Seit gestern fährt die Linie 4 vom Falkenberger Kreuz bis Arsten / Bürgermeister Hollatz: Ein Tag der Freude

Lilienthal feiert den Straßenbahnanschluss

„Bitte die Schienen frei machen!“ Um 14.45 Uhr war es so weit. Nach drei Jahren Bauzeit setzte sich gestern die erste Straßenbahn der Linie 4 am Falkenberger Kreuz in Bewegung, ganz langsam, mit einem Klingeln. Die mit gelben Lilien und blauen Hortensien geschmückte Bahn war proppevoll. Sie rollte durch ein Spalier von mehreren hundert Menschen. Pfiffe, Klatschen, Jubelrufe: „Lilienthal hat endlich seine Straßenbahn.“
02.08.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke
Lilienthal feiert den Straßenbahnanschluss

Axel Miesner sieht Enak Ferlemann, Jens Böhrnsen, Willy Hollatz, Hans-Joachim Müller, Daniela Behrens, Manfred Lütjen und Hans-Joachim Lohse (von links) beim Durchschneiden des Bandes zu.

Hans-Henning Hasselberg

„Bitte die Schienen frei machen!“ Um 14.45 Uhr war es so weit. Nach drei Jahren Bauzeit setzte sich gestern die erste Straßenbahn der Linie 4 am Falkenberger Kreuz in Bewegung, ganz langsam, mit einem Klingeln. Die mit gelben Lilien und blauen Hortensien geschmückte Bahn war proppevoll. Sie rollte durch ein Spalier von mehreren hundert Menschen. Pfiffe, Klatschen, Jubelrufe: „Lilienthal hat endlich seine Straßenbahn.“

Manfred Lütjen, Bauamtsleiter im Rathaus und Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Lilienthal (WBL), hat sie gezählt: 1182 Tage hat der Weiterbau der Linie 4 von Borgfeld bis Falkenberg gedauert. Eine harte Zeit für Geschäftsleute, die mit einer fünf Kilometer langen Baustelle leben mussten. Die Leidenszeit ist vorbei. Mit dem Start der ersten Triebwagen hat in Lilienthal das Straßenbahn-Zeitalter begonnen. „Dies ist ein Tag der Freude“, sagte Lütjen auf der meterhohen Bühne. Das Gros der über 500 Gäste und Schaulustigen fühlte ähnlich. Bei der Eröffnung der Linie 4 herrschte eine fröhliche Stimmung.

Es gab keine langatmigen Festreden, das war wohltuend fürs Publikum, das sich auf dem neuen Park-and-Ride-Platz vor der Bühne sammelte, auf der Radio-Bremen-Moderator Andree Pfitzner die Gäste vorstellte, um dann mit ihnen locker über Lilienthal und die Linie 4 zu plaudern. Bürgermeister Jens Böhrnsen war aus Bremen gekommen, sein Verkehrssenator Hans-Joachim Lohse auch. Dazu begrüßte Pfitzner Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz und WBL-Chef Manfred Lütjen sowie zwei Vertreter von Bund und Land: die Staatssekretäre Enak Ferlemann und Daniela Behrens. Böhrnsen musste gestehen, dass er die Bahn nach Lilienthal verpasst hatte. Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hatte es rechtzeitig in die Linie 4 geschafft und sprach von einem „tollen Fahrgefühl“.

Auch sonst gab es beim Talk der Ehrengäste jede Menge Lob für Lilienthal und die Linie 4. „Lilienthal hat sich herausgeputzt“, staunte der Radio-Moderator. Das Straßenbild sei attraktiver geworden: „Ein wunderschöner Ort.“ Ein Zuschauer hatte sich schon einen neuen Slogan ausgedacht. Bisher sei immer von Lilienthal als Oase am Rande der Großstadt die Rede gewesen. Jetzt sei Lilienthal „ein Dorf mit Großstadtflair“, meinte er.

Bürgermeister Willy Hollatz sprach von einem guten Tag für Lilienthal. Die Gemeinde sei jetzt schon ein begehrter Wohn- und Gewerbestandort. Die Linie 4 eröffne neue Chancen. „Wir werden weiter wachsen“, prophezeite Hollatz. „Wir rücken näher aneinander heran“, erklärte Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen. „Das ist ein Austausch. Wir kommen gerne hierher, und die Lilienthaler kommen zu uns.“ Die Straßenbahnverbindung sei „eine Win-Win-Situation“, von der beide profitierten.

„Ein Dorf mit Großstadtflair“

Er habe sich sagen lassen, dass fast alle Lilienthaler Geschäftsleute durchgehalten hätten, sagte der Bremer Verkehrssenator Hans-Joachim Lohse. Jene, die nicht durchgehalten hätten, seien vorher schon schwach gewesen, schob er hinterher – ein Affront für manche im Publikum. Das Durchhalten habe sich gelohnt, meinte Lohse. „Es werden mehr Besucher kommen.“ Die Linie 4 ist die erste Bahn, die über die Landesgrenze rollt. „Wir wollen den Verbund mit der Region stärken“, betonte Lohse. In einigen Jahren folge die Verlängerung der Linien 1 und 8 über Huchting hinaus nach Stuhr und Weyhe. Niedersachsens Landesregierung gehe es darum, Busse und Bahnen als Alternativen zum Auto zu fördern, erklärte die Staatssekretärin Daniela Behrens. „Wichtig waren uns gute Taktzeiten, damit die Menschen das Auto stehen lassen.“ In Lilienthal starten die Straßenbahnen der Linie 4 alle 15 bis 20 Minuten in Richtung Bremen.

Geldgeber Nummer eins ist der Bund, der 36 Prozent der Kosten des 64-Millionen-Projekts übernimmt. „Wir wollen den schienengebundenen Nahverkehr stärken“, betonte Ferlemann, der an den verstorbenen Ressortleiter der WÜMME-ZEITUNG, Klaus Pfaff, erinnerte. Er habe sich „die Finger wund geschrieben“, um Menschen davon zu überzeugen, dass die Bahn kommen müsse. Das verdiene Respekt. Die BSAG freue sich darauf, den Lilienthalern zu zeigen, „wie leistungsfähig wir sind“, erklärte das Vorstandsmitglied Hans-Joachim Müller. Die Verlängerung der Linie sei ein Gewinn für Lilienthal und für das Bahnunternehmen. Es werde deutlich mehr Fahrgäste geben.

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