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Achim/Badens früherer Publikumsliebling Aljoscha Schmidt ist jetzt Trainer bei der HSG Lollar/Ruttershausen
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Von außen nach draußen

Florian Cordes 17.12.2016 0 Kommentare

Handball Achim/Baden - Potsdamm
Eine Szene aus dem Januar 2007. Damals spielte Aljoscha Schmidt mit der SG Achim/Baden in der 2. Bundesliga. (Hans-Henning Hasselberg)

Mittlerweile sind fast zehn Jahre vergangen, seit der Handballer die SG Achim/Baden verlassen hat, um sein Glück in der ersten Bundesliga zu suchen. Bei TUSEM Essen und später bei GWD Minden sollte er es finden. Doch auch im Sommer dieses Jahres war der frühere Linksaußen überrascht. Denn der 32-Jährige ist seit dieser Saison kein Spieler mehr, sondern Trainer. Schmidt coacht derzeit die HSG Lollar/Ruttershausen. Einen hessischen Klub, der in der Landesliga spielt. Dass es Aljoscha Schmidt von außen nach draußen gezogen hat, ist jedoch auch mit seinem plötzlichen Karriereende verbunden.

An jenen Tag, als Schmidts Profikarriere zu Ende ging, kann sich der frühere Flügelspieler noch genau erinnern. „Es war der 28. April 2015“, sagt Schmidt. Im Training mit seinem Ex-Klub GWD Minden verletzte er sich schwer an der Schulter. „Die Schulter war nach hinten ausgekugelt. Ich habe damals sofort gemerkt, dass da etwas Schlimmeres passiert war“, erinnert sich der 32-Jährige. „Der Bandapparat war in der Schulter komplett weg. Da war nichts gerissen, sondern eher zerfetzt.“

Schulterverletzung verändert alles

Anschließend wurde alles versucht, damit Aljoscha Schmidt aufs Feld zurückkehren kann. Einer siebeneinhalbstündigen Operation folgte eine Reha. „Anfangs klappte alles gut. Anfang 2016 stagnierte die Heilung dann aber“, erzählt er. „Da wusste ich, dass es nicht mehr mit dem Handballspielen funktioniert.“ Dabei wollte Aljoscha Schmidt noch einmal angreifen. Nachdem sein Vertrag in Minden nicht verlängert worden war, unterschrieb er einen neuen Kontrakt beim Zweitligisten TV Hüttenberg, der momentan auf dem Weg ins deutsche Handball-Oberhaus ist. Als immer deutlicher wurde, dass er nicht zurückkehren kann, einigten sich Schmidt und der TV Hüttenberg darauf, den Vertrag wieder aufzulösen.

Somit ging eine beeindruckende Karriere zu Ende, die in Achim ihren Anfang nahm. Aljoscha Schmidt war Teil der erfolgreichsten Ära der SG Achim/Baden, als die Weserstädter im ersten Jahrzehnt der 2000er drei Jahre in der 2. Bundesliga spielten. Unvergessen bleibt für Schmidt wohl die Saison 2006/2007. In diesem Jahr wurde er in der Nordstaffel der 2. Liga drittbester Torschütze und wechselte nach Essen in die erste Liga. 2008 führte ihn der Weg zu GWD Minden. Dort blieb er sieben Jahre.

Als die Schulterverletzung sein Leben veränderte, wollte Aljoscha Schmidt, der mittlerweile wieder in seiner mittelhessischen Heimat lebt, zunächst einmal Abstand vom Handball gewinnen. Und dann kam doch wieder alles anders. Eines Tages im Sommer 2016 klingelte Schmidts Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Thorsten Schmitz, Sportlicher Leiter des Landesligisten HSG Lollar/Ruttershausen. „Er hat mich gefragt, wie es denn bei mir aussehen würde und ob ich vielleicht Lust hätte, die HSG zu trainieren“, erinnert sich Schmidt. Da in der Mannschaft einige Bekannte spielen, schaute er tatsächlich mal beim Training vorbei. Es gefiel ihm, und er sagte zu. „Natürlich in Absprache mit meiner Frau“, erzählt der Coach schmunzelnd. Aljoscha Schmidt kehrte also doch zum Handball zurück, wenn auch in anderer Funktion. „Irgendwann wollte ich schon Trainer werden. Jetzt kam es doch schneller als gedacht.“

Zwar hatte er zuvor keine Erfahrungen als Coach. „Doch ich habe von meinen vielen Trainern sehr viel gelernt“, sagt er. In all den Jahren habe er sich verschiedene Trainingsmethoden abgeschaut. Und diese will er jetzt anwenden. „Ich habe einen klaren Plan, und den will ich umsetzen.“ Zu Beginn seiner Trainertätigkeit musste er sich allerdings erst einmal schlaumachen. Denn mit der Landesliga Hessen-Mitte habe er sich zuvor nicht beschäftigt. Mittlerweile habe er sich aber gut eingelebt. Und er ist mit seinem Team auch erfolgreich. Derzeit steht Lollar in der 14er-Staffel auf Rang sieben. „In den nächsten zwei oder drei Jahren wollen wir aber in die Oberliga“, kündigt Schmidt an. „Das Potenzial ist in meiner Mannschaft vorhanden.“

Und obwohl mittlerweile fast zehn Jahre vergangen sind, seit er noch das Trikot der SG Achim/Baden trug, verfolgt er, was bei seinem Ex-Klub so passiert. „Dass Tobias Naumann jetzt bei der SG Trainer ist, ist auch mir nicht entgangen. Und auch nicht, dass er gleich sein erstes Spiel gewonnen hat“, sagt Schmidt, der sich über den guten Einstand seines früheren Teamkollegen freut. Mit alten Weggefährten wie Jens Klenke oder Matthias Köhnecke stehe er immer noch in Kontakt. „Leider habe ich schon länger nicht mehr mit Cord Katz gesprochen. Dabei telefonieren wir eigentlich regelmäßig“, bedauert der Ex-Profi.

Kurz bevor das Telefonat mit unserer Zeitung endet und die 0 42 02 von seinem Handydisplay verschwindet, gibt Aljoscha Schmidt noch schnell eine Liebeserklärung an seine alte Wirkungsstätte ab: „Wenn ich in Bremen bin, schaue ich meist auch in Achim vorbei. Ich liebe es dort. Handballerisch war das die schönste Zeit meines Lebens. Es hat damals so viel Spaß gemacht.“


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...