Landgericht verhandelt sexuellen Missbrauch Lilienthalerin versorgt pädophilen Freund mit Kinderfotos

Wegen sexuellen Missbrauchs und des Verschaffens kinderpornografischer Schriften hat eine Lilienthalerin 2019 eine Jugendhaftstrafe erhalten. Das Urteil wurde nun vom Landgericht im Großen und Ganzen bestätigt.
12.11.2020, 16:55
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Angelika Siepmann

Auf einem Spielplatz in Lilienthal hat eine damals 20-Jährige im April 2018 Handy-Fotos von ihrem fast vierjährigen Sohn, aber auch von der gleichaltrigen Tochter einer Bekannten gemacht. Zwölf Aufnahmen des Mädchens sowie deren Weiterleitung brachten die junge Frau vor Gericht: Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit dem Verschaffen kinderpornografischer Schriften wurde sie 2019 vom Jugendschöffengericht Osterholz-Scharmbeck zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung sowie einem einwöchigen Dauerarrest verurteilt.

Zwar hatte die gebürtige Bremerin schon ein Geständnis abgelegt und sich im Rahmen eines Vergleichs mit der Mutter des betroffenen Kindes auf eine Schmerzensgeldzahlung von 1800 Euro verständigt. Mit dem Strafmaß mochte sich die Angeklagte aber nicht abfinden. So hatte sich am Donnerstag das Landgericht Verden mit dem Fall zu befassen. Um es vorweg zu nehmen: Die kurzfristig, erst während der Verhandlung auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch beschränkte Berufung brachte ihr nur einen Teilerfolg. Der Dauerarrest fiel weg, bei der Jugendstrafe mit strengen Bewährungsauflagen blieb es. Und die 3. große Jugendkammer stellte auch die Schwere der Schuld fest. „Jedes andere Signal wäre falsch“, befand der Vorsitzende Richter.

Mit der Berufungsbeschränkung, die einem erneuten Geständnis gleichkam, wurde der Schuldspruch rechtskräftig. Die Kammer begrüßte dies ausdrücklich, da nun keine aufwendige Beweisaufnahme mehr nötig sei und vor allem: „Wir müssen uns die Bilder nicht ansehen. Das können wir uns alle hier ersparen.“ Nach den Feststellungen des Jugendschöffengerichts fertigte die Angeklagte seinerzeit ein Dutzend Bilddateien, die den unbekleideten Genitalbereich des Mädchens und laut Gericht auch „eine konkrete Missbrauchshandlung“ zeigten.

Die Dateien schickte sie über einen Messenger-Dienst an ihren damaligen Freund, der mittlerweile ihr Ehemann ist. Sie habe den Mann „bei seinen pädophilen Neigungen erfreuen“ wollen, hieß es. Der Angeklagten war seinerzeit zu Gute gehalten worden, dass sie aufgrund psychischer Beeinträchtigungen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gehandelt habe. So war eine „abhängige Persönlichkeitsstörung“ sowie eine Reifeverzögerung attestiert worden. Auch Drogen sollen eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus waren die bewegte Vita der Frau und ihre komplizierten Lebensverhältnisse berücksichtigt worden.

Dies geschah auch jetzt beim Landgericht. Als die psychiatrische Sachverständige ihr Gutachten vortrug, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen; ebenso bei den Plädoyers danach. Die Mutter des betroffenen Mädchens war mit ihrem Anwalt und einer psychosozialen Prozessbegleiterin erschienen.

Sie habe „wahnsinnige Angst, in den Knast zu gehen“, hatte die Angeklagte auf die Frage nach dem Ziel der Berufung geantwortet. „Und wenn das erst die Runde macht…“. Sie hat im Januar einen zweiten Sohn geboren, der umgehend vom Jugendamt in Obhut genommen wurde. Der ältere Junge lebt bei seinem leiblichen Vater. Sie selbst ist mit ihrem Mann kürzlich in den Kreis Rotenburg umgezogen. Ins Gefängnis muss die junge Frau nicht – wenn sie sich an Bewährungsauflagen hält, zu denen die Fortsetzung der Psychotherapie und regelmäßiges Drogenscreening gehören. Sie sei nun auf einem besseren Weg als vor einem Jahr, so der Richter. Die Kammer entsprach mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+