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Fußball-Saisonrückblick
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Es hätte durchaus mehr sein dürfen beim SC Borgfeld

Dennis Schott 06.06.2019 0 Kommentare

Wenn er fit ist, gibt es keinen Weg an Christopher Taylor vorbei. Aber auch Borgfelds Torjäger konnte in dieser Saison nicht alle Spiele für den Bremen-Liga-Aufsteiger bestreiten.
Wenn er fit ist, gibt es keinen Weg an Christopher Taylor vorbei. Aber auch Borgfelds Torjäger konnte in dieser Saison nicht alle Spiele für den Bremen-Liga-Aufsteiger bestreiten. (MAXIMILIAN VON LACHNER)

Borgfeld. Das eine Mal traute Ugur Biricik seinen Augen nicht, als er links von sich neben die Ersatzbank schaute. Da standen zehn seiner Spieler in Zivilkleidung und guckten sich die Partie ihrer Teamkollegen an. „Fast eine komplette Mannschaft“, sagt der Trainer des SC Borgfeld rückblickend. Das Ausmaß des Verletzungspechs beim Fußball-Bremen-Ligisten hätte nicht besser festgehalten werden können als in diesem Bild. Insgesamt setzte der SCB-Coach 29 Spieler ein. Bediente sich bei der Reservemannschaft, beim Ü32-Team oder der A-Jugend. Sein mit 24 Mann eigentlich gut besetzter Kader musste einfach anderweitig aufgefüllt werden, damit das Ziel „Klassenerhalt“ überhaupt in die Tat umgesetzt werden konnte.

Was denn auch gelang, sogar ziemlich souverän gelang. In wirkliche Abstiegsnöte geriet der SC Borgfeld, der Liganeuling, eigentlich nie. Nur zwischenzeitlich schien der Vorsprung bedrohlich zu schrumpfen. Aber nach und nach heimsten die Borgfelder dann wieder genügend Punkte ein, während die übrige Konkurrenz im Tabellenkeller überwiegend auf der Stelle trat. Dabei sollte der Start zu diesem souveränen Ligaverbleib gar nicht passen. Der Auftakt gegen den späteren Vize-Meister FC Oberneuland ging gründlich daneben (2:7), hinzugesellten sich zwei weitere Niederlagen. Drei Spiele, null Punkte – willkommen in der Bremen-Liga!

Da war die Mannschaft sogar noch annähernd komplett zusammen, hatte allerdings auch nur wenig Zeit zur Erholung. Lediglich zehn Tage Pause lagen zwischen dem Ende der vorangegangenen Meistersaison in der Landesliga und dem Beginn der Vorbereitungszeit in Bremens Oberhaus, der Bremen-Liga. Nicht gerade viel, bedenkt Ugur Biricik. Was im Nachhinein jedoch umso mehr verwundert, da die Phase der Konsolidierung begann, als den Borgfeldern nach und nach die Spieler wegbrachen. „Zum Ende der Hinserie war es ganz schlimm“, erinnert sich der Borgfelder Trainer. Diverse Stammspieler fielen aus. Besonders heftig traf es die Abwehr. Mehrere Spiele mit derselben Viererkette auflaufen? Undenkbar!

Improvisieren war angesagt. 88 Gegentore, der drittschlechteste Wert in der Liga, zeigen jedoch, dass den Borgfeldern dies größtenteils nicht so gut gelang. Was auch daran lag, dass mit Keeper Rico Sygo ein extrem sicherer Rückhalt die Mannschaft verließ. Simon von Hallen und Maximilian Hentrich vermochten diese Lücke nie komplett zu schließen.

Zu viele Gegentore

Die vielen Gegentore ließen ein besseres Abschneiden einfach nicht zu. Dabei durfte es schon ein bisschen mehr sein. Zumindest hatten sich die Borgfelder das auf die Fahnen geschrieben. Ein bloßer Kampf um den Klassenerhalt sollte die Saison nicht werden. „Wir hatten uns schon ein bisschen mehr ausgerechnet“, bestätigt Ugur Biricik, nachdem die Borgfelder im Vorjahr nur so durch die Saison gerauscht waren. Dieses „mehr“ hat der Aufsteiger indes nur bedingt erreicht. Der zwölfte Platz lässt auf eine ruhige Saison schließen, die es im Endeffekt dann auch war. Nur musste er seinen Blick eher auf die unteren Ränge richten als auf die in der oberen Hälfte der Tabelle. Letztlich stahl den Borgfeldern Mitaufsteiger SFL Bremerhaven insgeheim die Show, auch wenn dessen beeindruckender dritter Platz in der Endabrechnung nie das Ansinnen gewesen ist.

Und dennoch: Das gesicherte Mittelfeld ist machbar, findet Borgfelds Coach. „Wir wissen um unsere Qualität“, ergänzt Ugur Biricik. Und er ist guter Dinge, dass die Mannschaft dies in seinem vierten Trainerjahr in Borgfeld umsetzen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Team ein ähnliches Verletzungspech wie in dieser Spielzeit ereilt, stuft er als gering ein. „So viel Pech kann man eigentlich nur einmal haben“, meint er. Viel wichtiger aber: Annähernd alle Spieler werden ihre Blessuren zur kommenden Saison ausgeheilt haben, zudem wollen sie von einem Jahr Bremen-Liga profitieren. „Wir haben Erfahrung gesammelt, das wird uns zugutekommen“, hofft Ugur Biricik. Seine Mannschaft habe mitunter doch viel Lehrgeld zahlen müssen, sagt er. Und nicht zuletzt: Die Spieler haben eine wesentlich längere Pause als vor einem Jahr.

Stichwort Spieler: Wie nach jeder Saison werden beim SC Borgfeld auch diesmal einige Akteure den Verein verlassen. Simon von Hallen, Fredrik Metzner (beide Auslandssemester), Oladore Olaobaju (Studium) und der wechselwillige Yassin Bekjar werden in der nächsten Saison nicht dabei sein. Auf der Suche nach Ersatz befindet sich Ugur Biricik, ohne konkret werden zu wollen, bereits in Gesprächen. Er ist es seit Kurzem aber nicht allein. Ihm zur Seite steht Markus Nesemann, der neue Teammanager. In selber Funktion arbeitete Nesemann bereits einige Jahre beim Oberligisten TB Uphusen. Neu ist zudem Nils Schulze, der zuvor Co-Trainer bei den C-Junioren des Vereins war, dies ab der neuen Spielzeit gemeinsam mit Jens Ahlers ist. Holger Meyer kümmert sich weiterhin um die Ausbildung der Torhüter. „Es ist wichtig für mich, dass wir breiter aufgestellt sind“, erklärt Ugur Biricik. Breiter aufgestellt sein, vor allem in der Abwehr, soll auch der Kader. Qualität ist genug vorhanden. Wenn sie denn spielt . . .


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...