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Bitter, aber durchaus gerecht

Nico Nadig 05.05.2019 0 Kommentare

Schiedsrichter Felix Bahr (rechts) verwies Atlas-Trainer Olaf Blancke kurz vor Spielende des Feldes, weil dieser sich zu laut beschwert haben soll.
Schiedsrichter Felix Bahr (rechts) verwies Atlas-Trainer Olaf Blancke kurz vor Spielende des Feldes, weil dieser sich zu laut beschwert haben soll. (INGO MöLLERS)

In den ersten 15 Minuten der Partie und in den finalen drei lief alles gegen die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst. Doch während sie die Anfangsviertelstunde noch schadlos überstanden hatten, klingelte es in der Nachspielzeit im Netz der Gastgeber: Mit der allerletzten Aktion des Spiels gelang dem SC Spelle-Venhaus der Treffer zum 1:1 (0:0)-Endstand. So bitter der späte Ausgleich für die Blau-Gelben auch war, so sehr hatten ihn sich die Emsländer verdient. „Letztendlich ist das Ergebnis wohl leistungsgerecht. Wir können uns nicht beschweren, wenn wir nach 15 Minuten hier mit 0:3 hinten liegen“, meinte Atlas-Coach Olaf Blancke.

Den Klassenerhalt haben die Blau-Gelben jedenfalls auch mit nur einem Punkt perfekt gemacht. Zwei Spieltage vor Schluss beträgt ihr Vorsprung auf die Abstiegsränge sieben Zähler. „Jetzt können wir erst mal durchatmen und auch wieder das Wort Pokal in den Mund nehmen“, sagte Blancke. Bis zum Endspiel gegen den TuS Bersenbrück in Hannover müssen die Blau-Gelben noch zwei Ligaspiele absolvieren. Gut vorstellbar, dass sie bei diesen einige angeschlagene Spieler zumindest etwas schonen werden.

Dass Atlas nach dieser Partie den Klassenerhalt feiern würde, danach sah es zu Beginn wahrlich nicht aus. Ganz im Gegenteil. Die ersten Minuten der Begegnung ließen ein Debakel erahnen: Mit viel Druck starteten die Gäste aus dem Emsland und schnürten die Hausherren an deren eigenem Strafraum ein. Allein in der fünften Minute hätte Spelle zweimal treffen können, aber mindestens einmal müssen: Nachdem Atlas-Schlussmann Florian Urbainski einen Flankenball abgewehrt hatte, verfehlte Simon Schäfers Nachschuss nur knapp das Ziel. Sekunden später brannte es erneut im Atlas-Strafraum, als Torben Stegemann Nick Köster sehenswert ins Leere laufen ließ und abzog. Urbainski parierte den Versuch jedoch. In Minute neun zeichnete sich der Torhüter gleich mehrmals aus, als er zwei Schüsse abwehrte.

Eine Zeigerumdrehung später wäre Urbainski chancenlos gewesen, jedoch streifte Merlin Schütte den Ball nur und Stegemann rutschte komplett vorbei. Spelle agierte schlichtweg mit mehr Tempo und Struktur, zudem hatte es auch spielerisch deutliche Vorteile. Atlas fand dagegen erst mal gar nicht statt und schaffte es nicht, sich zu befreien. Bis zur 17. Minute: Nach einer Balleroberung tankte sich Spielmacher Musa Karli durch das Mittelfeld, ehe das Leder bei Rechtsverteidiger Kevin Radke landete. Dessen Schuss aus 23 Metern knallte gegen die Latte – der (kleine) Weckruf für die Gastgeber. Atlas war nun präsenter auf dem Rasen und fand besser in die Zweikämpfe. Wobei es aber weiterhin Glück hatte, dass hinten die Null stand. Einen Schuss von Simon Schäfer klärte Innenverteidiger Marlo Siech auf der Linie (22.).

