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Handballerin verlässt die HSG Delmenhorst und will mit der SG Friedrichsfehn/Petersfehn in der Oberliga angreifen
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Winkelmann geht neue Wege

Daniel Cottäus 19.03.2016 0 Kommentare

Handball
Noch für die HSG Delmenhorst am Ball, bald nicht mehr: Lara Winkelmann, 20, wechselt zur neuen Saison zum Oberligisten SG Friedrichsfehn/Petersfehn. (Ingo Moellers)

Ein schneller Richtungswechsel und dann das Geräusch, das alles anders werden ließ. Lara Winkelmann wusste am 12. Oktober 2014 sofort, dass da mit ihrem rechten Knie etwas ganz und gar nicht in Ordnung war – und das war es auch nicht: Kreuzbandriss. In der Oberliga spielte sie damals mit der A-Jugend der HSG Delmenhorst beim TV Oyten. Es sollte bis Sommer 2015 ihre letzte Partie bleiben. „Es hat einmal geknackt, und das war’s dann“, erinnert sich die Rückraumschützin, die im Dezember 2014 am Knie operiert wurde und sich danach zunächst gar nicht mehr so sicher war, ob sie mit dem Handball überhaupt wieder anfangen würde. Mehr als ein Jahr ist seitdem vergangenen, und in dieser Woche wurde bekannt, dass Lara Winkelmann ab Sommer in der vierthöchsten Klasse des Landes spielt. Mit ihren Leistungen hat die Delmenhorsterin den Oberligisten SG Friedrichsfehn/Petersfehn auf sich aufmerksam gemacht (wir berichteten).

„Ich habe gemerkt, dass ich mich in Delmenhorst nicht mehr so weiterentwickeln kann, wie ich es mir wünsche“, sagt die 20-Jährige, die nach ihrer Verletzung ein beachtliches Comeback hingelegt hat. Nach der Reha stieg sie im Juli 2015 bei der zweiten Mannschaft der HSG Delmenhorst in der Regionsoberliga wieder ein, um dort vorsichtig Spielpraxis zu sammeln, langsam wieder zurückzufinden. Bereits am Jahresende war ihr das so gut gelungen, dass Winkelmann plötzlich eine Alternative für die erste Mannschaft war, die in der Landesliga dringend Verstärkung im Rückraum gebrauchen konnte. Wieder dauerte es nicht lange, und die Rückkehrerin war auf der Mittelposition zur Leistungsträgerin geworden – all das, wohlgemerkt, in ihrem ersten Jahr im Erwachsenenbereich. „Ich wollte es eigentlich erstmal ganz ruhig angehen lassen und war ziemlich unsicher, wie mein Knie die Belastung aushält“, berichtet sie. Dass die Verletzung derart gut verheilt sei, habe sie dann selbst positiv überrascht, sagt Winkelmann, die ihrem Trainer Stefan Neitzel am vergangenen Dienstag mitteilte, dass sie den Verein im Sommer verlässt. „Ich habe schon in der A-Jugend unter Stefan trainiert, und möchte jetzt einfach mal etwas anderes kennenlernen“, erklärt sie.

Neitzel selbst nennt den Abgang der 1,65 Meter großen Rechtshänderin einen „herben Verlust“, betont aber auch: „Wenn sie die Möglichkeit hat, woanders den nächsten Schritt zu machen, dann muss sie das tun.“ Nun, diese Möglichkeit tat sich für Lara Winkelmann vor rund drei Wochen plötzlich auf. Die Schwester ihrer ehemaligen Mitspielerin Lena von Aschwege ist mit Tobias Plagemann verlobt, der wiederum die SG Friedrichsfehn/Petersfehn trainiert und für die neue Saison auf der Suche nach Verstärkung war. Schnell kam über den Kontakt ein Probetraining zustande, bei dem Winkelmann einen derart guten Eindruck hinterließ, dass sie hinterher mit einem Angebot in der Tasche aus der Halle ging. Nach reiflicher Überlegung entschied sich die Handballerin vor wenigen Tagen schließlich für den Wechsel in die Oberliga. „Ich bin sehr gespannt, wie es dort abläuft. Schon im Probetraining war zu merken, dass es deutlich körperbetonter zur Sache geht“, sagt sie. Angst vor den zum Teil deutlich erfahreneren Gegenspielerinnen, von denen nicht wenige schon in noch höheren Ligen im Einsatz waren, hat sie nicht. „Auf dem Spielfeld nimmt man gar nicht wahr, wer vielleicht schon in der 3. Liga gespielt hat.“

Generell möchte sich Winkelmann sportlich weiterentwickeln, ausloten, wo genau ihre Grenzen liegen. Es scheint fast so, als habe ihr der überstandene Kreuzbandriss neuen Ehrgeiz, neues Selbstvertrauen, neue Ziele verschafft. Aus diesem Grund wurde sie kürzlich auch beim SV Werder Bremen II vorstellig, der in der Landesliga Bremen zu Hause ist. „Da hat es mir aber nicht so gut gefallen.“ Bei ihrem Heimatverein HSG Delmenhorst zu bleiben, kam für Lara Winkelmann auch nicht in Frage, obwohl sie mit dem Klub eng verbunden ist. So war ihr Vater Karsten Winkelmann Neitzels Vorgänger auf der Trainerbank der ersten Damen und führte das Team 2013 direkt nach der Amtsübernahme zum Titelgewinn in der Weser-Ems-Liga und zum Aufstieg in die Landesliga. Da es momentan aber so aussieht, als sollte die Mannschaft nach drei Jahren wieder in die Weser-Ems-Liga absteigen, sah die 20-Jährige schon länger keine Perspektive mehr für sich – und dann kam das Angebot von Friedrichsfehn/Petersfehn. „Lara hat eine gute Entwicklung genommen, und das trotz ihren schweren Verletzung“, lobt Neitzel, der seiner (Noch)-Spielerin die Qualität für die Oberliga zutraut.

Dass sie künftig ordentlich Zeit im Auto verbringen wird, um zum Training und zu den Spielen zu kommen, stört Lara Winkelmann übrigens nicht. „Ich fahre gerne“, sagt die Delmenhorsterin, die weiter in ihrer Heimatstadt leben und im September eine Ausbildung zur Industriekauffrau in Bremen beginnen möchte. Vor ihrem Abschied stehen für Winkelmann und ihr Team allerdings noch fünf Saisonspiele an, in denen es um alles geht. Als Tabellenletzter darf sich die HSG Delmenhorst keinen Ausrutscher mehr erlauben, um noch aus dem Keller klettern zu können. Zuletzt gab es ein 28:32 gegen Neerstedt II (siehe Bericht auf Seite 9). Beste Delmenhorster Torschützin war Lara Winkelmann.


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

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Leserkommentare
peteris am 23.10.2019 12:13
Kommentar schreiben?

Was soll man über dieses Affentheater noch schreiben?
suziwolf am 23.10.2019 12:00
@lterwaller ...

Die ,autofreie Innenstadt‘ ist nur mit
zusätzlichen Brücken über die Weser zu haben.

Wird sich ...