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Interview
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„Ich hatte viele Kritiker“

Florian Cordes 12.06.2019 0 Kommentare

Für Emrah Tavan und seinen FSV Langwedel-Völkersen wurde der Abstiegskampf nach einer guten Hinrunde doch noch zu einem Kraftakt.
Für Emrah Tavan und seinen FSV Langwedel-Völkersen wurde der Abstiegskampf nach einer guten Hinrunde doch noch zu einem Kraftakt. (Björn Hake)
Herr Tavan, nachdem Sie am letzten Spieltag beim TV Oyten mit ihrem Team mit 0:1 verloren hatten, aufgrund der Schützenhilfe des SV Pennigbüttel aber dennoch den Klassenerhalt geschafft haben, wollten Sie keine Glückwünsche entgegennehmen. Wie schaut es jetzt – mit einigen Tagen Abstand – aus? Würden Sie noch immer sagen, dass der Klassenerhalt glücklich ist?

Emrah Tavan: Man muss auch sehen, wie die Saison bei uns allgemein zustande gekommen ist. Wir haben uns damals von unserem Trainer getrennt (der FSV Langwedel-Völkersen und Dariusz Sztorc hatten sich kurz vor Beginn der Saisonvorbereitung getrennt, Anm. d. Red.). Ich war da noch Spieler. Und alles war anders geplant. Ich war bei den Gesprächen, einen neuen Trainer zu finden, selbst dabei. Und dann kam es halt doch dazu, dass ich es mache. Es war ein großer Schritt. Aber eben auch ein Schritt, bei dem man nicht wusste, wie wird das alles laufen. Da kam schließlich mit mir ein Trainer, der den Verein durch und durch kennt und für den Verein lebt. Aber eben auch ein Trainer mit null Erfahrung im Herrenbereich.

War es also ein Problem, dass Sie ins kalte Wasser geworfen worden sind?

Nein. Das finde ich nicht. Letzten Endes haben wir es ja auch gar nicht so schlecht gemacht. Es war für alle aber nicht einfach. Wenn man aber die Hinrunde betrachtet, war die vollkommen in Ordnung. Da haben wir mehr als 20 Punkte geholt. Viele haben damit sicher nicht gerechnet. Klar: Es hätte auch besser laufen können. Das kann es immer. Nach und nach haben wir aber abgebaut.

Gefühlt waren Sie und Ihre Mannschaft schon gesichert . . .

Ja. Das war auch so. Auch zu Beginn der Rückrunde haben wir gute Spiele gezeigt. Aber dann ist der Erfolg halt ausgeblieben. Es ist nun einmal so, dass wir viele Ausfälle hatten. Das habe ich so noch nie erlebt. Das war halt Pech. Teilweise haben mir acht Spieler über einen langen Zeitraum gefehlt, sechs davon waren Stammspieler. Das Problem war, dass wir das nicht auffangen konnten.

Zu sicher war sich das Team aber nicht, als man phasenweise einen zweistelligen Vorsprung auf die Abstiegszone hatte?

Nein. Sie kennen mich ja auch. Ich wäre mir nie zu sicher. Und wenn ich 40 Punkte habe, dann möchte ich auf 50 kommen. So bin ich. Da bin ich ehrgeizig und gehe auch voran. Aber noch einmal: Wir hatten zu viele Ausfälle, die wir nicht kompensieren konnten. Es ist nichts gegen die Leute, die gespielt haben. Aber wenn wichtige Spieler fehlen, ist das halt ein Qualitätsverlust. Da muss man so ehrlich sein. Dass wir uns aber zu sicher waren, das war nicht der Fall. Natürlich haben wir gegen Mannschaften von unten verloren. Im Grunde war in diesen Spielen aber egal, wer auf dem Platz stand. Gegen Mannschaften wie Wörpedorf oder Scharmbeckstotel musst du eigentlich gewinnen.

Schlussendlich bleibt der FSV in der Bezirksliga. Was hätte aber ein Abstieg für den Verein bedeutet?

Das wäre der Super-GAU gewesen. A) wäre das Gerede groß gewesen. Ich hatte ja auch viele Kritiker, die Anfangs gesagt haben, Langwedel ist Absteiger Nummer eins. Für mich persönlich wäre ein Abstieg natürlich auch nicht gut gewesen. Dann hätten die Leute sicher gesagt: „Der Tavan hat nichts getaugt. Deswegen sind die auch abgestiegen. Mit einem anderen Trainer wären die wohl drin geblieben.“ Das war jedoch nicht der Fall. Aber ich konnte die Ausfälle halt nicht auffangen. B) wäre unsere zweite Mannschaft aus der Kreisliga abgestiegen. Das wäre auch eine Katastrophe gewesen. Denn sportlich haben sie die Liga gehalten. Zudem wäre es Mist gewesen, weil aus der ersten Mannschaft wohl nicht viele Spieler mit in die Kreisliga gegangen wären. Zum Glück ist das alles aber nicht passiert. Und das ist einfach sehr, sehr wichtig für den Verein.

