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Lehrwart Sven Schlickmann zu den Fußtritten
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„Drastische Strafen müssen her“

12.04.2016 0 Kommentare

Fußball
Mangelnde Wertschätzung für die Schiedsrichter sei ein generelles Problem, beklagt Sven Schlickmann. (INGO MOELLERS)

Herr Schlickmann, zwei üble Fußtritte des Hicretspor-Spielers Izzet Saglam gegen den Schiedsrichter Max Mahn haben am Sonntag zum Abbruch des Kreisliga-Stadtderbys zwischen Hicretspor und dem TV Jahn geführt. Bald steht im Fußballkreis der nächste Lehrabend für Schiedsrichter auf dem Programm. Was können Sie speziell den jungen Unparteiischen nach solch einer unfassbaren Szene sagen?

Sven Schlickmann: Wir werden den Vorfall sicherlich ansprechen und in dem Zusammenhang noch einmal thematisieren, unter welchen Bedingungen ein Spielabbruch erfolgen sollte. Auch ein paar Tipps, wie man deeskalierend wirken kann, werden wir den Schiedsrichtern sicherlich geben.

Max Mahn hat die Partie nach den Fußtritten sofort abgebrochen. Lag er mit dieser Entscheidung richtig?

Das war ohne Frage richtig. In solch einer Situation kann man ein Spiel nur konsequent abbrechen und darf keine weiteren Diskussionen aufkommen lassen.

Sie haben eben das Thema Deeskalation angesprochen. Was die Attacke von Saglam noch unverständlicher macht, ist die Tatsache, dass sie aus heiterem Himmel kam. Das Spiel verlief bis dahin fair, es gab keine richtig strittigen Entscheidungen. Hätte der Schiedsrichter da überhaupt vorher deeskalierend wirken können?

Nein, in dem Fall hat man keine Chance. Wenn sich Emotionen langsam aufbauen, gibt es immer Möglichkeiten, noch deeskalierend einzugreifen. Aber die Fußtritte kamen ja wirklich aus heiterem Himmel, da kann der Schiedsrichter selbstverständlich überhaupt nichts machen.

Wie sollte aus Ihrer Sicht nun auf den Vorfall reagiert werden?

Drastische Strafen müssen her! Für den Spieler natürlich, denn er war schließlich vorher schon kein unbeschriebenes Blatt, aber auch für den Verein. Zwar kann Hicretspor nichts dafür, was passiert ist, aber in solch einem Fall muss auch der Klub belangt werden. Und dem Schiedsrichter würde ich raten, zusätzlich den zivilrechtlichen Weg zu gehen und eine Anzeige wegen Körperverletzung zu erstatten.

Hicretspor hat Izzet Saglam sofort suspendiert und sich beim Schiedsrichter entschuldigt. Hat der Verein damit richtig reagiert?

Ja, etwas anderes kann ein Verein auch gar nicht tun. Mehr Möglichkeiten als eine Suspendierung gibt es ja nicht.

Befürchten Sie, dass die Attacke weitere Auswirkungen haben könnte? Zum Beispiel, dass Schiedsrichter die Lust am Pfeifen verlieren oder Spiele von Hicretspor nicht mehr leiten wollen.

Nein, das glaube ich nicht. Bei uns im Fußballkreis ist es ansonsten relativ ruhig, wir sind ja nicht in Berlin. Die aktuelle Saison verlief bisher auch normal. Dass ein Schiedsrichter angegangen wird, ist die absolute Ausnahme. Meines Wissens ist das vor der jetzigen Attacke zuletzt Ende 2014 passiert, als Silan Brunken von einem Dötlinger Spieler ins Gesicht gefasst wurde.

Max Mahn stammt vom SV Phiesewarden aus dem Fußballkreis Wesermarsch, mit dem der Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst im Schiedsrichterwesen kooperiert. Besteht die Gefahr, dass die Unparteiischen aus der Wesermarsch künftig nicht mehr nach Delmenhorst kommen wollen?

Hoffentlich nicht. Der Schiedsrichter-Austausch zwischen unseren Kreisen funktioniert bisher sehr gut. In dem aktuellen Fall war ja auch egal, wer die Partie pfeift. Ob es nun einer aus der Wesermarsch oder aus Delmenhorst ist, wenn einem Spieler so unvermittelt die Sicherungen durchbrennen, spielt das keine Rolle. Trotzdem muss jetzt bei den Schiedsrichter-Ansetzungen mit Bedacht vorgegangen werden. Das werden unsere Ansetzer sicherlich auch tun.

Was meinen Sie damit?

Dass zu bestimmten Spielen, etwa von Hicretspor, eher gestandene Schiedsrichter geschickt werden. Natürlich macht jeder Unparteiische mal Fehler, aber für ganz junge Schiedsrichter ist es in solchen Partien manchmal eben schwieriger.

Sie selbst sind noch nie von einem Spieler angegangen worden. Hat das etwas mit der Erfahrung zu tun?

Das weiß ich nicht genau. Jeder hat seine eigene Art zu pfeifen. Meine Art kommt auch nicht bei allen Spielern gut an. Außerdem habe ich in höheren Ligen gepfiffen, und dort kommen solche Vorfälle nur äußerst selten vor, weil die Spieler viel zu sehr im Fokus stehen. In der Regionalliga verdienen einige ihren Lebensunterhalt mit Fußball, die können sich so eine Attacke nicht erlauben, denn danach würden sie auf dem Niveau nie wieder einen Verein finden.

Was kann man tun, damit sich diese Einstellung auch auf untere Ligen überträgt?

Normalerweise gebührt es doch schon der gesunde Menschenverstand, dass man einen Schiedsrichter nicht angreift. Auch was man sich als Unparteiischer alles anhören muss, ist schlimm. Man merkt schon, dass sich viele Spieler dem Schiedsrichter überlegen fühlen. Dabei kennen sie oft die Regeln nicht einmal richtig und regen sich über Entscheidungen auf, die korrekt sind. Wir opfern unsere Freizeit, um zu pfeifen, und müssen uns beschimpfen oder, wie beim Hicretspor-Spiel, sogar verletzen lassen. Vielleicht sollten alle Schiedsrichter einfach mal einige Wochenenden wegbleiben. Dann würden sich einige umgucken.

Zur Person

Seitdem tritt Schlickmann kürzer und ist jetzt vor allem in der Kreisliga sowie beim Beachsoccer im Einsatz. Daneben engagiert sich der Ganderkeseer, der dem SV Tungeln angehört, als Spielbeobachter.


Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?