Absprachen getroffen werden könnten. „Lasst uns solidarisch zusammenstehen und unseren älteren Einwohnern von Sandhausen helfen“, so sein Aufruf. Nicht jeder habe das Glück, dass Kinder oder Enkel um die Ecke wohnten, um den Wochen-Einkauf zu erledigen. „Und hier kommt ,Sandhausen hilft sich‘ ins Spiel.“ Wer sich daran beteiligen möchte, kann Jörg Kockert unter Telefon 0 47 91 / 80 77 080 anrufen, oder ihm eine E-Mail mit Namen, Adresse und Mobilrufnummer schicken. Die E-Mail-Adresse lautet mail@joerg-kockert.de. „Kommuniziert bitte offensiv das Vorhaben über Mund-zu-Mund-Propaganda, da nicht jeder Haushalt über Internet verfügt“, ruft er in Erinnerung.

Sandhausens Ortsvorsteher Jens Tietjen freut das Engagement. „Ich finde die Aktion einfach super und unterstütze sie zu 100 Prozent.“ Grundsätzlich achte jeder auf jeden im Ort, so seine Erfahrung. Sandhausen sei gut strukturiert und verfüge über eine gute Nachbarschaft. Vieles im Ort laufe aber nicht über soziale Netzwerke, sondern über das „gute alte Telefon“, gibt er zu bedenken. „Ich kann mir vorstellen, dass ganz viele Menschen anderen helfen wollen.“ Besonders jetzt, zu Beginn, sei es wichtig, früh mit derartigen Aktionen anzufangen. „Das kann ich einer Woche schon ganz anders aussehen“, betont Jens Tietjen.

Auch in Garlstedt gibt es seit Montagmorgen eine Nachbarschafts-Aktion. Die „Corona-Hilfe“ soll in Garlstedt ein „Zeichen des Zusammenhaltes“ sein, wie Ortsvorsteherin Marie Jordan mitteilt. Besonders gefährdet seien ältere Mitmenschen und Menschen mit Vorerkrankungen, so Jordan. Sie sollten weitgehend größere Menschenmengen meiden und entsprechend vorsichtig sein. „Daher haben wir uns entschlossen, für die Ortschaft eine 'Corona-Hilfe' anzubieten.“ Wer einer Risikogruppe angehöre und wegen des Infektionsrisikos momentan lieber nicht selbst zum Einkaufen fahren möchte, kann den Dienst der Ortsgemeinschaft in Anspruch nehmen.

Auf der anderen Seite würden Menschen gesucht, die selbst nicht einer Risikogruppe angehörten, so Jordan. „Wir wollen diese Hilfegesuche und -angebote dann zusammenführen.“ Natürlich gebe es im Bereich der Nachbarschaftshilfe schon viele Menschen in Garlstedt, die sich kümmerten und bei Nachbarn Hilfe erfragten oder anböten. „Vielleicht gibt es aber auch Personen, bei denen dies bisher nicht geklappt hat und die Hilfe benötigen.“ Es würden dann Listen mit Angeboten und Nachfragen erstellt, die zusammengeführt werden. Wer Hilfe benötigt oder anbieten möchte, kann sich für Garlstedt bei Brigitte Matthes unter Telefon 0 47 95 /18 94 melden. Ortsvorsteherin Marie Jordan ist auch per E-Mail (ra-jordan@jordan-radtke.de) erreichbar.

Und auch die Jusos im Landkreis Osterholz beteiligen sich mit einer „Nachbarschaftseinkaufshilfe“ für Osterholz-Scharmbeck und Hambergen. Wie Frederik Burdorf vom Jusos-Landesvorstand mitgeteilt hat, gehe es darum, „im Sinne der Solidarität“ aktiv zu helfen. Deshalb schließe man sich der Kampagne der Bundesjusos und der SPD-AG 60+ an. Ab sofort werde „im Sinne des Ehrenamts“ Hilfe für Menschen über 60 Jahre und für solche „mit höherem Risikopotenzial durch Vorerkrankungen“ angeboten.

Menschen können sich ab sofort unter der Telefonnummer 0 47 91 / 80 79 5 22 oder per E-Mail an info@jusos-ohz.de mit Namen und Rufnummer melden. „Und wir kaufen für Sie ein.“ Die Jusos versprechen, sich innerhalb von24 Stunden persönlich zurückzumelden, um dann Detailfragen zu klären. Aus Kapazitätsgründen werde diese Hilfe lediglich in der Stadt Osterholz-Scharmbeck und der Samtgemeinde Hambergen angeboten, so Burdorf. „Wir appellieren im Sinne der Solidarität an alle Bürgerinnen und Bürger, die nächsten Wochen solidarisch zu handeln und rücksichtsvoll Menschenansammlungen zu meiden."

Einkaufs-Hilfe für Menschen, die zur Risikogruppe gehören, bietet auch die Damenmannschaft der Ritterhuder Badgers an. „Ich habe am Wochenende eine alte Dame mit Rollator beim Einkaufen etwas hilflos vor einem leeren Brotregal gesehen; ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie so mobil war, noch ein anderes Geschäft aufzusuchen; das hat mich nachdenklich gemacht“, erzählt die Football-Spielerin Anna Höpner. Sie brachte daraufhin die Hilfsaktion der Spielerinnen ins Rollen. „Wir sind mobil in Ritterhude, Osterholz-Scharmbeck, Lilienthal, Grasberg und Worpswede.“ Rückmeldungen, dass das eine tolle Sache sei, hätten sie bekommen. „Aber leider hat sich noch niemand an uns gewandt, der unsere Hilfe bräuchte“, sagt sie. Und auch niemand, der Hilfe für jemanden sucht, der der Risikogruppe angehört, habe sich bisher gemeldet. Sie hofft, dass sich das noch ändern wird. Zu erreichen sind die Badgers-Ladies telefonisch unter der Rufnummer 0 42 08 / 91 90 374 (Anrufbeantworter) und per E-Mail an info-ladies@badgers.de.

Die Kümmerer in Hambergen müssen in Zeiten von Covid-19 ihr Hilfsangebot zurückfahren. Viele von ihnen würden aufgrund ihres Alters selbst zur Risikogruppe gehören, hätten mitunter auch Vorerkrankungen, berichtet Kümmerin Liane Hudalla. Das Leitungsteam habe daher allen Kümmerern geraten, ihre Tätigkeiten gut abzuwägen. Was die Einkaufs-Hilfe, die sie normalerweise anbieten, betreffe, so wollten sie sich an die Jusos im Kreisgebiet wenden und um Unterstützung bitten. Sie hofft, dass diese mit ihrem oben bereits erwähnten Angebot in Coronavirus-Zeiten einspringen können.

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