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Handballtalent aus Delmenhorst hat sich bei DHB-Sichtung durchgesetzt und träumt vom U16-Nationalteam
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Winkler will es wissen

Daniel Cottäus 11.02.2016 0 Kommentare

Handball
Emily Winkler spielt seit dieser Saison für den VfL Oldenburg in der C-Jugend-Landesliga und wird künftig am DHB-Stützpunkt in Oldenburg trainieren. (Ingo Moellers)

Nein, der Start in ihrem neuen Verein lief für Emily Winkler nun wahrlich nicht nach Maß. Kaum zum VfL Oldenburg gewechselt, wurde bei ihr im April 2015 ein Meniskusriss diagnostiziert, kurz nach dem nötigen Eingriff musste sie dann im Mai an den Mandeln operiert werden. Später folgte eine weitere Zwangspause, weil die Narben am Hals wieder aufgegangen waren. „Es kam irgendwie alles zusammen“, berichtet die 14-jährige Delmenhorsterin, die sich, als alles überstanden schien, auch noch Bänderrisse im rechten und linken Fuß zuzog. Zweifelsohne ein Verletzungspech, das so manchen Sportler zur Verzweiflung getrieben hätte – Emily Winkler jedoch nicht. Mit der C-Jugend des VfL Oldenburg steuert sie in der Handball-Landesliga inzwischen auf den Titelgewinn zu und hat es zudem geschafft, sich für das Training im DHB-Stützpunkt Oldenburg zu empfehlen. Ihr nächstes Ziel lautet: U16-Nationalmannschaft.

Emily Winkler hat sich auf den Termin vorbereitet und für das Gespräch im Wohnzimmer ihres Elternhauses extra ein Shirt mit VfL-Oldenburg-Logo angezogen. Auf der Rückseite steht, weiße Schrift auf schwarzem Stoff, ihr Nachname. Vor zwei Jahren noch, bis 2014, lief die Schülerin, die die neunte Klasse des Gymnasiums an der Willmsstraße besucht, in der C-Jugend-Regionsliga für die HSG Delmenhorst auf – nun fliegen plötzlich Schlagworte wie Oberliga, Landestrainer und Nationalteam über den großen Esstisch. „Es ging alles ziemlich schnell“, sagt Emily Winkler, was angesichts ihrer sportlichen Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit fast untertrieben ist.

Im Alter von sechs Jahren fing sie in Delmenhorst mit dem Handballspielen an und wurde später, kurz vor ihrem Weggang aus dem Verein, in Oyten vom Handballverband Niedersachsen (HVN) gesichtet. Landestrainer Christian Hungerecker legte dem Talent damals nahe, doch möglichst in der Landesliga zu spielen, um mit den anderen Auswahlspielerinnen mithalten zu können. Emily Winkler nahm sich den Tipp zu Herzen und schloss sich der TSG Hatten-Sandkrug an. „Ich wollte den nächsten Schritt machen, und deshalb bin ich weg aus Delmenhorst“, berichtet die Linkshänderin, für die Hatten nur eine kurze Zwischenstation sein sollte. Dank ihrer guten Leistungen fiel sie Andreas Lampe, dem Jugendkoordinator des VfL Oldenburg, auf. Es folgte ein kurzes Gespräch, eine Einladung zum Probetraining und schließlich im Februar 2015 die Zusage. „Ich hatte eigentlich gar keine Ambitionen, zu wechseln“, sagt Emily Winkler. Die Chance, sich beim Bundesliga-Nachwuchs in Oldenburg weiterzuentwickeln, wollte sie sich dann aber auch nicht nehmen lassen. „Das Training hier ist ganz anders. Es macht Spaß, aber es gibt natürlich größeren Druck als in Delmenhorst.“ Nach ihrer Verletzungsserie musste sich die 1,75 Meter große Handballerin erstmal wieder herankämpfen. „Das war schwer. Ich hatte Angst, Fehler zu machen und habe deshalb lieber nichts gemacht.“ Unter Trainerin Wiebke Kethorn schaffte sie aber den Sprung – und wagte einen, wie sich später herausstellen sollte, entscheidenden Wechsel: Emily Winkler verlässt den HVN und schließt sich der Auswahl des Bremer Handballverbands (BHV) an, die ebenfalls von Kethorn betreut wird.

Gern gesehen wird so etwas zwar nicht, aber wenn sich die Landestrainer untereinander einigen, ist ein derartiger Wechsel möglich. In Torhüterin Jolina Schallschmidt, mit der Emily Winkler schon gemeinsam in Delmenhorst und Hatten gespielt hat und aktuell auch in Oldenburg spielt, geht noch ein weiteres Talent diesen Weg. Seit November sind beide für den BHV aktiv, und beide wurden prompt für die Sichtung des Deutschen Handballbundes (DHB) im Leistungssportzentrum Kienbaum nominiert. „Der Bremer Verband ist deutlich kleiner. Deshalb war die Chance größer“, erklärt Emily Winkler. Während des viertägigen Lehrgangs in Kienbaum, das rund eine Stunde Fahrtzeit östlich von Berlin entfernt liegt, stehen sportmotorische Tests sowie Kraft- und Koordinationstraining auf dem Programm – am Ende schaffen Winkler und Schallschmidt den Sprung in den Stützpunkt-Kader. Insgesamt gelingt das fünf Talenten des BHV.

Vor der neuen Saison rückt Emily Winkler nun im Sommer in die erste B-Jugend des VfL Oldenburg auf, die in der Oberliga spielt. Einen Einsatz hat sie in der laufenden Serie bereits für das Team absolviert und hat dabei von ihrer Lieblingsposition aus – von halbrechts – zwei Treffer erzielt. „Der Verein bietet in der Region einfach die beste Perspektive“, sagt die Delmenhorsterin, die sowohl von der U16-Nationalmannschaft als auch von der Bundesliga der Damen träumt. Wie es sich anfühlt, in der höchsten deutschen Spielklasse auf dem Platz zu stehen, hat Emily Winkler übrigens schon erlebt – wenn auch in eher undankbarer Rolle. „Bei den Bundesliga-Heimspielen haben wir manchmal Wischdienst“, sagt sie und lacht.


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

Rettungsdienste nur noch per/im Panzer ?

Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...