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Interview mit Patrick Hunger
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„Der Verein verrenkt sich nicht“

Tobias Dohr 23.05.2019 0 Kommentare

War ein Jahr lang an der Seitenlinie des FC Hagen/Uthlede: Patrick Hunger.
War ein Jahr lang an der Seitenlinie des FC Hagen/Uthlede: Patrick Hunger. (Tobias Dohr)
Herr Hunger, Sie wurden am Sonnabend nach dem letzten Saisonspiel gegen den HSC Hannover verabschiedet. Wie hat sich das angefühlt?

Patrick Hunger: Ich habe mich natürlich gefreut über viele nette Worte und Gespräche. Das hat mir noch mal gezeigt, dass ich wirklich ganz gut integriert war. Aber natürlich war es bei mir nach nur einer Saison nicht so emotional wie beispielsweise bei einem Nils Göcke, der hier viele Jahre gespielt hat. Es war mir eine große Ehre, dass ich diese Chance hier bekommen habe, aber letztlich stand mein Entschluss, nach dieser Saison wieder aufzuhören, ja schon im Januar fest.

Wie genau ist es dazu gekommen?

Es war von vornherein klar, dass ich erst mal reinschnuppern und schauen muss, wie ich hier zurechtkomme. Die zeitliche Belastung ist auch als Co-Trainer sehr hoch. Zwar musste ich mich nicht um die Trainingsplanung kümmern, so wie Carsten Werde. Trotzdem hatte ich bestimmt eine Anwesenheit von 95 Prozent, weil ich von Anfang an gesagt habe: Wenn ich das mache, dann auch richtig.

Was war am Ende ausschlaggebend, dass Sie gesagt haben: Ich mache nicht weiter.

Vielleicht habe ich Carsten nicht die Impulse geben können, wie er sich das erhofft hatte und wie auch ich mir das erhofft hatte. Das ist überhaupt nicht negativ gemeint. Menschlich und sportlich hat Carsten unheimlich viel auf dem Kasten, der Umgang mit der Mannschaft ist fantastisch. Aber vielleicht ist auf dieser Position ein Co-Trainer wichtig, der noch mehr die Sprache des Chefcoaches spricht.

Wie war denn die Zusammenarbeit im Trainerteam so? Waren Sie da mehr Erfüllungsgehilfe?

Natürlich war Carsten Werde ganz klar der Chef, das ist ja auch richtig so. Es ging dann meist um Teilbereiche im Training, kleinere Aufgaben und Übungen, die ich betreut habe. Zudem habe ich ja von Anfang an das Warmmachen vor den Spielen übernommen.

Erzählen Sie doch mal bitte, wie das war, nach zehn Jahren in der Kreisliga Osterholz nun plötzlich in der höchsten niedersächsischen Liga mitzumischen?

Was mich besonders beeindruckt hat, war das Tempo und die Intensität im Training. Wie schnell dort gespielt wurde, wie intensiv die einzelnen Durchgänge waren, das ist schon der Wahnsinn. Carsten Werde lässt sehr viel in Spielformen trainieren, doch auch da war immer eine gewisse Grundaggressivität drin, das ist wirklich ein Quantensprung im Vergleich zur Kreisliga.

Und was wird sonst noch so hängen bleiben von Ihrem Ausflug in den gehobenen Amateurfußball?

Es war natürlich auch toll, mal diese ganzen herrlichen Anlagen und kleinen Stadien zu sehen. Was das teilweise für ein Rasenteppich dort auf den Plätzen ist, das war definitiv in vielen Fällen regionalligatauglich.

Kann sich ein Verein wie der FC Hagen/Uthlede eigentlich dauerhaft in der Oberliga etablieren? Oder war das in dieser Saison das absolute Maximum?

Auf jeden Fall hat der FC Hagen/Uthlede ein sehr, sehr gutes Konzept entwickelt. Der Verein verrenkt sich nicht, um mal ein oder zwei Spieler zu verpflichten, die glauben, sie sind die großen Überflieger. Das ist genau der richtige Weg. Alles andere wird sich zeigen. Man hat in den letzten Spielen schon deutlich gesehen, dass die Gegner mehr und mehr von uns erwartet haben, dass wir das Spiel machen. Die Teams hatten sich schon alle ein Stück weit auf uns eingestellt. Das Potenzial hat die Truppe auf jeden Fall, die Frage wird sein, ob sie auch weiterhin so hungrig ist.

Übertragen wir das Modell des FC Hagen/Uthlede doch mal auf den Landkreis Osterholz. Wäre so etwas nicht grundsätzlich auch in Bornreihe oder bei einem Klub wie dem VSK Osterholz-Scharmbeck möglich?

Von den Fahrten muss man ja ganz klar festhalten, dass dieser Posten im Vergleich zur Landesliga gar nicht sonderlich höher ist. Am Ende ist die Frage, wie man seinen Kader aufbaut und wie das Budget für die Spieler aussieht. Und da haben etliche Klubs im Umland oder auch in Bremen eben nicht schlau gewirtschaftet zuletzt. Beim FC Hagen/Uthlede verbiegt sich diesbezüglich niemand. Insofern wäre es auch der gesamten Region nur zu wünschen, dass sich der Verein in der Oberliga etabliert, damit auch junge Spieler weiterhin solch eine Perspektive haben.

Können Sie als ehrgeiziger Trainer nach dieser Erfahrung eigentlich überhaupt noch mal in der Kreisliga arbeiten?

Definitiv. Ich habe auch nicht gesagt, dass ich nie wieder Trainer sein will. Momentan ist das aber erst einmal nicht geplant, weil ich schon sagen muss, dass ich derzeit etwas satt bin vom Fußball. Das liegt gar nicht mal am Amateurfußball, sondern eher am Profitum. Dieses ganze Geld, diese merkwürdigen Spieler, die eher Schauspieler sind als Fußballer, oder wie dort mit Schiedsrichtern umgegangen wird, das ist alles sehr bedenklich. 

Dass heißt, kurzfristig wird man Patrick Hunger erst einmal nirgendwo an der Seitenlinie sehen?

Ich glaube nicht. Aber wenn sich ein Verein meldet, der ein entsprechendes Umfeld hat und eine Perspektive aufzeigt, dann höre ich mir das natürlich liebend gerne an.

Das Gespräch führte Tobias Dohr.

Zur Person

Patrick Hunger

hat im vergangenen Sommer bei Fußball-Oberligist FC Hagen/Uthlede den Posten des Co-Trainers übernommen. Zuvor war der 44-Jährige zehn Jahre beim Osterholzer Kreisligisten SV Löhnhorst als Cheftrainer aktiv. Hunger ist Inhaber der B-Lizenz und arbeitet bei Thyssen-Krupp in Bremen-Farge. Beim TV Schwanewede spielt Hunger, der einen zehneinhalb Jahre alten Sohn hat, mittlerweile auch Tennis in der Herren-40-Mannschaft. Nach nur einer Saison hat Patrick Hunger sein Engagement beim FC Hagen/Uthlede wieder beendet.


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