Noch bitterer war aus Sicht der Speller die Szene in der 36. Minute: Nach einem Foul im Mittelfeld an einem SC-Spieler zeigte Schiedsrichter Felix Bahr Vorteil an. Gerade als der Speller Akteur Urbainski umkurvt hatte und einschussbereit war, pfiff er den Vorteil wieder ab. Die Gäste regten sich völlig zu Recht auf, es wäre die verdiente Führung gewesen. „Bis zur Halbzeit hatten wir schon sechs hundertprozentige Chancen. Auch in den anderen Spielen machen wir nicht jede davon, aber so eine Schwäche ist ungewöhnlich. Etwas Pech war auch dabei, der Delmenhorster Torwart hat gut gehalten“, sagte SC-Coach Hanjo Vocks. Atlas hatte unterdessen eine wirklich gute Möglichkeit in Halbzeit eins, Oliver Rauh scheiterte jedoch frei stehend am Speller Schlussmann Bernd Düker. Vocks: „Von dem ganz großen Druck konnte sich Atlas befreien. Aus unserer Sicht ist der eine Punkt aber trotzdem zu wenig.“

Atlas stellt etwas um

Allerdings änderte sich dies nach der Pause. Atlas stellte die Gastgeber nun schon an deren eigenem Strafraum mit Stürmer Aladji Barrie und Karli zu. Außerdem ließ es im Mittelfeld kaum noch Räume, sodass Spelle sein Spiel nicht mehr richtig aufziehen konnte. Den Gästen ging die Ruhe und phasenweise sogar ein Stück weit die Struktur verloren. „Wir haben das nicht mehr gut ausgespielt, das können wir besser. Allerdings hat Delmenhorst es dann auch besser gemacht“, sagte Vocks und ergänzte: „In der ersten Halbzeit sind die Bälle noch zu uns gesprungen, weil wir eben auch in diese Räume gegangen sind. In Durchgang zwei war das nicht mehr ganz so.“

Tatsächlich war es sogar die Blancke-Elf, die die ersten Torchancen hatte. Patrick Degen schoss aus dem Rückraum über den Kasten (49.), Rauh stand bei seinem Treffer vermeintlich im Abseits (50.), Karli köpfte den Ball nach Flanke von Thomas Mutlu genau in die Arme des SC-Schlussmannes. „In der zweiten Halbzeit haben wir etwas umgestellt. Wir wussten um Spelles Qualität in der Offensive. Nach der Anfangsphase bekamen wir das besser in den Griff“, lobte Blancke seine Elf, die in Minute 78 in Führung ging. Thomas Mutlu traf vom Elfmeterpunkt aus, nachdem er zuvor auch gefoult worden war. Die Führung war durchaus verdient, sofern man nur Durchgang zwei betrachtet. In diesem hielt Atlas Spelle weitestgehend vom eigenen Tor fern und machte seine Sache nach vorne selbst recht ordentlich. Allerdings ließen die Blau-Gelben eben auch etwas liegen: Marvin Osei hatte das 2:0 auf dem Fuß, jedoch parierte Düker den Schussversuch glänzend (88.).

Und so blieb es bis zum Schluss spannend. Und hitzig: Schiedsrichter Bahr verwies Blancke in der Schlussminute des Feldes, weil „ich mich zu laut beschwert haben soll. Das habe ich auch noch nie gehört“. In der dritten Minute der Nachspielzeit sah Osei die Rote Karte. Eine sehr harte Entscheidung aus Atlas-Sicht, wobei Osei eben auch recht rüde auf Kniehöhe einstieg. Den anschließenden Freistoß aus 45 Metern verteidigten die Blau-Gelben schlecht, sodass der Ball über Umwege beim frei stehenden Merlin Schütte landete – das 1:1. Karli: „Betrachtet man das ganze Spiel, geht das 1:1 wahrscheinlich in Ordnung. Aber wenn man in der 94. Minute den Ausgleich kassiert…“


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Leserkommentare
tommi24 am 18.10.2019 17:28
@Da würde der wutbürgernde Autofahrer aber sofort durchdrehen.

Ja, ganz bestimmt!
tommi24 am 18.10.2019 17:27
@Also muss hier mal "suziwolf" unterstützen.

Ich auch, diese vermaledeiten Blechkistenfahrer müssen aus der Stadt, es lebe das Fahrrad. ...