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Fußball-Oberliga
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Blau-Gelbe Achterbahnfahrt

Niklas Johannson 01.05.2019 0 Kommentare

Aladji Barrie (hier gegen die Reserve von Eintracht Braunschweig) hatte mit zwei Toren großen Anteil am Erfolg des SV Atlas.
Aladji Barrie (hier gegen die Reserve von Eintracht Braunschweig) hatte mit zwei Toren großen Anteil am Erfolg des SV Atlas. (INGO MÖLLERS)

Die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben einen großen Schritt in Richtung Oberliga-Klassenerhalt gemacht. Beim direkten Konkurrenten MTV Wolfenbüttel setzte sich die Mannschaft von Trainer Olaf Blancke nach einer aufregenden Partie mit 4:3 (2:1) durch. Kurz nach dem Spiel wurde dieser wichtige Erfolg jedoch durch Zuschauertumulte überschattet. Entstanden waren diese offenbar, weil Musa Karli von einem gegnerischen Fan rassistisch beleidigt wurde.

Aber der Reihe nach: Blancke tauschte gegenüber dem Desaster vom vergangenen Freitag beim BV Cloppenburg auf fünf Positionen: Während Tom Schmidt und Dennis Mooy verletzungsbedingt die Reise nach Wolfenbüttel gar nicht erst angetreten hatten, fanden sich Aladji Barrie, Thomas Mutlu und Kevin Radke auf der Bank wieder. Für sie standen Leon Lingerski, Keisuke Morikami, Thade Hein, Musa Karli und Marco Priessner in der Startelf. Diese Veränderungen brachten zuerst keinen Erfolg. Denn die Blau-Gelben waren zu Beginn überhaupt nicht im Spiel, machten unzählige Fehler und ließen sich von den Hausherren überrennen, anstatt erst einmal defensiv sicher zu stehen. Der erste Konter des MTV war direkt von Erfolg gekrönt, als Schiedsrichter Sebastian Otto (Hannover) nach einem vermeintlichen Handspiel von Marlo Siech auf den Punkt zeigte. „Für mich ist der Arm angelegt und deshalb niemals ein Elfmeter“, sagte Co-Trainer Marco Büsing. Joscha Plünnecke nahm das Geschenk dankend an und verwandelte zum 1:0 (6.)

Es folgten mehrere große Möglichkeiten für Wolfenbüttel, das es jedoch verpasste, auf 2:0 beziehungsweise 3:0 zu erhöhen. „Wenn du uns nicht totmachst, wirst du bestraft“, betonte Büsing, während Blancke sagte: „In der ersten Halbzeit hatten wir richtig Glück.“ Aufgrund der erschreckenden Vorstellung reagierte der Delmenhorster Coach bereits in der 33. Minute und vollzog einen Doppelwechsel. Den Platz verließen der angeschlagene Priessner und der an diesem Tage indisponierte Morikami. Barrie und Radke kamen ins Spiel. „Wir mussten reagieren und irgendetwas machen. Wir wollten sicher stehen, haben aber viel zu risikoreich gespielt“, erklärte Blancke. Morikami zeigte sich nach der Partie einsichtig: „Ich stand oft zu hoch und hatte ein schlechtes Stellungsspiel, aber hauptsache gewonnen.“

Partie vor der Pause gedreht

Die Reaktion des Trainers entpuppte sich zum Weckruf für den SVA, der in der 45. Minute ausglich. Nach einer scharf hereingetretenen Ecke von Patrick Degen stocherte Barrie das Leder aus kurzer Distanz über die Linie – 1:1. Der MTV wirkte konsterniert und lief ein paar Augenblicke später in einen ausgezeichneten Delmenhorster Konter, den Degen nach einer starken Flanke von Lingerski eiskalt zur Führung verwertete – 2:1 (45.).

Kurz nach dem Seitenwechsel leistete sich Karlis Plendiskis einen fatalen Stellungsfehler und wusste sich daraufhin nur noch mit einem Foul im Strafraum zu helfen. „Karlis meinte, das Foul war knapp außerhalb. Dafür hätte er vielleicht Rot sehen können“, schilderte Manager Bastian Fuhrken die Situation. Erneut schnappte sich Plünnecke das Leder, scheiterte dieses Mal jedoch an Urbainski (47.).

Vier Minuten später war Urbainski nach einem Kopfball aus kurzer Distanz durch Rico-Rene Frank machtlos – 2:2 (51.). Wieder zeigte Atlas Moral und ließ die rund 100 Delmenhorster von den 461 Zuschauern erneut jubeln, als Hein abstaubte, nachdem Plendiskis zuvor einen Degen-Freistoß an den Querbalken geköpft hatte – 3:2 (55.). Durch Chancen von Karli (61.) und Barrie (68.) hätte der SVA die Entscheidung frühzeitig erzielen können, doch so musste Urbainski gegen Frank nochmals einen überragenden Reflex auspacken (77.). Fast im Gegenzug dribbelte sich Hein gegen mehrere Gegenspieler durch, bediente Karli, der noch am Torwart scheiterte, aber der Abstauber von Barrie zappelte schließlich im Netz – 4:2 (79.). „Das hat Thade sensationell gemacht, fast wie Messi“, lachte Blancke, während Fuhrken den Doppeltorschützen lobte: „Es freut mich für Aladji, dass er heute dort stand, wo ein Stürmer stehen muss.“

Die Geschichte dieses Wahnsinnsspiels war jedoch noch nicht zu Ende erzählt. Weil Urbainski gegen Frank beim Rauslaufen zu spät kam, konnte der MTV-Stürmer zum 3:4-Anschlusstreffer einschieben (88.). Dadurch entwickelte sich eine heiße Schlussphase, in der Atlas noch drei gefährliche Szenen überstehen musste. Eine davon parierte Urbainski wieder stark (90.). „Benno hat sensationell gehalten“, betonte ein erleichterter Olaf Blancke.

Danach war Schluss und Atlas bejubelte einen ganz wichtigen Erfolg in der Fremde. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt. Die letzten Tage waren echt schlecht“, verriet Fuhrken, der mitansehen musste, wie sich neben dem Platz plötzlich tumultartige Szenen entwickelten. SVA- und MTV-Fans stürmten aufeinander los, die Situation schien zu eskalieren, doch relativ zügig beruhigte sie sich auch wieder.

Doch was war passiert? Während des Abklatschens zwischen Spielern und Fans soll Karli von den Heimfans rassistisch beleidigt worden sein. „Musa hat ein bisschen Wasser in die Richtung der Zuschauer gespritzt und wurde dann mit: ‚Was willst Du scheiß Kanacke‘ beschimpft“, schilderte Fuhrken die Szene, die Karli bestätigte: „Jemand hat mich rassistisch beleidigt.“ Eine völlig unnötige Szene eines außergewöhnlichen Atlas-Nachmittages, der den Delmenhorstern sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge beschert hat. Der Klassenerhalt könnte nun am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen den SC Spelle-Venhaus eingetütet werden.


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Leserkommentare
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