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Das Deutsche Sportabzeichen gibt es seit 100 Jahren / Udo Speiser erfüllt die Anforderungen regelmäßig und engagiert sich auch als Prüfer
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Eine Frage der Fitness

Mareike Scheer 06.09.2013 0 Kommentare

Sportabzeichen Kaserne Delmenhorst
Anlauf, Sprung, Landung: Athlet und Prüfer Udo Speiser (rechts) guckt, ob Alfred Fleßner von der Reservistenkameradschaft die Anforderungen für das Deutsche Sportabzeichen erfüllt. FOTO: PHOTOCUBE (PHOTOCUBE)

Koordination, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer: Um das Deutsche Sportabzeichen zu erlangen, müssen Prüfungen in diesen vier Bereichen abgelegt werden. In welcher Sportart – sei es in der Leichtathletik, beim Turnen, beim Radfahren oder im Schwimmen – die jeweiligen Prüfungen absolviert werden, entscheidet der Sportler selbst. Die einzelnen Übungen sind zudem nach Altersklassen gestaffelt. „Das Abzeichen ist eine Bestätigung und Herausforderung zugleich“, betont Udo Speiser. „Man muss sich körperlich fit halten, schließlich geht man nicht einfach mal auf den Platz und legt die Prüfung ab, sondern muss dafür trainieren.“

Der 68-jährige Delmenhorster hat in diesem Jahr zum 23. Mal die Anforderungen für das Sportabzeichen erfolgreich gemeistert. Nur als er noch berufstätig war, setzte er ein paar Jahre aus. Udo Speiser erwarb das Sportabzeichen erstmals im Alter von 20 Jahren. Mittlerweile geht es dem Rentner bei den wöchentlichen Treffen nicht nur um sportliche Leistungen, sondern auch um Geselligkeit. An jedem Dienstagabend von Mai bis Oktober zwischen 17.30 und 19.30 Uhr findet sich der ehemalige Ingenieur auf dem Sportplatz der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne ein.

Reform zum Jubiläum

Das Überprüfen der eigenen körperlichen Fitness reicht Speiser schon lange nicht mehr aus. Seit zehn Jahren ist der ehemalige Marathonläufer und Teilnehmer am militärischen Zehnkampf auch anerkannter Sportabzeichen-Prüfer des Stadtsportbundes Delmenhorst. „Alle zwei Jahre benötigen wir eine neue Genehmigung. Erst im Februar war ich daher bei einer Schulung in Wardenburg“, berichtet er. „Dort erhielten wir eine Einweisung zu den neuen Richtlinien. Außerdem lernten wir, wie man richtig misst und korrekt das Startsignal gibt.“ In diesem Jahr mussten sich Speiser und seine zehn Kollegen von der Reservistenkameradschaft mehr merken als sonst. Zum 100-jährigen Bestehen wurden die Richtlinien des Deutschen Sportabzeichens nämlich reformiert. Zuvor mussten die Sportler fünf Teildisziplinen absolvieren – jetzt muss die Schwimmfähigkeit nur noch alle fünf Jahre nachgewiesen werden. Zudem kann ein Sportler gleich im ersten Versuch das goldene Abzeichen erlangen. Bis zum Vorjahr benötigte er dafür zunächst jeweils zwei bronzene und silberne Auszeichnungen. Dazu hielten neue Disziplinen Einzug, etwa das Geräteturnen. „Die Teilnehmer fragen jetzt nicht mehr nur, ob sie bestanden haben, sondern auch wie. Für alle ist gleich immer Gold das Ziel“, berichtet Speiser.

Bei der Reservistenkameradschaft können auch das Mehrkampfabzeichen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und das Österreichische Abzeichen erworben werden. Das Bayerische Sportabzeichen gehörte ebenfalls zum Programm, wurde aber im Zuge der Reform abgeschafft. Insgesamt stellten sich im vergangenen Jahr auf dem Kasernengelände 224 Athleten der Überprüfung ihrer körperlichen Fitness, 156 davon machten das Deutsche Abzeichen.

Eine Vereinsmitgliedschaft in der Reservistenkameradschaft ist dafür nicht nötig, einzig eine vorherige Anmeldung, um Zutritt zum Kasernengelände zu erhalten. „Nach der Reform suchen sich viele auch die neuen Sachen heraus, um sich zu beweisen“, erzählt Speiser. Er bewältigte in diesem Jahr die 3000-Meter-Distanz (2:30 Minuten/Ausdauer), machte einen Sprung aus dem Stand auf 2,25 Meter (Kraft), lief 8,8 Sekunden über 50 Meter (Schnelligkeit) und holte zehn Punkte beim erstmals ausprobierten Zonen-Weitsprung (Koordination) für das goldene Sportabzeichen.

Udo ist jedoch längst nicht mehr der einzige im Hause Speiser, der sich der Herausforderung stellt. Seine ganze Familie ist mittlerweile dabei – von seiner Frau Anne, die unlängst ihr zwölftes Abzeichen erwarb, über seine Kinder bis hin zum siebenjährigen Enkel, der gerade seine erste Prüfung ablegte. „Das Sportabzeichen ist wie ein Flächenbrand. Es verbreitet sich unheimlich schnell“, sagt Udo Speiser. Er selbst ist früher durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf die Prüfung aufmerksam geworden.

Auf dem Sportplatz der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne tummeln sich an guten Tagen bis zu 40 Sportler, im Schnitt sind es laut Speiser rund 25. „Jeder ist willkommen“, betont er. „Wir haben oft um die 40 Jugendliche hier, die nach dem Training manchmal noch ein bisschen Fußball spielen. Dafür ist die Anlage ideal.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...