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HSG Grüppenbühren/Bookholzberg
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Schiffdorf statt Kiel

Olaf Kowalzik 26.07.2018 0 Kommentare

In der vergangenen Saison empfingen die A-Jugend-Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg (orange Trikots) noch den THW Kiel (weiße Trikots).
In der vergangenen Saison empfingen die A-Jugend-Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg (orange Trikots) noch den THW Kiel (weiße Trikots). (Olaf Kowalzik)

Bookholzberg. Die Sonne knallt gnadenlos auf die A-Jugend-Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg hinab. Als wäre es nicht schon heiß genug, scheucht HSG-Trainer Stefan Buß seine Spieler schonungslos über den Platz. Er bereitet sie auf die Oberliga-Vorrunde vor, die für seine Mannschaft am 9. September mit einem Landkreisderby gegen den TvdH Oldenburg beginnt. Die Buß-Spieler müssen dabei kräftig umdenken, denn anstatt nach Berlin, Kiel, Flensburg oder Magdeburg geht ihre Reise jetzt nach Findorff, Jever, Schiffdorf oder Lüneburg.

Den verpassten Wiederaufstieg in die Bundesliga haben allerdings noch nicht alle HSG-Talente vollends verdaut. „Ich hänge immer noch ein wenig daran, auf Bundesliga-Niveau zu spielen. Das war für mich ein ganz anderer Handball“, gibt Kreisläufer Henk Braun zu. „Das Einzige, was jetzt hilft, ist hart zu trainieren“, fügt Soheil Ramin hinzu. „Um uns selbst und anderen zu beweisen, dass wir eigentlich in die Bundesliga gehören.“ Trainieren, um zu vergessen – so könnte also das Motto bei einigen Spielern lauten. Zumindest legen sie sich bei der Saisonvorbereitung derart ins Zeug, als würden sie weiter in der Eliteklasse spielen. Bei Turnieren in Gummersbach und Emsdetten wird das Team auch zum Kräftemessen auf Bundesligisten treffen.

Dreimal die Woche bittet das Trainer-Duo Stefan Buß und Andreas Müller die Mannschaft in die Halle. Die drei Schlussleute Jan Kinner, Simon Schreiner und Torben Knop, frisch gebackener U18-Europameister im Beachhandball, erhalten hierbei Unterstützung vom neuen Torwarttrainer Jörg Düßmann. Den Rest der Woche trainieren Kian Krause, Bennet Krix, Maximilian Tapken (alle TV Cloppenburg) sowie Jakub Anuszewski und Simon Schreiner (beide HSG Barnstorf/Diepholz) in Männer-Oberligateams, an die sie in der kommenden Saison herangeführt werden sollen.

Den Übergang erleichtern

Nico Hennemann, Norman Lachs, Henk Braun, Soheil Ramin, Jona Schultz und Niklas Kowalzik erhalten wiederum ein zusätzliches Spielrecht für die Männer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, um dort den Neuaufbau zu unterstützen. „Außerdem wollen wir einmal im Monat Freundschaftsspiele gegen Männer-Oberligisten austragen, um die entsprechende Härte in die A-Jugend reinzukriegen“, erzählt Stefan Buß. Damit soll allen Nachwuchskräften der Übergang in die Herrenmannschaften erleichtert werden.

Trotz des Abstiegsfrusts behalten sowohl die Spieler als auch die Trainer und der Vorstand die Bundesliga-Saison in bester Erinnerung. „Wir haben als kleiner Dorfverein Sensationelles geschafft. Und die Saison hat den Verein dank unserer Sponsoren keinen einzigen Cent gekostet“, blickt der Boss der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, Holger Jüchter, erfreut zurück. Letzteres lag vor allem am Sponsorenbetreuer Frank Mehrings, der die nötigen Gelder akquirierte.

