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Innere Zerrissenheit beim TB Uphusen und SV Atlas Delmenhorst

Patrick Hilmes 17.03.2019 0 Kommentare

Zunächst feierten die Uphuser um Torschütze Sebastian Kmiec (mit Rockahr auf dem Rücken) im Delmenhorster Stadion.
Zunächst feierten die Uphuser um Torschütze Sebastian Kmiec (mit Rockahr auf dem Rücken) im Delmenhorster Stadion. (Ingo Möllers)

Delmenhorst. Manchmal lässt einen der Fußball ratlos zurück. Ist man nun zufrieden mit dem Erreichten, oder nicht? Diese Frage konnten sich auch Olaf Blancke und Fabrizio Muzzicato nicht wirklich beantworten. War es nun ein gewonnener Punkt aus dem Duell der Oberliga Niedersachsen zwischen dem SV Atlas Delmenhorst und dem TB Uphusen, oder trauerten sie zwei verlorenen Zählern hinterher? Beide Mannschaften hatten beim 1:1 (0:0) durchaus Siegchancen. Delmenhorsts Ex Sebastian Kmiec hatte dazu eine klare Meinung: „Man kann nicht zufrieden sein, wenn man so lange führt, dann aber doch nicht gewinnt.“ Kmiec war es, der den TB Uphusen in die Lage brachte, von langer Führung sprechen zu können. In der 56. Minute spielte Atlas bei einem TBU-Freistoß vergeblich auf Abseits. Kmiec war blank im Strafraum und sorgte mit seinem zweiten Kontakt nach schwieriger Ballannahme für die verdiente Führung der Gäste. Übrigens: Die im Vorfeld heiß diskutierten Platzverhältnisse im Delmenhorster Stadion spielten kaum eine Rolle. Der Rasen war zwar tief, aber er hielt.

Taktik-Revanche

Das 1:0 war die logische Konsequenz des Spielverlaufs. Beim 0:4 im Hinspiel wurde der TBU von der Taktik von Blanckes Vorgänger, Jürgen Hahn, überrascht. Er hatte zwei Außenverteidiger in der Offensive aufgeboten. Im Rückspiel war es das Team um Muzzicato, dass taktisch zu überraschen wusste. Die letzte Reihe in der Defensive war fünf Mann stark. Fünferkette – das hatte es bei den Arenkampkickern noch nicht gegeben. „Atlas spielt mit vier offensiven Leuten. Eine Viererkette würde dagegen permanent Mann gegen Mann spielen“, erklärte Muzzicato seine Systemumstellung. Und die hatte auch personelle Überraschungen parat. So lief nicht wie üblich Dennis Janssen in hinterster Front auf, sondern der obligatorische Sechser Ole Laabs. Die beiden Defensivallrounder tauschten die Positionen. An der Seite Laabs nahmen die gewohnten Kmiec und Viktor Pekrul Platz, doch dazu gesellte sich ungewohntes Personal: Youness Buduar (eigentlich nur als Back-Up in der Winterpause geholt) und Youngster Eugen Uschpol. Davor agierten Janssen und Rilind Neziri. Den offensiven Part nahmen Max Falldorf, Philipp-Bruno Rockahr und Daniel Throl ein.

Auf der Gegenseite herrschte aufgrund dieser geballten Defensive große Ratlosigkeit. Der gastgebende SV Atlas Delmenhorst hatte keinerlei Ideen und kein Konzept. Daran änderte auch die Einwechslung Musa Karlis nichts (36.). Verbucht wurde lediglich eine Chance, die Marco Priessner per Kopf vergab (42.). Sie war auf eine hüftsteife Aktion Pekruls zurückzuführen. Ansonsten sorgte einzig Keeper Christian Ahlers-Ceglarek mit zwei verunglückten Abwürfen für Gefahr.

