Adorján Lux zeigt in der Galerie Altes Rathaus Collagen, Aquarelle, Öl- und Acrylbilder aus 25 Jahren Malerei Lieblingsmotive sind Formen der Romantik

Worpswede. In seinen Collagen legt Adorján Lux Räume übereinander, als werfe er drei oder vier Dias gleichzeitig an die Wand. "Ich steuere jeden Millimeter", sagt der Maler, der auf seinen Bildern Fassaden, Türme, Balkone und Brücken aus Städten neu zusammenbaut. "Es ist kein Foto", was da entsteht, sagt Lux, sondern sein subjektiv erlebter Blick auf diesen Ort.
22.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Lieblingsmotive sind Formen der Romantik
Von Undine Zeidler

Worpswede. In seinen Collagen legt Adorján Lux Räume übereinander, als werfe er drei oder vier Dias gleichzeitig an die Wand. "Ich steuere jeden Millimeter", sagt der Maler, der auf seinen Bildern Fassaden, Türme, Balkone und Brücken aus Städten neu zusammenbaut. "Es ist kein Foto", was da entsteht, sagt Lux, sondern sein subjektiv erlebter Blick auf diesen Ort.

Oft schaut der Maler auf Venedig, im Frühling, bevor die Touristen kommen. Menschen auf seinen Bildern sind klein. Lux nutzt sie meist nur als Maßstab für die von Menschenhand geformten Steine. Die Collagen, Aquarelle, Acryl- und Ölbilder sowie der Ausstellungstitel "Leben zwischen Nord und Süd" erzählen vom Spannungsbogen in Lux' Leben. Bis zum 20. März zeigt er die eben eröffnete Einzelausstellung in der Galerie Altes Rathaus.

Lux beschreibt, wie sein Herz höher schlägt, wenn er sich dem flachen Land nähert. Das gilt für ihn in Norddeutschland, an der Nordsee ebenso wie für die Ebenen jenseits der Alpen. In Venedig oder Fischerhude - Adorján Lux sucht nach dem Kontrast von Licht und Schatten. "Sonst lebt ein Bild nicht."

"Malen ist Emotion"

"Malen ist Emotion", schwärmt Lux. Die hat er selber, wenn er vor der Staffelei steht und die will er bei den Betrachtern wecken. Dafür hat der in Ungarn geborene und seit 30 Jahren in Worpswede lebende Maler sich nach eigenen Worten davon befreit, das zu tun, was der Kunstbetrieb verlangt. Lux will eine eigene Botschaft vermitteln. Eine, die aus seinem Inneren kommt. In rund 60 Bildern aus mehr als 25 Künstlerjahren lässt der 72-Jährige die Galeriebesucher daran teilhaben. Sie verzaubern und bezaubern - teils als impressionistische, rauschhaft farbige norddeutsche Landschaften, teils als strenge, kubistische Architektur-Collagen von Städten aus Nord- und Südeuropa.

Lux schaut fast zärtlich auf sein neuestes Gemälde, "Zeiten der Ruhe". Raum und Licht - für ihn zentralen Themen - verortet er einmal mehr in Venedig, seiner Liebe. Er nähert sich der Stadt übers Wasser von Murano her. Das dunkle Band aus Häusern, Türmen und Kuppeln teilt Wasser, Land und Himmel. Teilt gleichsam den Rest eines hellblauen Tages, vor dem schon eine schmale Mondsichel und ein Stern stehen, von der Nacht, die in dunklem Blau über das Wasser herauf kriecht. Fast schon hat es die Stadt in ihrem orangenen Abendkleid verschlungen, nur ein Scheinwerfer wirft sein stummes Licht auf dieses träge Dunkel.

Noch mehr Intensität erzeugt der Künstler auf einem Gemälde, in ähnlichen Farben, das aber ganz ohne menschliches Beiwerk auskommt. Ein gemalter Sog in die Tiefe.

Lux, der Architekturmaler, zeigt sich im umfangreich gezeigten "Hommage-Zyklus". Seinen Liebeserklärungen an die klaren und schlichten Formen der Romantik und frühen Gotik - "Überbleibsel des Mittelalters" - nennt er seine Lieblingsmotive. Diese sind ihm in Süditalien, Südfrankreich und Spanien ebenso begegnet wie in der Normandie oder als Fachwerkhäuser in Norddeutschland. Er schwärmt: "Ich liebe Celle, Verden, Stade und Bremen, alles alte Städte."

Mit Farben nuanciert Lux das Licht der Regionen. Blau für den Norden, Gelberdiges für den Süden. Lux ist in beiden Welten zuhause. "Lebt man länger im Süden, bekommt man Sehnsucht nach der Heimat und freut sich auf die schöne Sommerlandschaft in Fischerhude", sagt Adorján Lux lächelnd.

Und ist er mehr im Norden, dann ergeht es ihm umgekehrt. Dann erinnert er sich im Atelier mit dem Pinsel an das Licht des Südens, bevor er und seine Frau im Frühling wieder dahin aufbrechen.

Block, Bleistift, Filzstifte, Tinte begleiten Lux' stets auf seinen Reisen und Spaziergängen. In Worpswede sitzt er jeden Tag eine Stunde auf dem Rad, kennt jeden Busch, so sagt er. Binnen kurzer Zeit bringt Lux unterwegs Skizzen aufs Papier. Daraus entwirft er später, manchmal Jahre später, im Atelier die Öl- und Aquarellbilder.

"Es geht immer um das Licht", erzählt Lux über seine Malerei. Egal ob als dräuender Nordseehimmel, als impressionistisch vibrierende, mit Sand und Spachtel aufgetragene Sonne zwischen Fischerhuder Bäumen oder gleißend hell über Vence in Südfrankreich - das gemalte Lichtvokabular des Malers erscheint unendlich.

Nord und Süd, Licht und Schatten, Steine und Natur - mal geradlinig, streng und mal lyrisch weich erzählt Adorján Lux in der Ausstellung von jenen Kontrasten, die ihn bewegen und womit er bewegen will.

"Leben zwischen Nord und Süd": Bis zum 20. März in der Galerie Altes Rathaus, Bergstraße 1, jeweils montags bis freitags 14 bis 18 Uhr und an den Wochenenden 11 bis 17 Uhr.

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