Außerdem übertrafen die 300 heimischen Anhänger im Schnitt sämtliche Erwartungen des damaligen Aufsteigers, die den Klub gleichzeitig zum Zuschauer-Krösus aller vier Jugendbundesligen der Saison 2017/18 machten. „Das war schon der Hammer. Selbst zum Doppelspieltag nach Potsdam und Berlin sind wir mit 60 Unterstützern gefahren und haben dort mehr Zuschauer aufgeboten als die Füchse“, schmunzelt Holger Jüchter.

Nicht nur für ihn ist das Bundesligajahr ein schönes Abenteuer gewesen. „Man kann viel bewegen, wenn von der Gemeinde über das Team und die Eltern bis hin zum Verein und dem Umfeld alle an einem Strang ziehen“, sagt er voller Stolz. „Für uns geht die Welt durch den verpassten Wiederaufstieg nicht unter.“ Das scheint auch für die Spieler zu gelten, die bis auf Piet Gerke (wechselte zum Bundesliga-Aufsteiger SG HC Bremen/Hastedt) komplett zusammengeblieben sind.

Andere Akteure wie der Haupttorschütze Henk Braun sind ihrem Klub trotz Offerten aus der Vorzeigeklasse treu geblieben. Der 18-Jährige lehnte das ihm vom TV Oyten angebotene Zweitspielrecht ab. „Ich gehöre der Truppe seit der E-Jugend an, mit ihr möchte ich einfach das Beste rausholen“, gibt der mit 108/33 Toren zwölftbeste Werfer der Bundesliga-Nordstaffel zu Protokoll. „Wir sind zu einer Familie geworden, die kann man nicht so einfach verlassen“, ergänzt Jona Schultz.

Neuzugänge bleiben

Selbst Soheil Ramin (von der HSG Delmenhorst), Jakub Anuszewski (von der SG HC Bremen/Hastedt) und Maximilian Tapken (vom TV Cloppenburg) haben ihre Wechselentscheidung nicht rückgängig gemacht, obwohl natürlich gerade die Bundesliga große Anziehungskraft auf sie entwickelt hatte. „Die Stimmung in der Mannschaft ist immer noch gut und das Training mit den Jungs ein riesiger Unterschied zu meinem vorherigen Verein“, erklärt Soheil Ramin. „Ich verstehe mich mit den Spielern sehr gut. Da wäre es mir einfach viel zu schade, die Mannschaft wieder verlassen zu müssen“, verrät wiederum „Kuba“ Anuszewski.

Stefan Buß will mit seiner Mannschaft noch einmal durchstarten und für ein „geiles Abschlussjahr“ sorgen, denn bis auf Jan Kinner, Jakub Anuszewski und Soheil Ramin besteht das Team komplett aus Spielern des älteren Jahrgangs. „Wir wollen die Oberliga erreichen und uns dort unter den ersten Drei platzieren, auch wenn einige Spieler noch etwas höhere Ziele anstreben“, erklärt der HSG-Coach.

Ein Selbstgänger wird die Spielzeit in der Oberliga für einen Bundesliga-Absteiger gewiss nicht, wie die SG HC Bremen/Hastedt in der vergangenen Saison zu spüren bekommen hat. Sie war zwar im Schlussspurt Meister geworden, hatte sich dabei aber auch in zehn Spielen sechs Minuspunkte eingefangen. „Die Abwehrhärte aus der Bundesliga wird bei den Oberliga-Schiedsrichtern nicht so toleriert. Außerdem wird in einigen Hallen ohne Backe gespielt“, schildert HC-Chef Ralf Fricke die Umgewöhnungsprobleme.

Nach dem jetzigen Stand würde der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg der vierte Platz in der Oberliga reichen, um sich erneut für die Bundesliga-Aufstiegsrunde zu qualifizieren. Aber hegen die Landkreisler überhaupt Ambitionen auf den Aufstieg ins Oberhaus? „Zumindest sagen wir dazu nicht Nein“, betont Holger Jüchter. „Wir würden versuchen, wieder eine starke A-Jugend zusammenzubekommen, und dann sehen, was geht.“ Die drei verbleibenden Spieler plus die Talente aus der zweiten A- und B-Jugend (jeweils in der Landesliga) könnten dafür den Grundstock bilden.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...