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Zwischen Wut und Überraschung

Michael Kerzel, Florian Cordes und Jörg Niemeyer 13.06.2019 0 Kommentare

Die HSG Delmenhorst (rote Trikots) und die SG Achim/Baden kämpfen fürs Erste nicht um einen Platz in einer Spitzenliga.
Die HSG Delmenhorst (rote Trikots) und die SG Achim/Baden kämpfen fürs Erste nicht um einen Platz in einer Spitzenliga. (INGO MOELLERS)

Delmenhorst. Jürgen Janßen ist wütend: „Wir fühlen uns verarscht“, sagt der Präsident des Handball-Oberligisten HSG Delmenhorst. Er hatte fest damit gerechnet, dass der Handballverband Niedersachsen (HVN) eine eingleisige vierte Liga etablieren würde. Doch das HVN-Präsidium hat den Antrag dafür auf dem Verbandstag zurückgezogen.

Die besten Teams aus den Oberligen Nordsee und Niedersachsen sollten ab der Saison 2020/2021 eine neue Klasse bilden – sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Der HVN betitelte sie jüngst als „Spitzenliga“. Eine Hoffnung war, dass sich durch eine neue vierte Liga der Leistungsunterschied zur 3. Liga verringert. Bereits in der kommenden Spielzeit wäre es für die Oberligisten darum gegangen, sich einen Platz in dieser Spitzenliga zu sichern. Doch vorerst wird aus der Strukturreform nichts. „Zwei Jahre lang wurde bei Staffeltagen drüber gesprochen. Es wurde beschlossen, dass wir den Weg einer eingleisigen Liga gehen wollen und dass das vorbereitet werden soll“, berichtet Janßen. Im vergangenen Mai gab es dann eine Abstimmung: Der Norden war geschlossen für die Reform, der Süden fast komplett dagegen. „Letztlich gab es eine Mehrheit, dass wir die Staffelreform wollen. Wir sind deshalb davon ausgegangen, dass die Reform kommt und haben uns entsprechend darauf vorbereitet“, teilt Janßen weiter mit.

Auch der TV Neerstedt ist überrascht, dass die Reform nicht kommt. Der TVN stellt ein Oberligateam bei den Damen und eine Verbandsligamannschaft bei den Herren. „Die neue Liga wäre sinnvoll gewesen, damit der Übergang zur 3. Liga seichter ist“, sagt Thomas Lindenthal vom TVN. Der derzeitige Unterschied zwischen den Ligen sei riesengroß.

Höhere Kosten für die Vereine

Die Regionsfürsten verhindern nach Jürgen Janßens Meinung die Reform, weil sie Angst vor den Kosten und geringerer Wahrnehmung hätten. „Natürlich würde es für die Vereine aufgrund der weiteren Fahrten teurer, aber das war auch vor einem Jahr schon klar. Ich habe gehört, dass aus den Südregionen gesagt wird, dass man ein Budget in Höhe von 300 000 Euro braucht für die neue Liga. Das ist Blödsinn. Mit dem Budget kann man in der Mitte der 3. Liga mitspielen“, meint Janßen und bezeichnet das Verhalten der Regionen als „Sauerei“.

Der Antrag wurde laut Jens Schoof, einer von fünf HVN-Vizepräsidenten und in seinem Aufgabenbereich für die Spieltechnik zuständig, deshalb zurückgezogen, weil Teile der verschiedenen Handball-Regionen im HVN noch weiteren Beratungsbedarf sehen. Prinzipiell fand der Vorschlag zwar eine Zustimmung. Aber zahlreiche Vereine wollten, dass das Thema Spielklassenreform noch einmal unterschiedlich für die Bereiche Männer, Frauen und Jugend behandelt werden soll. „Ein Jahr zuvor war das Meinungsbild noch anders“, sagte Schoof. Er muss sich nun mit seiner Arbeitsgruppe wieder an die Arbeit machen. Die Reform der Spielklassen kann kommen, aber sie kommt wohl später. „Unsere Arbeit war jedenfalls nicht für die Katz‘“, meint Schoof

Der Verbandstag beschloss jedoch eine wesentliche Änderung der Spielordnung. Bislang konnte nur der Verbandstag, der alle drei Jahre zusammenkommt, eine Spielklassenreform durchwinken. Künftig kann das halbjährlich tagende erweiterte HVN-Präsidium, dem auch Vertreter aus den Regionen und aus Ausschüssen angehören, sich für eine Spielklassenreform aussprechen. Damit ist theoretisch nicht ausgeschlossen, dass die Reform vielleicht trotzdem noch zur Saison 2020/21 umgesetzt wird. Janßen glaubt daran nicht. „Von den Regionen hört man 'dass wir jetzt drei Jahre Zeit haben'. Und die Regionen gehören ja zum erweiterten HVN-Präsidium“, erklärt er.

In der Arbeitsgruppe um Jens Schoof wurde die Reform schon ziemlich genau geplant: Zum nummerischen Ausgleich der Oberligen sollten aus den Spielklassen darunter – den Männer-Verbandsligen und den Frauen-Landesligen – Mannschaften hochgezogen werden. Unter der Verbandsliga wäre die Anzahl der Männer-Landesligen von fünf auf vier, die Anzahl der Frauen-Landesligen ebenfalls von fünf auf vier reduziert worden. Auf den Spielbetrieb unterhalb der Landesligen hätte die Reform gar keine Auswirkungen gehabt.

Achim/Baden stört Entscheidung nicht

Große Auswirkungen würden aber auf die Oberligisten zukommen. Dass die Reform nun erst einmal auf Eis gelegt wurde, bedauert Cord Katz, Teammanager der SG Achim/Baden, nicht. „Es gibt viele Argumente, die für so eine Liga sprechen, aber auch welche dagegen“, sagte er. „Wir können gut damit leben, dass es erst einmal so bleibt, wie es jetzt ist.“

Als Gegenargument bringt Katz die höheren Kosten an. Die sportliche Herausforderung, sich für eine neue vierte Liga zu qualifizieren, hätte hingegen schon seinen Reiz, meint er. „Auf Sicht ist es natürlich spannend, wenn das sportliche Niveau zwischen der dritten und der vierten Liga nicht mehr so groß ist“, fügt er hinzu.

Dass die Kluft groß ist, zeigt sich Jahr für Jahr. Meist muss der Meister der Oberliga Nordsee die 3. Liga gleich nach der Aufstiegssaison wieder verlassen. Jüngstes Beispiel ist die SG VTB/Altjührden: 2018 wurde der Klub souverän Oberliga-Meister, verlor in der Folgesaison aber den Abstiegskampf in der höheren Klasse. Und auch die SG Achim/Baden musste bei ihrem bislang letzten Ausflug in die 3. Liga nach nur einer Saison wieder zurück in die Oberliga Nordsee.


Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...