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Tischtennis
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Versessen auf einen kleinen weißen Ball

Patrick Hilmes 06.02.2019 0 Kommentare

Finn Oestmann mit Schläger und kleinem weißen Ball: eine Kombination, die sehr häufig zu sehen ist.
Finn Oestmann mit Schläger und kleinem weißen Ball: eine Kombination, die sehr häufig zu sehen ist. (INGO MÖLLERS)

Verden/Hude. Auf etwas versessen sein – das bedeutet so viel wie etwas unbedingt haben zu wollen. So manch ein Kind ist versessen auf Süßigkeiten, bei so mancher Frau gilt das für Schokolade. Finn Oestmanns Schokolade ist ein kleiner weißer Ball. Der Kirchlintler ist versessen auf Tischtennis. Beim Verbandsligisten TV Hude spielt er gleich in zwei Mannschaften eine Hauptrolle. Zudem ist er auf diversen Meisterschaften – Kreis-, Bezirks- und Landesebene – anzutreffen. Und da er dort nicht unerfolgreich agiert, ist er nun einer von sechs Nominierten bei der Wahl zum Sportler des Jahres 2018 im Landkreis Oldenburg.

Verwundert sei er gewesen, als der Anruf von der Nordwest-Zeitung kam, die die Wahl in Kooperation mit dem Kreissportbund Oldenburg durchführt. Oestmann wurde vorgeschlagen und schlussendlich als einer von sechs Sportlern aus dem Landkreis nominiert. Sportler des Jahres, das wäre schon was für den 18-Jährigen. Doch die Chancen sind kaum auszumachen. „Das ist ganz schön schwierig, da ja alle aus anderen Sportarten bekommen“, betont Oestmann. Seine Konkurrenten reiten, spielen Handball, leiten Fußballspiele, sind Triathleten oder bestreiten gerne Halbmarathons. Finn Oestmann würde sich freuen, wenn er sich die Krone aufsetzen könnte. Dafür sorgen kann jeder noch bis zum 1. März, bis dahin läuft die Abstimmung. Am 11. März werden die Ergebnisse dann bei einer Galaveranstaltung verkündet.

Lieber Tischtennis statt Fußball

Sollte an diesem Abend der Name Finn Oestmann ertönen, dann hätte er nicht einfach nur gewonnen, er hätte insbesondere nicht verloren. Denn genau das mag er überhaupt nicht. Ein Grund, warum aus ihm überhaupt ein Tischtennis-Spieler und kein Fußballer geworden ist. Lange Zeit schnürte er die Schuhe, um auf dem Rasenplatz gemeinsam mit seinen Mitspielern auf Torejagd zu gehen. Doch neben dem größeren Talent beim Umgang mit Schläger und kleinem weißem Ball, reizte Oestmann, dass beim Tischtennis der einzelne selbst für seine Niederlagen oder seinen Siege verantwortlich ist. Verliert man, ist man halt selber schuld. So einfach ist das im Einzelsport. Die in diesem Sport geforderte Gedanken- und Reaktionsschnelligkeit sowie sein größeres Talent im Tischtennis halfen Oestmann schnell, als die Entscheidung zwischen den beiden Sportarten anstand.

Seitdem er elf Jahre alt ist, schwingt er nun den Schläger. Sein Vater hatte ihn dazu animiert. „Er hat mich hingeschleift, heute bin ich froh darüber“, erzählt Oestmann mit einem Schmunzeln. Heute ist er versessen auf das Spiel mit dem kleinen weißen Ball. So spielt er derzeit in beiden Verbandsliga-Mannschaften des TV Hude eine Hauptrolle. „Ich muss derzeit so versessen sein, da viele Spieler verletzt sind“, erklärt Oestmann sein doppeltes Engagement. Warum er das nicht in einem kreisverdener Verein zeigt, ist schnell erklärt: „Es gibt leider keine Mannschaft, die mir das bieten kann, was Hude mir bietet.“

Und das ist mehr als nur die Chance, um den Titel in der Verbandsliga mitspielen zu können. Die Fahrtkosten per Zug von Verden nach Hude – „da bin ich knapp eine Stunde und 15 Minuten unterwegs, aber das nehme ich gerne in Kauf“ – übernimmt der TV Hude ebenso wie ein Teil der Kosten des Trainings, das Finn Oestmann unter der Woche in Bremen absolviert. Einmal die Woche heißt es Balleimertraining bei Konstantin Kindt, der zum Trainerteam des Bundesligisten SV Werder Bremen gehört. Zwei- bis dreimal steigt er in den Zug nach Hude. Zusätzlich trainiert er mit Freunden oder seinem Vater in Verden. Er bekommt halt nicht genug von Tischtennis.

Nicht genug ist auch das Stichwort für das Ziel Oestmanns. Das lautet ganz klar: Regionalliga. „Darauf arbeite ich hin“, sagt er klipp und klar. So soll die Liga, in der er spielt, in der nächsten Saison Oberliga heißen. Ob das mit dem TV Hude gelingt, hofft Oestmann. Plan B steht aber bereits. „Ich habe ein Angebot aus der Oberliga“, verrät er. Weiter als die Regionalliga denkt er aber nicht, auch wenn er auf dem Weg von Verden nach Hude quasi beim SV Werder Bremen vorbeikommt. „Bundesliga ist, glaube ich, nicht möglich. Vielleicht mit ganz viel Glück, wenn ich nochmals einen riesigen Schub mache.“ Die Einstellung passt schon mal. Oestmann ordnet alles dem Sport unter und will so weit wie möglich kommen. Er ist halt versessen.


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...