15. Oldenburger Morgan-Treffen Liebe zu britischen Edelkarossen

Worpswede. Birgit Stein und Eva Janschek waren die einzigen Frauen beim 15. Oldenburger Morgan-Treffen. 'Sehen, sich hinein verlieben, anfangen zu sparen' - das war Steins Weg zu ihrer imposanten Karosse mit der markant langen Schnauze.
25.05.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Liebe zu britischen Edelkarossen
Von Undine Zeidler

Worpswede. Was der einen Frau 'das kleine Schwarze', ist Birgit Stein 'der kleine Schwarze'. Sie steuert eines der 17 Fahrzeuge mit den markant langen Schnauzen, unter denen bis zu 300 PS verborgen sind. Jetzt blubbern sie ganz zahm. Im Schritttempo fährt die Wagenkolonne an der Hammehütte in Neu Helgoland vor. Sonntagsausflügler bleiben stehen. Ihre Blicke folgen glänzendem Lack, poliertem Chrom, den Frauen und Männern in tief liegenden Roadstern. '15. OLMOG-Treffen' steht am Heck des letzen Wagens - das 15. Oldenburger Morgan-Treffen auf Ausfahrt nach Worpswede.

Birgit Stein ist dafür von der Mosel nach Wildeshausen gekommen. Dort starten die 17 Morgan und ihre 33 Insassen ihre täglichen Ausfahrten in Richtung Bremen und Nordsee. Einmal im Jahr trifft sich die Gruppe, geeint in der Liebe zu den britischen Edelkarossen: von ganz neu bis zum 40 Jahre alten Oldtimer, erzählt Jürgen Rims. Er organisiert gemeinsam mit Udo Köhne dieses Treffen.

Wenig Komfort für viel Geld

Schnell redet sich Rims in Begeisterung über das Familienunternehmen Morgan: Die einzige Autofirma weltweit, die noch in Privatbesitz ist. 1909 von Harry Frederick Stanley Morgan gegründet, wird sie heute von dessen Enkel Charles geleitet. In der Konstruktion der Wagen ist sich die Firma seit Anbeginn treu geblieben: Ein Holzgerüst aus belgischer Esche trägt die Karosserie - etwas, das viele Autoliebhaber fasziniert.

Kann das preiswert sein? 'Nee, ist es nicht', sagt Rims, doch beim Geld sei er lieber zurückhaltend. Immerhin verrät er dann doch: 80000 Euro koste heute ein neuer Morgan. 'Es ist ein Liebhaber-Auto', sagt er lächelnd. Aber Snobismus herrsche in der Truppe nicht, deren Durchschnittsalter er auf 60 Jahre beziffert. 'Alle sind normal drauf', versichert er - und das sei das Schöne daran. Morgan-Fahrer seien eine große Gemeinschaft, wie eine Familie, und vier bis fünf Mal im Jahr treffe die sich zum Fahren. Seit 23 Jahren gehören Rims und seine Frau dazu. 'Ich werde im nächsten Jahr historisch', witzelt er. Dann wird sein Wagen 30 Jahre alt und offizieller Oldtimer, darf das 'H' im Nummernschild führen.

Seit zehn Jahren nennt Birgit Stein einen Morgan ihr Eigen. Sie und Eva Janschek sind die einzigen Frauen des 15. OLMOG-Treffens, die hinter dem Lenkrad Platz nehmen. 'Sehen, sich hinein verlieben, anfangen zu sparen' - das war Steins Weg zu der imposanten Karosse. Bei Freunden habe sie 1976 erstmals einen Morgan gesehen. Jener Freund habe dann eines Tages bei ihr angerufen und gesagt: 'Ich habe deinen Morgan gesehen'. So sei sie zu ihrem 'kleinen Schwarzen' gekommen.

'Papa hat den Sportwagen und du die Familienkutsche' habe ihr Sohn mal über ihren Morgan gesagt, erzählt Janschek fröhlich. Ihr Mann habe sie seinerzeit 'infiziert'. Sie steuert einen Viersitzer, Morgan 4/4, rechts gelenkter 'Lady-Driver'. 'Ich fahr? ihn einfach gerne', schwärmt Janschek. Stein nickt.

Morgan - das ist offensichtlich mehr als Autofahren. Das ist pures Roadstergefühl: ohne festes Dach, ohne klappbares Verdeck, ohne elektrische Scheiben. Beim 'Morgan Plus 8' - der seit 1936 nahezu unverändert gebaut wird - sind das laut Rims Acht-Zylinder-Motoren mit 3,5 bis 4,5 Liter Hubraum und 150 bis 300 PS mit riesigem Drehmoment. Die erlauben Geschwindigkeiten über 200 Stundenkilometer. Kaum jemand fahre die: 'Wir cruisen eher'. Das bestätigen auch Stein und Janschek. Den Kick brauchen sie nicht. 'Da sind Frauen vernünftig', sagt Stein. Über 200, das sei ihr unheimlich.

'Technik macht Sinn', erzählt Janschek. Unterwegs werden sie viel gefragt und bleibe sie liegen, sei es gut, den Helfern sagen zu können, worum es geht. 'Ich schraube auch schon mal dran herum', sagt Stein nüchtern und schildert ihren Mitfahrern mit Gestik, wie sie die dünne Alu-Haube ihres Wagens abgebaut habe. Auch wachse sie die Holz-Karosse gelegentlich, obwohl die so hart sei, dass sie bei Regen kaum Wasser ziehe. Danach müsse das Auto gut abtrocknen, wegen des Verrottens, erklärt Janschek. Dass ein Morgan eine Garage hat, ist selbstverständlich für beide.

Fahren 'für viel Geld, ohne Bequemlichkeit', nennt Stein das Morgan-Gefühl schmunzelnd. 'Jedes Schlagloch verursacht wegen der langen Haube einen Hopser, die Kupplung ist wie bei einem Traktor'. Ein Morgan ist laut Stein hart gefedert und 'es regnet rein', ergänzt Janschek lachend. 'Mit Dach regnet es mehr rein als ohne!', überbietet ein Fahrer aus Trier. Sofort beginnen die drei zu sinnieren, wo das Wasser hereinlaufe. An der Scheibenwischer-Schnecke, mutmaßt Janschek. Stein verneint, sie bekomme immer nasse Schienbeine, das könne nicht an der Scheibenwischer-Schnecke liegen.

'Das Handtuch ist lebenswichtiges Utensil und ein Ledertuch (weil die Scheiben auch von innen nass werden)', erklärt Janschek gut gelaunt. Die Kleidung muss auch stimmen: 'Der Wind pfeift rundherum' in den offenen Roadstern, deshalb fahre sie mit Kappe, erzählt Stein, und Janschek, dass sie fünf Minuten brauche, bis sie fürs Fahren angezogen sei.

Für moderne Cabrio-Fahrer, windgeschützt hinter hohen Scheiben verborgen, hat Stein nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Morgan, das ist nach Janschek 'eine andere Art zu reisen".

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