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Saisonrückblick des FC Hambergen
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Mehr als nur „Vizebergen“

Tobias Dohr 14.06.2019 0 Kommentare

„Das spielerische Rüstzeug war da, die Faktoren haben durchaus für uns gesprochen“ – Meister geworden sind Lars Meyer und Hambergen am Ende aber nicht.
„Das spielerische Rüstzeug war da, die Faktoren haben durchaus für uns gesprochen“ – Meister geworden sind Lars Meyer und Hambergen am Ende aber nicht. (Tobias Dohr)

Hambergen. „Vizekusen“ – die etwas erfahreneren Fans werden sich erinnern an diesen Begriff, der um die Jahrtausendwende die deutsche Fußballsprache prägte, wie kaum ein zweiter. Unglaubliche vier Male wurde Bayer Leverkusen zwischen den Jahren 1996 und 2002 deutscher Vizemeister. Am Ende sprach ganz Fußball-Deutschland nur noch von „Vizekusen“. Im Landkreis Osterholz läuft nun der FC Hambergen langsam aber sicher Gefahr, sich den zweifelhaften Beinamen „Vizebergen“ zuzulegen.

Denn bereits zum dritten Mal in Folge schlossen die „Zebras“ eine Saison in der Bezirksliga Lüneburg 3 mit dem zweiten Platz ab. Doch noch nie schmerzte die Vize-Meisterschaft so sehr, wie in diesem Jahr. Denn während die Rot-Weißen in den beiden vorangegangenen Spielzeiten noch etwas zurückhaltender in die Spielzeit gestartet waren, so gab es vor dieser Saison eigentlich nur ein Ziel: „Natürlich wollten wir gerne Meister werden“, sagt Eric Schürhaus. „Und natürlich ärgern wir uns auch, aber auf der anderen Seite sind wir mit uns vollkommen im Reinen.“ Und das müssen sie – mit kleinen Einschränkungen – wohl auch sein.

Historische Punkteausbeute

Denn blickt man auf die nackten Zahlen, war es eine der besten Hamberger Bezirksliga-Saisons aller Zeiten. Bei der ersten Vize-Meisterschaft im Sommer 2017 kam das Team des damaligen Trainers Christian Hasloop auf 65 Punkte (bei allerdings auch nur 30 Saisonspielen). In der Spielzeit darauf, der ersten von Eric Schürhaus, waren es bereits derer 69 (in 32 Punktspielen). In den 32 Partien der nun abgelaufenen Saison kamen die Hamberger auf richtig starke 75 Zähler. Sowohl in der Saison 2015/2016, als auch in der Spielzeit 2014/2015 hätte diese Ausbeute locker für die Meisterschaft gereicht. Aber eben nicht im Jahr 2019.

„Ich hatte der Mannschaft vor der Saison prognostiziert, dass wir bei der Qualität in der Liga 80 Punkte brauchen würden“, verrät Schürhaus. Mit jener Qualität spielt der FC-Coach vor allem auf die Konkurrenz aus Ottersberg und Etelsen, die beiden Landesliga-Absteiger, an, die mit nur einem Ziel in die Saison gestartet waren: dem direkten Wiederaufstieg. „Dass wir den TSV Etelsen mit seinen Möglichkeiten hinter uns lassen, ist eine Riesensache“, sagt Schürhaus. Doch den TSV Ottersberg vermochten die „Zebras“ nicht abzuschütteln. Und so sollte Schürhaus am Ende tatsächlich recht behalten mit seiner Prophezeiung: 79 Punkte langten Ottersberg zum Titelgewinn, 80 hätten dem FCH gereicht.

Eric Schürhaus weiß, dass das durchaus möglich gewesen wäre. Denn seine Mannschaft hatte lange Zeit alle Trumpfkarten in der Hand, war als Tabellenführer in die Winterpause gegangen und hatte auch in der Rückserie lange Zeit die Pole-Position verteidigt. Als einziges Team der Liga blieben die Rot-Weißen ungeschlagen gegen den neuen Meister, holten dabei sogar vier Punkte. Und dennoch – als es drauf ankam – zeigte der Kontrahent den größeren Willen. „Das spielerische Rüstzeug war da, die Faktoren haben durchaus für uns gesprochen“, sagt Schürhaus, „diesen Vorwurf muss sich die Mannschaft gefallen lassen. In den entscheidenden Spielen haben die Spieler es nicht so sehr gewollt wie Ottersberg.“ Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den Schürhaus zulässt. Auf der anderen Seite sieht der Trainer nämlich eben auch viele positive Dinge: „Bei sehr vielen Spielern hat man eine Weiterentwicklung gesehen.“ Die beiden Neuzugänge Keno Liebschner und Ivo Kiekhöfer beispielsweise hätten sich prima gemacht, auch Marc-Lennard Uhlhorn spielte eine starke Saison. Gian Luka Muskee fügte sich ebenfalls perfekt ins Hamberger Gefüge ein, Jorit Bierwald war im Mittelfeld wieder Kopf der Mannschaft. Und selbst der Bezirksliga-Torschützenkönig, Oldtimer Dennis „Heini“ Heineke, spielte beinahe dauerhaft am oberen Level. Was laut Schürhaus auch für den Rest der Truppe galt: „Wir haben eine Saison am Limit gespielt.“ An deren Ende dann aber trotzdem wieder nur Rang zwei steht, „Vizebergen“ halt.

Eric Schürhaus hofft, dass nicht ausgerechnet das am Ende hängen bleibt von dieser ansonsten doch so starken Saison: „Man sollte das auf keinen Fall nur schwarz-weiß betrachten. Wir müssen einfach anerkennen, dass eine Mannschaft noch stärker war.“ Und wir haben einfach nicht die Möglichkeiten, wie sie in Etelsen oder auch Ottersberg vorherrschen.“ Während sich Ottersberg nun also für die Landesliga-Rückkehr wappnet, stehen die „Zebras“ vor einschneidenden Personalveränderungen. Finn-Niklas Klaus wird den Verein verlassen, auch Marc-Lennard Uhlhorn und Lars Meyer gehen, Simon Küstner ebenfalls. „Wir haben brutal starke Abgänge, das ist Fakt“, weiß auch Schürhaus. Bange ist ihm trotzdem nicht vor der neuen Saison. Viele junge Spieler im Kader sind schließlich noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Und wenn es dann am Ende der Spielzeit 2019/2020 mal nur zu Platz drei reichen würde, hätte da beim FC Hambergen ganz gewiss auch niemand ein Problem mit.

Weitere Informationen

Die Kaderübersicht: Jorit Bierwald (31 Einsätze/3 Tore), Dennis Heineke (30/33), Frederik Nagel (29/7), Finn-Niklas Klaus (28/25), Marc-Lennard Uhlhorn (24/4), Tim Denker (24/2), Lars Meyer (23/0), Garrit Hamdy (22/0), Gian Luka Muskee (21/1), Thilo Röper (20/8), Keno Liebschner (20/8), Dirk Böttjer (19/0), Steffen Kaluza (19/1), Simon Küstner (18/0), Kevin Struß (18/1), Thorsten Klindworth (17/2), Malte Puckhaber (15/2), Tobias Prigge (15/3), Ivo Kiekhöfer (13/0), Paul Meyer (13/0), Boris Gerschkowitsch (6/0), Maik Prigge (6/1), Simon Brinkwirth (2/1)  TD


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Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
HB-Maennchen am 23.10.2019 09:23
Da möchte man als schlichter Leser des Weser-Kuriers der jetzt wieder doch etwas deutlicher wahrnehmbaren schreibenden Stimme der Chefredakteurin ...