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Rafael Czichos: Die Erfüllung eines Traums

Florian Kastens 10.05.2019 0 Kommentare

Da ist der Aufstieg perfekt. Mittendrin in der Jubelmeute des 1. FC Köln: Rafael Czichos (Mitte, Tattoo am linken Arm).
Da ist der Aufstieg perfekt. Mittendrin in der Jubelmeute des 1. FC Köln: Rafael Czichos (Mitte, Tattoo am linken Arm). (Imago)

Seit Montagabend ist der Traum eines bald 29-jährigen Fußballers Wirklichkeit geworden. Als der Schiedsrichter die Zweitligapartie bei der SpVgg Greuther Fürth gegen 22.20 Uhr abpfiff, stand die Rückkehr des 1. FC Köln in die Bundesliga endgültig fest. Mittendrin in der Jubelarie: der gebürtige Ottersberger Rafael Czichos. Er hat als Stammspieler große Anteile am sofortigen Wiederaufstieg.

Anstrengende Rückfahrt

„Absoluter Wahnsinn! Darauf habe ich so viele Jahre hingearbeitet. Super, dass es jetzt endlich in trockenen Tüchern ist“, jubelte der Innenverteidiger. Ganz so „trocken“ blieben die ersten Feierlichkeiten in der Nürnberger Innenstadt natürlich nicht. „Nein, aber das bleibt besser mannschaftsintern“, lacht der Aufsteiger und ergänzt: „Da es ein Montagabendspiel war und sich in Nürnberg auch nicht unbedingt jemand für den FC Köln interessiert, war nicht wirklich viel los in der Stadt. Gefeiert haben wir trotzdem bis es hell wurde. Die gut fünfstündige Rückfahrt war dann auch kein Spaß, da ging es für die meisten – dazu zähle ich auch mich - nur noch ums Ankommen. Andere hatten aber selbst auf der Fahrt noch nicht genug und weiterhin für Stimmung gesorgt.“

Der Linksfuß beschritt bekanntlich einen in der heutigen Zeit eher unüblichen Weg. Aus der Jugendabteilung des FC Verden 04 ging es zurück zum TSV Ottersberg, wo er unter dem heutigen Trainer des TV Oyten, Axel Sammrey, seine ersten Erfahrungen im Seniorenbereich sammelte. Es reifte die Entscheidung, auf die Karte „Fußball“ zu setzen. Nach zwei Jahren in der Regionalliga Nord beim VfL Wolfsburg II ging es weiter zum Drittligisten Rot-Weiß Erfurt. Die größte Weiterentwicklung erlebte der vom Links- zum Innenverteidiger umgeschulte Abwehrspieler aber vor allem durch seinen Wechsel zu Holstein Kiel, mit dem er 2017 – als Kapitän der Mannschaft – in die zweite Bundesliga aufstieg. Schon vor Jahresfrist war Rafael Czichos nur einen Schritt von seinem Traumziel Bundesliga entfernt. In zwei spannenden Relegationsspielen scheiterte Holstein Kiel nur knapp am VfL Wolfsburg.

Anschließend entschied sich der Kieler Kapitän für die nächste Stufe auf seiner persönlichen Karriereleiter: ein Wechsel zum Traditionsverein 1. FC Köln. Schnell wurde dem ruhigen Familienvater klar, dass er eine komplett neue Welt betritt: „In Köln ist im Vergleich zu meinen vorherigen Stationen alles eine Spur extremer, und zwar in beide Richtungen: Gewinnt die Mannschaft, sind wir alle Helden. Bleiben die Ergebnisse aus, stehen nur Volldeppen auf dem Platz. Die Erwartungshaltung ist unfassbar. Wir stehen die gesamte Saison oben und trotzdem wird von Krisen gesprochen. Die Stimmung rund um den Verein ist schon Wahnsinn, hier wird Fußball gelebt. Beim Einlaufen zu meinem ersten Heimspiel hatte ich eine Gänsehaut“, berichtet Czichos von seiner Gemütslage.

Doch es gab auch tatsächlich schwierige Saisonphasen. Sein Trainer aus Kiel, Markus Anfang, übernahm zu Saisonbeginn die Verantwortung in der Domstadt und hatte diese bis zur Vorwoche inne. Fortan galt Czichos als Zögling Anfangs und sah sich mit einigem Misstrauen konfrontiert. „Mein Wechsel zum FC hatte nie etwas mit der Person Markus Anfang zu tun. Trotzdem bleibt es natürlich nie aus, dass Außenstehende so etwas immer im Zusammenhang sehen. Umso wichtiger war es für mich, dass ich auch unter dem neuen Coach direkt wieder zur Startelf gehörte“, sagt Rafael Czichos, der im TV-Interview bei Sky direkt nach Abpfiff des Fürth-Spiels seine Emotionen im Griff hatte und die Erlebnisse sachlich analysierte.

Am folgenden Party-Marathon nahm er dann aber natürlich auch teil. Zwei freie Tage bekamen die Aufsteiger gestattet, ehe am Donnerstag mit einer lockeren Einheit die Vorbereitung auf das anstehende Heimspiel gegen Jahn Regensburg aufgenommen wurde. Beim letzten Zweitliga-Auftritt vor den eigenen Fans sind noch einmal Emotionen pur zu erwarten. „Da wird bestimmt noch einmal ordentlich etwas abgehen, ich freue mich drauf. Zusammen mit unseren Fans wollen wir den Aufstieg gebührend feiern“, sagt Czichos, der sich auf Spektakel einstellt. Natürlich ist das Stadion restlos ausverkauft, vor der Arena ist ein großes Familienfest geplant und nach Spielschluss nimmt die Mannschaft als Zweitligameister die Meisterfelge entgegen.

Der Vergleich mit Kiel

„Das wird sicher noch mal ein toller Moment, auch wenn man sich irgendwie schon länger darauf einstellen konnte. So war der Zweitliga-Aufstieg mit Kiel emotionaler, weil es einfach viel überraschender kam. Damals hatte ich schon vor dem Abpfiff der entscheidenden Partie in Großaspach Tränen in den Augen. Trotzdem hat der jetzige Aufstieg in die erste Liga für mich persönlich natürlich noch mal eine höhere Bedeutung, weil einfach ein großer Traum in Erfüllung geht. So wirklich greifen kann ich das alles aber wohl erst, wenn ich demnächst mal zur Ruhe komme und es sacken lasse. Momentan bleibt dafür einfach noch gar keine Zeit.“

In rund zwei Wochen endet dann nach dem Auswärtsspiel in Magdeburg, einigen Trainingseinheiten zum Ausklang sowie einem Testspiel auch die Spielzeit 2018/2019 für den 1. FC Köln. Nach der turbulenten Saison freut sich Rafael Czichos extrem auf das Ende. In Urlauben mit Freunden und der Familie gilt es dann, die vielen neuen Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten und den Akku wieder aufzutanken für die neue, seine erste, Bundesliga-Saison. Vor gut zehn Jahren entwickelte sich bei Rafael Czichos der Traum, sich einmal mit den besten Spielern in der deutschen Eliteliga messen zu können. Wenn ab Mitte August die 57. Bundesliga-Spielzeit angepfiffen wird, dann gehört auch Rafael Czichos. Dann wird sein Traum endgültig in Erfüllung gehen.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...