Special Olympics - Eröffnungsfeier Lilienthaler Christophe Schuler tanzt auf der Eröffnungsfeier

Lilienthal. Mehr als 10000 Augenpaare werden heute Abend auf ihn gerichtet sein. In der Bremen Arena, wenn er seine Tanzpartnerin im Arm hält und in weichen Bewegungen scheinbar über den Fußboden gleiten wird. Christophe Schuler und Johanna Wiese tanzen einen Solo-Cha-Cha-Cha bei der Eröffnungsfeier der 'Special Olympics National Games'.
14.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Lilienthaler Christophe Schuler tanzt auf der Eröffnungsfeier
Von Undine Zeidler

Lilienthal. Mehr als 10000 Augenpaare werden heute Abend auf ihn gerichtet sein. In der Bremen Arena, wenn er seine Tanzpartnerin im Arm hält und in weichen Bewegungen scheinbar über den Fußboden gleiten wird. Christophe Schuler und Johanna Wiese tanzen einen Solo-Cha-Cha-Cha bei der Eröffnungsfeier der 'Special Olympics National Games' - der Sommerolympiade für Menschen mit geistiger Behinderung. Die beiden Tänzer sind Teil einer großen Show mit Sängern, Tänzern, Artisten, Musikern und vielen anderen Künstlern, die um 19.30 Uhr beginnt.

Zu Hause hat sich Christophe Schuler für den Besuch schick gemacht. Er trägt ein blau-kariertes Hemd mit dunkelblauer Fliege und farblich passendem Sakko. Schlichte Eleganz für einen Tag, der ihm noch einiges abverlangen wird: Tanzprobe in Bremen, Golftraining in Lilienthal. Der 21-Jährige tritt nicht nur bei der Eröffnungsgala in Bremen auf. Ab Dienstag startet er im Lilienthaler Golfclub im Golf-Wettbewerb. Dann tauscht er Gummi-Stiefel gegen Golfschuhe. Der Platz ist auch sein Arbeitsplatz. Schuler absolviert eine Ausbildung bei der Stiftung Leben und Arbeiten in Worphausen, im Niels-Stensen-Haus.

Vor ihm auf dem Wohnzimmertisch liegt ein Foto. Schuler blickt darauf und lächelt. Er ist stolz auf seine Tanzpartnerin. Joana nennt er sie. Seit zwei Wochen übt er mit ihr, erzählt die Mutter. 'Was tanzt ihr da?', fragt sie den Sohn deutlich artikuliert. '1,2, cha, cha, cha'. Die Mutter lächelt: 'Da muss man viel zählen.' Auf dem Probenfoto trägt Schuler ein weißes Hemd. Beim Auftritt wird es eine schwarze Hose mit viel Glitzer sein. Er drückt die Hände auf die Brust: 'Ein schwarzes Hemd'.

Dorothea Schuler teilt die Verehrung ihres Sohnes für Joana Wiese. Der sagt: 'Tanzt ganz super'. Auf dem Bild beugt sich die junge Frau lächelnd über Christophe Schulers Arm. Sie ist Weltmeisterin, gehört zu der Lateinformation aus acht Paaren, die sich unter Trainer Roberto Albanese einen Weltmeistertitel für den Bremer Tanzclub 'Grün-Gold' ertanzte. Diese Choreografie werde zuerst bei der Eröffnungsfeier gezeigt, schwärmt Dorothea Schuler.

Danach habe Joana hinter der Bühne zwei Minuten Zeit, das Kostüm zu wechseln. Wenn sie mit ihrem Sohn auftrete, trage sie etwas Schlichteres. Die Garderobenzeit überbrücke Albanese mit einer Moderation. Wenn es mit den vielen Häkchen an Wieses Kleid länger als geplant dauere, müsse er eben etwas länger moderieren, meint die Mutter schmunzelnd.

Die Idee zu dem Tanz stamme von der Münchener Agentur, die das künstlerische Rahmenprogramm geplant habe, weiß die Mutter. 'Es wäre gut, wenn jemand mit Handicap tanzen könnte', sei gesagt worden. Anlaufstelle für die Planer war das Bremer Tanzwerk. Dort tanzt Christophe Schuler bei Inga Becker. Die habe ihn vorgeschlagen.

Der erste Anruf kam im April

Der erste Anruf sei im April gewesen. Bis alle Termine passten, verging laut der Mutter noch einige Zeit. Vor zwei Wochen habe sich Albanese dann mit ihrem Sohn getroffen, ihn kennengelernt. Die Choreografie von Wiese und Schuler habe der Latein-Trainer anschließend speziell für die beiden entwickelt. Seitdem trainiert Schuler täglich, so die Mutter. Heute werden es noch einmal mehrere Stunden sein. Erst am Vormittag und für 17.15 Uhr ist die Generalprobe angesetzt.

Auf das Golfen ab morgen freut sich Christophe Schuler ebenso. Eine Medaille zu holen, das kann er sich vorstellen. 'Schauen wir mal', bremst die Mutter. In ihren Augen ist der Sport ein guter Ausgleich zum Tanzen. Da sei Konzentration und Körperspannung gefragt. Seit einem Jahr pflege die ganze Familie das Hobby, weil es so zeitintensiv sei. Der große Garten der Familie bietet zudem genug Raum für einen Hobby-Golf-Platz. Rote Fahnen markieren die Löcher. Dort trainiert Christophe Schuler gelegentlich, wenn er nicht bei der Arbeit ist oder im Lilienthaler Golfclub trainiert. Für das Niels-Stensen-Haus wird er ab morgen in den Wettbewerb starten. 'Golf ist schwer', sagt Christophe Schuler und blickt ernst. Im Garten zeigt er sein Können, schwingt sich ein, schlägt ab. Beim letzten Training habe er auf dem Golfplatz 75 und 100 Meter geschafft, erzählt er stolz. Was aufregender ist, der Tanz oder das Golfturnier? Darüber habe er noch nicht nachgedacht. 'Eines nach dem Anderen', antwortet

die Mutter für ihn. Sie wird den Auftritt ihres Sohnes heute Abend von den Zuschauer-Plätzen aus erleben. Hinter der Bühne sei es zu hektisch, da störe sie nur, sagt sie und blickt erwartungsvoll zu ihrem Sohn. Der nickt. 'Ist gut, aufregend auch.'

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