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Fußball-Bezirksliga
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Demütigung, die zweite

Nico Nadig 22.04.2019 0 Kommentare

Paul Fuhrken bejubelte seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 5:0 für den VfL Stenum gegen den SV Baris Delmenhorst.
Paul Fuhrken bejubelte seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 5:0 für den VfL Stenum gegen den SV Baris Delmenhorst. (Janina Rahn)

Stenum. Mit Önder Caki möchte man nach diesen Ostertagen wahrlich nicht tauschen, denn auf ihn wartet offensichtlich viel Aufbauarbeit: Nachdem der von ihm trainierte Fußball-Bezirksligist SV Baris Delmenhorst schon im Stadtderby gegen den SV Tur Abdin Delmenhorst untergegangen ist (Text siehe unten), kassierte seine Elf auch beim VfL Stenum eine herbe Klatsche – 3:7 (2:5). „Von den fünf Tore in der ersten Halbzeit haben wir vier hergeschenkt. Ich frage mich, warum ich den Jungs in der Kabine Anweisungen gebe, wenn sie diese mit Anpfiff sowieso vergessen“, ärgerte sich Caki. 

Über die Nachlässigkeiten seiner Mannschaft regt sich der Trainer praktisch schon die ganze Rückrunde über auf. Verständlich beim Blick auf die Zahlen: Aus den vergangenen sieben Spielen holte der SV Baris lediglich vier Punkte und kassierte dabei ganze 28 Gegentore. Wären die drei Mannschaften auf den Abstiegsrängen nicht schon so weit abgeschlagen, würde der SV Baris um den Klassenerhalt zittern müssen. „Wir sind zurzeit einfach nicht auf dem Platz und machen immer wieder diese dummen Fehler. Ich würde mich gerne mal selbst einwechseln“, sagte der Coach etwas fassungs- und ratlos wirkend. 

Rückstand nach 40 Sekunden

Nachdem seine Elf beim Stadtderby gegen einen furios aufspielenden SV Tur Abdin eine böse 1:8-Klatsche kassiert hatte, forderte Caki eine Reaktion gegen den VfL Stenum. Schon nach 40 Sekunden dürfte ihm aber das erste Deja-vu durch den Kopf geschossen sein: Einen Flugball klärte seine Mannschaft zur Ecke, die der Stenumer Julian Dienstmaier an den Fünfmeterraum flankte. Stürmer Rouven Heidemann lief ein, erhielt von den Baris-Spielern dabei nur Geleitschutz und nickte locker ein. Drei Minuten später verdaddelten die Gäste den Ball am eigenen Strafraum. Nutznießer war Maximilian Klatte, der allein vor Torhüter Orhan-Can Karakaya die Nerven behielt – 2:0 für den VfL. „Wir sind furios in das Spiel gekommen und haben die Tore hervorragend erzielt“, freute sich VfL-Trainer Thomas Baake. 

Die Gäste dürften sich dagegen wie im falschen Film gefühlt haben: Gegen Abdin lagen sie nach 15 Minuten mit 0:3 hinten, gegen den VfL sogar nach 13 – und dabei schliefen sie erneut in der Defensive. Einen relativ harmlosen Freistoßversuch von Dienstmaier klärte die Caki-Elf unzureichend, sodass Timm Strodthoff den Ball aus der zweiten Reihe ins Netz hämmerte. Kurz darauf erhöhte Strodthoff auf 4:0. Zuvor hatte Karakaya einen ersten Schuss zur Seite abprallen lassen, weil keiner seiner Mitspieler sich aber offenbar dazu verpflichtet fühlte, ihn endgültig zu klären, staubte der Stenumer ab. Baake: „Strodthoff war heute für mich überragend.“ Bis dato hatte der SV Baris praktisch nicht stattgefunden. Ihm fehlte jegliche Struktur, Zweikämpfe nahm er nicht an und nach vorne entfaltete die sonst so gefürchtete Baris-Offensivmaschinerie keinerlei Druck. Besonders erschreckend daran: Anders als Abdin überrannte der VfL die Delmenhorster nicht. Zweifelsohne war die Baake-Elf besser und präsenter, aber eine Glanzleistung lieferte sie keinesfalls ab. Musste sie aber eben auch nicht. Denn Baris machte es den Stenumern einfach. Wie etwa beim 5:0 durch Paul Fuhrken. Der Stenumer Youngster luchste einem Baris-Verteidiger im Vorwärtsgang den Ball ab und lief allein auf das Tor zu – zwei Delmenhorster begleiteten ihn auf dem Weg dorthin. Sein Solo krönte Fuhrken mit einem sicheren Abschluss (32.). 

Daraufhin zogen sich die Stenumer etwas zurück, was Baris ins Spiel brachte. Ein Freistoß prallte von der Mauer in Richtung VfL-Torhüter Maik Panzram. Der Schlussmann ging nicht entschlossen genug zum Ball, sodass Tayfun Kurt zum 1:5 einnetzte (35.). Ein Treffer, der den Gäste Leben einhauchte. Plötzlich suchten sie den Weg nach vorne und zeigten überhaupt Präsenz auf dem Platz. Das wurde mit dem 2:5 belohnt, bei dem wieder Panzram im Mittelpunkt stand. Nach einem schönen Pass von Mert Caki lief Dennis Kuhn auf den Torhüter zu und legte den Ball an diesem vorbei. Statt Kuhn das 2:5 einfach erzielen zu lassen, berührte Panzram den Angreifer jedoch – Rot für den Torhüter, Elfmeter für Baris. Mert Caki verwandelte (45.). Damit war die erste Hälfte jedoch noch nicht beendet. Denn auch Stenum bekam noch einen Elfmeter zugesprochen nach einem unnötigen Foul von Mert Caki. Dienstmaier scheiterte an Karakaya. 

Baris hatte somit eigentlich den berühmten psychologischen Vorteil auf seiner Seite, und nutzte diesen in Durchgang zwei zuerst auch. Devin Isik kam nach einer Ecke völlig unbedrängt zum Abschluss – der 3:5-Anschlusstreffer (47.). Sollte dem SV Baris also ein Comeback gelingen? Nein. Denn die Delmenhorster rannten in der Folge zwar an, hatten bei den meisten Angriffen jedoch keinen Plan: Mal hielten sie den Ball zu lange, mal spielten sie zum falschen Mitspieler, mal gingen sie unnötig ins Dribbling. „Wir haben auch mit vielen dummen langen Bälle agiert“, kritisierte Caki. Stenum verteidigte dagegen geschickt. Paul Fuhrken rückte beispielsweise immer wieder hinten ein, sodass der VfL eine Fünferkette aufbot. Außerdem nutzte er es aus, dass Baris‘ linke Seite komplett in der Luft hing. So konnte Strodthoff oft ins Halbfeld rücken und für Entlastung sorgen. Wie etwa in Minute 82: Der Stürmer bekam den Ball und hatte viel Platz, angekommen im Strafraum spielte er auf Kelm, der zum 6:3 einnetzte. Den Schlusspunkt setzte Maximilian Klatte vom Strafstoßpunkt aus (86.). 


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...