Auf der Gegenseite wurde die beste Möglichkeit in Minute 38 verzeichnet: Ballgewinn Neziri, Pass in die Tiefe von Janssen, Abschluss Throl hauchzart vorbei. Zwar war das Niveau im Gesamten kein gutes und der TBU verbuchte ansonsten auch nur Halbchancen, doch immerhin war eine Spielidee zu erkennen, ein Matchplan – im Gegensatz zur Gegenseite. Das erkannte auch Blancke: „In der Halbzeit haben wir angesprochen, dass wir zu statisch spielen, dass uns Ideen fehlen.“ Fünf Minuten lang schienen diese Worte Früchte zu tragen. Atlas drückte nach Wiederanpfiff, doch nur kurz, ab Minute 50, setzte sich der TBU in der Atlas-Hälfte fest und kam zur verdienten Führung.

Der nächste Höhepunkt war ein unrühmlicher. Delmenhorsts Marco Priessner sah die Rote Karte aufgrund einer Tätlichkeit (66.). „Er hat mich gegriffen wie beim Wrestling. Es war eher ein taktisches Foul, also keine klassische Rote Karte. Aber wenn man so etwas macht, dann muss man damit rechnen“, schilderte Eugen Uschpol, bei dem Priessner die Sportart gewechselt hatte.

In der Folge wurde ein klassischer Stürmer beim TBU vermisst, so manche Konterchance hätte einen Killer in vorderster Linie vonnöten gehabt. Somit kam es, wie es kommen musste. Der SVA, weiterhin spielerisch erschreckend limitiert, suchte sein Heil in langen Bällen. Einer nach einem Freistoß wurde relativ unnötig von Keeper „Zecke“ Ceglarek zur Ecke geklärt. Anschließend unterlief der Keeper den Ball und Marvin Osei traf mutterseelenallein per Kopf zum 1:1 (86.).

Nun überschlugen sich die Ereignisse: Nach einem Karli-Freistoß bezichtigte Schiedsrichter Ben-Erik Salb Uphusens Kerem Sahan des Handspiels und entschied auf Strafstoß Atlas. Das 2:1 für die Gastgeber hätte die Partie vollends auf den Kopf gestellt. Doch „Zecke“ machte seinen Fehler beim 1:1 wieder wett und parierte gegen Karlis Plendiskis. In der dritten Minute der Nachspielzeit hatte Uphusens Youness Buduar die Riesenchance zum 2:1, der Winterzugang bekam den Ball vier Meter vor dem Tor aber nicht unter Kontrolle. Wenige Sekunden später rutschte Marvin Osei auf der anderen Seite knapp am Ball vorbei.

War alles richtig?

Danach war Schluss. „Wir haben es vor dem 1:1 verpasst, das Spiel ruhiger zu gestalten. Atlas macht es hektisch, indem sie die Bälle vorne reinschlagen. Dann ist es egal, ob man einer weniger ist. Vielleicht haben wir von außen auch nicht die richtigen Signale gesendet, die richtigen Leute gebracht. Das Team tut sich schwer, nur zu verteidigen. Geht’s am Ende schief, muss man sich immer fragen, was man falsch gemacht hat“, zeigte sich Muzzicato selbstkritisch. Olaf Blancke resümierte: „Realistisch gesehen, ist der Punkt in Ordnung. Aber realistisch gesehen, interessiert das einen ja nicht. Wenn man so eine Chance hat und sie nicht nutzt, ist man enttäuscht.“

Jubel war demnach auf keiner Seite zu vernehmen, keiner wusste, wie das Remis nun einzusortieren war. Es herrschte allgemein eine innere Zerrissenheit.


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 19:26
Ging es bei Einführung nicht auch [u.a.] um Energieeinsparung ?

Jetzt immer aktueller ...

Frage Greta 🧖🏼‍♀️ und finde den ...
flutlicht am 23.10.2019 19:24
Führerschein abnehmen und bloß nicht wieder zurück geben. Bei manchen Leuten denkt man, dass die den Kopf nur zum Haare schneiden haben.