Jetzt haben Sie lange zittern müssen. Was war aber dennoch positiv?

Die Jungs haben – gerade in den Trainingseinheiten – sehr viel Einsatz gezeigt. Das muss man loben und war auch sehr stark. Es gab viele Leute, die haben im Training fast nie gefehlt. Die Jungs haben super mitgezogen. Egal was war. Manchmal, besonders in der Vorbereitung, haben wir auch mal zu viel trainiert. Aber trotzdem haben die Spieler das toll gemacht. Sie haben großen Aufwand betrieben. Und damit bin ich sehr zufrieden.

Es war jetzt Ihr erstes Jahr als Herrentrainer. Was haben Sie an sich selbst festgestellt, was Sie gut gemacht haben und in welchen Bereichen können Sie sich noch verbessern?

Es ist natürlich immer blöd, über sich selbst zu sagen, was man gut gemacht hat. Aber zufrieden gebe ich mich eigentlich nie. Ich will immer dazulernen – auch von Spielern. Denn man lernt nie aus. Aber ich bin immer mit vollem Einsatz dabei und versuche, es so perfekt wie möglich zu machen. Ich denke, das hat den Jungs Spaß gemacht. Nach dem Training habe ich immer gutes Feedback bekommen. Es war viel Spaß dabei. Das habe ich schon ganz gut hingekriegt. Man muss aber auch sagen, dass Sören Knop, den ich als Torwarttrainer installiert habe, seine Sache super gemacht hat. Das darf man nicht vergessen. Was besser sein kann, ist auch schwer zu beantworten. Natürlich habe ich auch Dinge falsch gemacht. Ich habe dem einen oder anderen Spieler sicher mal Unrecht getan. Aber wie schon gesagt: Ich lerne ja auch dazu. Das erste Jahr war okay. Und das Wichtigste ist, dass wir die Klasse gehalten haben. Jetzt müssen wir positiv in die neue Saison gehen.

Neue Saison – das ist ein gutes Stichwort. Daniel Throl kehrt vom Oberligisten TB Uphusen zurück. Er sagte, dass der FSV in zwei, drei Jahren oben angreifen soll. Ist das ein realistisches Ziel oder doch zu hoch gegriffen?

Ich würde nicht sagen, es ist zu hoch gegriffen. Mit Daniel haben wir einen überragenden Mann dazugewonnen. Dass man jetzt von der Landesliga spricht – ja, gut: Der eine wird sagen, es ist arrogant, der andere wird sagen, es ist hoch gegriffen, andere sagen: warum nicht. Wir wollen uns von Saison zu Saison verbessern. Schlechter darf es ja auch gar nicht werden. Wir wollen so weit wie möglich oben stehen. Wenn wir im gesicherten Mittelfeld landen, ist das auch in Ordnung. Aber unser Ziel ist es, langfristig so weit wie möglich zu kommen. Wenn wir dann mal oben dabei sein sollten, sage ich ganz bestimmt nicht nein.

Mit Sascha Lindhorst wird künftig ein erfahrener Coach die zweite Mannschaft trainieren. Wie wird die Zusammenarbeit aussehen und was können Sie von ihm lernen?

Sascha und ich kennen uns schon viele Jahre und sind auch befreundet. Ich freue mich, dass er zu uns kommt. Da war ich sofort begeistert. Von all meinen Trainern, die ich hatte, war er mein Lieblingstrainer. Von Sascha kann ich viel lernen. Auch in menschlicher Hinsicht. Da ist er überragend. Wir haben auch schon über die neue Saison gesprochen. Wir wollen so erfolgreich wie möglich sein, und ich denke, die Zusammenarbeit wird super laufen.

Das Interview führte Florian Cordes.

Zur Person

Emrah Tavan (29)

ist Trainer des Fußball-Bezirksligisten FSV Langwedel-Völkersen. Übernommen hatte er das Team vor der Saison 2018/2019. Um ein Haar wäre Tavan mit seinem Heimatklub abgestiegen. Der Gang in die Kreisliga wurde erst am letzten Spieltag verhindert – auch aufgrund der Schützenhilfe des SV Pennigbüttel.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.