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SV Atlas Delmenhorst
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Über Umwege ins Düsternortstadion

Niklas Johannson 11.06.2019 0 Kommentare

Emiljano Mjeshtri wird in der kommenden Saison vor weitaus mehr Zuschauern spielen als noch in der Kreisliga.
Emiljano Mjeshtri wird in der kommenden Saison vor weitaus mehr Zuschauern spielen als noch in der Kreisliga. (Ingo MÖllers)

Von Albanien über Griechenland ins Delmenhorster Stadiongebäude. Emiljano Mjeshtri hat im Jahr 2014 eine wahre Odyssee hinter sich gebracht. Doch die Strapazen scheinen sich gelohnt zu haben, schließlich ist er nun frisch gebackener Oberliga-Spieler des SV Atlas Delmenhorst und Auszubildender eines IT-Systemunternehmens. Bis dahin war es jedoch ein steiniger Weg.

Mit vier Jahren trat der heute 19-Jährige in seinem Heimatland Albanien das erste Mal gegen einen Fußball. Früh stach sein Talent heraus, sodass es ihn im Alter von zehn Jahren in eine Fußball-Akademie in die Großstadt Durrës zog. „Dort war ich richtig gut und bin in der besten albanischen U15-Liga Toptorjäger geworden“, erinnert sich Mjeshtri. Die starken Leistungen blieben nicht unbemerkt – kurz danach wurde er für das Länderspiel gegen Mazedonien in den albanischen U15-Kader berufen. „Leider habe ich nicht gespielt und saß nur auf der Bank“, ärgert er sich noch heute.

Kurz darauf war die Zeit von Mjeshtri in seinem Heimatland abgelaufen. Auf Empfehlung des Akademie-Trainers entschloss er sich, den Schritt ins Ausland zu wagen. Dieser führte ihn nach Griechenland, genauer gesagt zum Traditionsverein Aris Thessaloniki. Dort spielte er mit 15 Jahren in der U17-Mannschaft und hoffte auf den großen Durchbruch. Doch nur einen Monat später erlitt seine Karriere einen heftigen Rückschlag. „Wegen familiärer Probleme musste ich mit meinem Vater zurück nach Albanien“, erklärt Mjeshtri. Reizvolle Spiele gegen PAOK Saloniki, Panathinaikos Athen oder Olympiakos Piräus blieben ihm verwehrt.

Doch Vater Dod und Sohn Emiljano gaben nicht auf und versuchten ihr Glück in Deutschland. „Als Kind wollte ich immer Profi werden“, sagt Mjeshtri. Die Reise von Albanien aus glich jedoch einer Tortur. Zuerst fuhren sie acht Stunden mit dem Schiff ins italienische Bari, um danach weitere 16 Stunden mit dem Bus nach München zu juckeln. Von dort aus stiegen die beiden in einen Zug nach Osnabrück. „Da habe ich meine Bewerbung beim VfL Osnabrück eingereicht, aber bis heute keine Antwort bekommen“, schildert Mjeshtri, der daraufhin sein neues Zuhause im Delmenhorster Stadiongebäude fand. „Da habe ich mir ein Zimmer mit meinem Vater geteilt. Für ein paar Monate war es okay, aber für immer würde ich dort nicht wohnen wollen.“

Ein paar Tage später besuchte er das A-Jugend-Training des SVA unter der Leitung von Dirk Musiol, dessen Sohn Julian der beste Freund von Mjeshtri wurde. „Direkt nach dem ersten Training hat Julian mich auf Englisch angeschrieben. Er war die erste Person, mit der ich mich sehr gut verstanden habe“, erklärt Mjeshtri und ergänzt: „Wir haben jeden Tag, in jeder freien Minute zusammen Fußball gespielt. Leider ist Julian (aktuell 3. Herren, Anm. d. Red.) zu faul, sonst hätte er das Gleiche geschafft wie ich“, sagt der 19-Jährige lachend, der schnell von der Familie Musiol als Pflegekind aufgenommen wurde. Die deutsche Sprache lernte er durch die Hilfe von Julian fast in Rekordzeit und schaffte den Sprung von der Haupt- auf die Realschule. „Ich habe nur wegen einer Note meinen erweiterten Realschulabschluss verpasst“, betont der Stürmer.

Auch sportlich entwickelte sich der Torjäger weiter und schaffte den Sprung in die Atlas-Reserve. In der abgelaufenen Kreisliga-Saison erzielte er starke 28 Tore in 28 Partien. Den Aufstieg verpasste das Team trotzdem: „Wir haben die Spiele dominiert, aber kurz vor Schluss viele Gegentore kassiert. Dennoch hat es mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe vor allem von den erfahrenen Spielern Dominik Entelmann oder Hanno Hartmann einiges gelernt.“

Aufgrund der guten Leistungen soll Mjeshtri in der kommenden Spielzeit das Oberliga-Team verstärken. „Ich werde mein Bestes geben und hoffe, dass ich in ein oder zwei Jahren Stammspieler werde“, erklärt er. Ein unbeschriebenes Blatt wird er für die Spieler der ersten Mannschaft nicht sein. „Ich habe bereits mit 17 Jahren bei ihnen mittrainiert. Ich kenne also alle Spieler sehr gut, das wird super.“ Den engsten Kontakt habe er zu Thade Hein und Steven Müller-Rautenberg. „Besonders freue ich mich auf die Grätschen von Thomas Mutlu“, scherzt Mjeshtri, dessen Ziel es ist, irgendwann mit Atlas in der Regionalliga zu spielen. Spätestens dann hätten sich die Strapazen endgültig gelohnt.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...