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Philipp Langosz bei Sky
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Ein Achimer kommentiert Wimbledon-Spiele

Florian Cordes 11.07.2019 0 Kommentare

Fabio Fognini wird es mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht wissen. Doch während seiner drei Matches in Wimbledon wurde der italienische Tennisprofi von einem Menschen ganz besonders beobachtet – von Philipp Langosz. Aufgewachsen ist der 38-jährige Langosz in Achim. Mittlerweile lebt er in München und arbeitet als Sportjournalist für den Bezahlsender Sky. Und so kommt auch die Beziehung zu Fognini und Wimbledon zustande. Philipp Langosz war bei dem weltweit bedeutendsten Rasenturnier als Kommentator im Einsatz. Und unter anderem war es der Italiener, den der Achimer quasi mit seiner Stimme durch die drei Matches in London begleitete.

Spiele kommentieren, die auf dem heiligen Rasen ausgetragen werden – bei diesem Gedanken fällt Langosz auf Anhieb nur ein einziges Wort ein: „Traumhaft.“ Vor Ort in London ist Langosz zwar nicht – er erledigt seine Arbeit für Sky von München aus –, das Gefühl, die Spiele so intensiv zu begleiten, sei dennoch großartig. 2018 war er bei dem Rasenturnier, das nur so vor Tradition strotzt, erstmals im Einsatz. Doch was macht Wimbledon für ihn so besonders? „Da kann man eigentlich einen guten Vergleich ziehen“, sagt Langosz. „Natürlich ist es viel schöner von einem Turnier zu berichten, das richtig viele Menschen interessiert, als nachts Spiele von einem Turnier aus Acapulco zu kommentieren.“

Der Italiener Fabio Fognini wurde in der ersten Turnierwoche von Wimbledon von Philipp Langosz ganz besonders beobachtet.
Der Italiener Fabio Fognini wurde in der ersten Turnierwoche von Wimbledon von Philipp Langosz ganz besonders beobachtet. (ALASTAIR GRANT/DPA)

Tennis-Kommentatoren sprechen in der Regel zwar nicht durchgängig, wie es beim Fußball zumeist der Fall ist, dennoch sei der weiße Sport für einen Reporter ebenso anspruchsvoll, findet Langosz: „Beim Fußball weißt du von Anfang an, dass du 90 Minuten vor dir hast. Bei einem Pokalspiel kommen vielleicht noch die Verlängerung und Elfmeterschießen hinzu. Aber beim Tennis kann das Ganze bekanntlich wesentlich längern dauern.“

Das ist vor allem in Wimbledon so: Wie bei den Grand Slam-Turnieren üblich, spielen die Männer drei Gewinnsätze. Eine Spieldauer von mindestens zwei Stunden ist schon fast Standard. Wenn dann auch noch Regenpausen hinzukommen, kann sich der Arbeitstag noch mehr in die Länge ziehen. Diese Erfahrung machte er kurz vor Wimbledon, als er als Kommentator beim Rasenturnier in Queens (London) im Einsatz war. „Einen Tag lang hat es dort nur geregnet. Dann hängst du halt rum und wartest, ob nicht doch noch gespielt werden kann, bevor komplett abgesagt wird“, erzählt Langosz.

Spezielle Vorbereitung

Dass er viel Ausdauer haben muss, bekam er in diesem Jahr während der Wimbledon-Übertragung ebenfalls mehrfach zu spüren. Denn sein persönlicher „Schützling“ Fabio Fognini machte es in zwei seiner drei Matches ziemlich spannend und ging in diesen Partien über fünf Sätze. In Runde drei kam dann das Aus für den Italiener. Er unterlag dem Amerikaner Tennys Sandgren in drei Sätzen. Vor den drei Spielen Fogninis und den anderen Partien, denen er seine Stimme verlieh, musste sich Philipp Langosz stets speziell vorbereiten: „Im Grunde musst du über die Spieler alles wissen. Wenn die Trainer, Betreuer oder die Freundin im Bild zu sehen sind, muss man die kennen“, sagt er.

So sehr er es auch genießt, die Begegnungen auf dem heiligen Rasen von Wimbledon zu kommentieren, fest anvisiert hat er diese Aufgabe eigentlich nie. „Mal als Kommentator zu arbeiten, das war schon mein Traum“, sagt der 38-jährige. „Aber ich habe nie den Beschluss gefasst, irgendwann werde ich auf jeden Fall Sportkommentator. Das Ziel schien mir immer zu groß zu sein.“ Doch nun sitzt er am Mikrofon, wenn die besten Tennisspieler der Welt gegeneinander antreten. Stück für Stück sei er der Erfüllung seines Traumes nähergekommen. „Wahrscheinlich war ich dann doch ein ganz passabler Redakteur“, blickt Langosz schmunzelnd auf seine Anfangszeit bei Sky zurück. Seit September 2011 ist er für den Pay-TV-Sender aus München als Sportredakteur tätig.

Abitur in Achim

Aber das Glück habe ihm ebenfalls geholfen, um in der Branche nach vorne zu kommen. „Nachdem ich in Achim mein Abitur gemacht habe, wusste ich zunächst gar nicht, was ich machen soll. Zudem war meine Abi-Note die wohl schlechtest mögliche“, erzählt Langosz, der seiner Heimatstadt immer mal wieder einen Besuch abstattet.

Nach seinem Zivildienst, den er in einem Seniorenheim in Oyten leistete, ging es auf die Suche nach einem Studienplatz. „Und da musste ein Platz mit einem möglichst niedrigen Numerus clausus her“, sagt Langosz lachend. Fündig wurde er schließlich in Frankfurt. In der hessischen Bankenmetropole studierte er Sportwissenschaften, Romanistik und Sportmedizin. Zudem absolvierte er mehrere Praktika in der Medienbranche. Schließlich bewarb er sich 2009 für ein Volontariat in der Sat.1-Sportredaktion. „Und ich habe den Platz tatsächlich bekommen“, freut er sich noch heute. „Denn einen wirklichen Plan B hat es für mich nicht gegeben.“ Bei Sat.1 kümmerte er sich unter anderem um die Fußball-Champions-League, über die der Sender damals noch berichtete. 2011 folgte der Wechsel zu Sky – quasi ein paar Häuser weiter.

Philipp Langosz ist in Achim aufgewachsen.
Philipp Langosz ist in Achim aufgewachsen. (FR)

Langosz kommentiert für den Pay-TV-Sender aber nicht nur Tennisspiele, auch beim Boxen kam er schon zum Einsatz. Zudem ist er an so gut wie jedem Wochenende bundesweit als Redakteur im Einsatz, wenn in der Fußball-Bundesliga gespielt wird. Die startet jedoch erst Mitte August in ihre 57. Saison. Und zudem läuft ja noch die zweite Turnierwoche in Wimbledon. In dieser kommt Philipp Langosz zwar nicht mehr als Kommentator zum Einsatz, nahe dran ist er aber weiterhin. „In dieser Woche bin ich dafür zuständig, Beiträge über das Turnier zu erstellen.“

Hätte Fabio Fognini in London die zweite Turnierwoche erreicht, hätten sich die Wege des Profis und des Kommentators also ohnehin getrennt.


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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