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Schach
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Den Geist stärken

Nico Brunetti 12.12.2018 0 Kommentare

Im Rieder Team kämpft er an Brett vier um Zählbares: Erich Schlemmer. Er hat die Sparte indem Verein gegründet.
Im Rieder Team kämpft er an Brett vier um Zählbares: Erich Schlemmer. Er hat die Sparte indem Verein gegründet. (Michael Braunschädel)

Riede. Im fortgeschrittenen Alter heißt es oft: „Ich muss Sport machen, um fit zu bleiben.“ Zumeist ist das auf den Körper bezogen. Doch es gibt auch Menschen, die dies auf die geistige Fitness beziehen. Einer von ihnen ist Erich Schlemmer. „Ich bin in Rente gegangen und dachte: Du musst etwas für den Geist tun“, erzählt der 65-Jährige. Recht schnell fiel seine Wahl auf das Spiel der Könige, auf Schach. Sein anschließender Versuch, in seinem Heimatort für diesen Sport zu werben, gelang. „Sie waren sofort Feuer und Flamme“, berichtet Schlemmer von seiner Anfrage bei den Vereinsverantwortlichen des MTV Riede. Wohl zur Verwunderung vieler, die sich gefragt haben dürften: Schach? Für eine Sportart, die in der heutigen Zeit am Rande der Existenz wandelt, soll eine Sparte beim MTV Riede neugegründet werden? Wirklich? Ja, genauso kam es 2016.

Mittlerweile werden im Rieder Vereinsheim seit nunmehr zwei Jahren die Figuren über die Bretter geschoben. Das geschieht immer am Montag, dann steht Training an. Momentan tummeln sich beim MTV bis zu zwölf Spieler, davon drei Jugendliche. Für eine Aufnahme gibt es keine Bedingungen. Bei Schlemmer wird keiner ausgeschlossen. Das verdeutlicht ein Blick auf die Rieder Schachgruppe. Da trifft der 86-jährige Herbert Prautzsch im Training auf den elfjährigen Emil Ziermann. Oder auf den im Rollstuhl sitzenden Franz Engel. Schach sei der richtige Sport für ihn, da fühle er sich wohl, sagt Schlemmer über ihn. Engel gehört auch zur festen Gruppe, die für den MTV die Meisterschaftsspiele in der C-Klasse bestreitet. Er kämpft an Brett drei für Punkte. Eine Position hinter ihm spielt der Leiter der Sparte Schach selbst. An Brett fünf und sechs sind Erwin Schmiedt und Hermann Bollmann aktiv. Wilken Drücker gilt mit seinem DWZ-Wert (Deutsche Wertungszahl) von 1459 als hochkarätigster MTV-Schachspieler. Burghard Schäffer sitzt an Brett zwei und hat einen DWZ-Wert von 1372. In der ersten Saison als eigenständige Mannschaft sind die Rieder bislang sehr erfolgreich unterwegs. Die Meisterschaft in der C-Klasse scheint möglich.

Jedoch stellt sich die Frage, inwiefern ein solcher Aufstieg in die B-Klasse für die Sparte zu bewältigen wäre. Statt sechs Bretter müssten eine Liga höher acht besetzt werden. Ansonsten drohen Strafgelder. Ein Weg ist eine Kooperation mit dem Nachbarverein aus Thedinghausen. „Sie mussten ihr Team abmelden, weil sie zu wenige Spieler hatten. Für mich ist das eine Option, mit ihnen zusammenzugehen“, meint Riedes Spartenleiter. Die Idee einer Spielgemeinschaft ist nicht neu. Von 2016 bis 2018 mischte der MTV beim SK Kirchweyhe mit.

„Das das schönste und beste Brettspiel“

Neben diesen Gedankenspielen versucht Schlemmer, seine Sparte für die Zukunft zu rüsten. Beispielsweise verteilt er Flugblätter oder bindet Schach ins Ferienangebot im Ort mit ein. „Mein Wunsch ist es, dass es möglichst lange funktioniert“, hofft er. Ebenfalls arbeitet er auf eine Jugendmannschaft hin. Dafür fehlen dem MTV bisher noch Spieler. „In der Jugendliga muss man vier Bretter besetzen“, sagt Schlemmer.

Dass die Neugründung der Sparte quasi ein Einhorn in der heutigen Zeit ist, das sieht Schlemmer selbst nicht so. „Es gibt auch Schach-AGs in der Schule, die sind meistens voll. Manche Kinder mögen keine Ballsportarten.“ Aus seiner Sicht sind es die mentalen Anforderungen, die Schach so interessant machen. „Das ist das schönste und beste Brettspiel. Man muss seinen Gegner studieren, muss viel nachdenken und erahnen. Das ist die Faszination“, beschreibt Schlemmer.

Seine Begeisterung für den Denksport wurde ihm von seinem Vater in die Wiege gelegt. „Als Kriegsgefangener kannte er das Spiel aus der amerikanischen Gefangenschaft. Er hat es mir beigebracht. Ich bin dann kontinuierlich dabeigeblieben“, berichtet Schlemmer. Schach beschreibt er als ruhige Sportart. Während der Partien stehe die Konzentration im Vordergrund. Es schließe aber keine Emotionen aus. Schlemmer betitelt die Fähigkeit, verlieren zu können, in diesem Denksport als wichtig. Die höchste Bedeutung hat für ihn aber der Geist. Denn er ist es bekanntlich, der gestärkt werden soll.


Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

Rettungsdienste nur noch per/im Panzer ?

Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...