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Niedersachsenpokal der Amateure
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Benno macht’s

Michael Kerzel 22.04.2019 0 Kommentare

Obenauf: Florian
Obenauf: Florian "Benno" Urbainski feierte nach seinem entscheidenden Elfmeter zusammen mit den Fans. (Janina Rahn)

Delmenhorst. Die Geschichte des neuen SV Atlas Delmenhorst ist um ein weiteres spektakuläres Kapitel reicher. Titelheld dieses Abschnitts ist Florian „Benno“ Urbainski. Der Schlussmann des Fußball-Oberligisten hatte zwar 90 Minuten lang kaum etwas zu halten im Halbfinale des Niedersachsenpokals der Amateure, doch im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Wunstorf parierte er drei Strafstöße und verwandelte den entscheidenden selbst zum 6:5. Nach torlosen 90 Minuten ging es direkt ohne Verlängerung an den Punkt. „Ich habe versucht, alles auszublenden, der Puls ging dann doch ziemlich hoch“, beschrieb er die letzten Sekunden vor dem entscheidenden Schuss. Später auf der Pressekonferenz schob er auf die Frage des Atlas-Präsidenten Manfred Engelbart, was er sich dabei gedacht habe, selber zu schießen noch ein: „Du weißt ja, dass ich nicht viel denke. Ich hab ihn einfach reingeschoben“ hinterher. Sportchef Bastian Fuhrken war vor allem erleichtert: „Ich bin stolz auf die Mannschaft und ich bin stolz auf Benno. Wir brauchen Jungs, die Verantwortung übernehmen. Das hat er gemacht.“

Durch Urbainskis Treffer fährt der SV Atlas Delmenhorst nun nach Hannover zum Pokalfinale. Am Sonnabend, 25. Mai, trifft die Truppe von Trainer Olaf Blancke dort auf den TuS Bersenbrück, der sich mit 3:0 bei Eintracht Northeim durchsetzte. Das Spiel wird im Rahmen des Tags der Amateure bei der ARD live in einer Konferenz mit weiteren Amateur-Pokalfinals übertragen. Die genaue Anstoßzeit – entweder 14.15 oder 16.15 Uhr – steht noch nicht fest. Gewinnt Atlas das Finale, treten die Blau-Gelben in der kommenden Saison im DFB-Pokal an und treffen dann in der ersten Runde auf einen Erst- oder Zweitligisten.

Doch soweit voraus wollten die Verantwortlichen des SV Atlas noch nicht gucken. Zu geschafft waren sie nach dem Spiel. „Wir sind alle fertig mit der Welt. Nervenaufreibend. Es war an der Grenze des Ertragbaren“, erzählte Blancke. Während der 90 Minuten tigerte er an der Seitenlinie entlang, schrie immer wieder Kommandos aufs Feld. Auch Fuhrken hielt es nicht auf dem Stuhl neben der Trainerbank. Er war vor allem damit beschäftigt, Marco Prießner zu beruhigen, der auf dem Feld immer wieder mit dem Schiedsrichter diskutierte, dafür die Gelbe Karte kassierte und den Atlas-Verantwortlichen Sorgen bereitete, vom Platz zu fliegen.

90 nahezu ereignislose Minuten

Die Nervosität war nicht nur bei den Außenstehenden groß, sondern auch bei den Akteuren auf dem Feld. Beide Teams erarbeiten sich kaum Torchancen, was vor allem daran lag, dass sie das Risiko scheuten. Sowohl Atlas als auch Wunstorf sicherte hinten fast durchgehend mit vier oder fünf Mann ab, sodass die Offensiven durchgehend in Unterzahl agierten. Die defensiveren Akteure rückten jeweils nicht konsequent nach, sodass zweite Bälle bei den Abwehrreihen landeten. Einen geordneten Spielaufbau brachten die Teams nicht zustande, spielten viele lange Bälle, doch die Stürmer waren bei den Verteidigern gut aufgehoben. Atlas-Abwehrchef Karlis Plendiskis köpfte unzählige Bälle hinten raus, vorne konnte niemand das Spielgerät festmachen.

In den ersten 15 Minuten näherte sich Wunstorf zweimal dem Atlas-Tor, doch Deniz Aycicek (3.) setzte das Leder aus aussichtsreicher Position ebenso klar über das Tor wie im Anschluss Pascal Gos (9.). Nach 16 Minuten schloss Atlas erstmals einen Angriff ab, Tom Schmidt köpfte nach Flanke von Patrick Degen über das Gehäuse (16.). Das war es dann aber auch mit der Torgefahr. Lediglich in der 82. Minute wurde es kurz turbulent. Prießner ging im Laufduell nach leichtem Kontakt zu Boden und forderte Elfmeter, der sehr umsichtige und gut leitende Daniel Fleddermann ließ jedoch weiterlaufen.

Und so kam es zur Entscheidung vom Punkt: Aycicek und Lasse Neubert trafen souverän für Wunstorf, Marvin Osei verschoss. Im Stadion herrschte Totenstille. Thomas Mutlu behielt die Nerven und verwandelte zum 1:2-Anschluss, bevor Urbainski den Schuss von Kriseld Doko um den Pfosten lenkte und Plendiskis ausglich. Jordan Petrov und Tom Schmidt trafen, Urbainski parierte gegen Abit Jusufi. Keisuke Morikami schritt nun als letzter der ersten zehn Schützen zum Punkt. Ein Treffer und Atlas hätte gewonnen. Der Japaner nahm fünf kleine Schritte Anlauf und setzte seinen Schuss deutlich übers Tor – es blieb beim 3:3.

Wunstorf hatte nun den Vorteil, jeweils vorzulegen. Daniel McGuinness traf ebenso sicher wie Yanik Strunkey, bei Atlas behielten Dennis Mooy und Marlo Siech die Nerven. Julian Gepperts Versuch lenkte Urbainski an den Pfosten. Der Schlussmann schnappte sich danach das Leder. Trocken verwandelte er und drehte jubelnd Richtung Fanblock ab. Seine Mannschaftskameraden, Trainer und Betreuer folgten ihm.

Das Stadion bebte, die 2200 bis 2300 Zuschauer feierten ihr Team. „Benno in den Block“, skandierte die Tribüne, gefolgt von „Mannschaft in den Block“. Diese ließ es sich natürlich nicht nehmen, dort mit den über 90 Minuten und darüber hinaus lautstarken Fans zu feiern. „Wir hatten hier schon viele Highlights. Und die Fans setzen immer wieder einen drauf“, freute sich Urbainski, nachdem er für diverse Bilder mit Zuschauern posierte und gefühlt jeden Fan einmal umarmt hatte. Auch Blancke hatte lobende Worte für die Fans parat und zog zudem ein passendes Resümee des Spiels: „Wir haben die geilsten Fans der Oberliga und fahren mit denen nach Hannover. Wie wir das Spiel gewonnen haben, ist scheißegal“.

Am Donnerstag treffen sich Delegationen des SV Atlas und des TuS Bresenbrück mit Vertretern des Niedersächsischen Fußballverbandes, um die Modalitäten des Finals in Hannover zu besprechen. Wie viele Karten den Blau-Gelben für das Spiel zur Verfügung stehen und weitere organisatorische Fragen werden dann geklärt.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?