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Simon Hake-Söhle
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Auf höchstem Niveau

Thorin Mentrup 05.02.2019 0 Kommentare

Simon Hake-Söhle hat sich ins Rampenlicht gespielt. Der 14-Jährige ist für den C-Junioren-Regionalligisten JFV Nordwest in Oldenburg am Ball.
Simon Hake-Söhle hat sich ins Rampenlicht gespielt. Der 14-Jährige ist für den C-Junioren-Regionalligisten JFV Nordwest in Oldenburg am Ball. (Jonas Kako)

Heiligenrode. Es war der 24. Juni des vergangenen Jahres, als Simon Hake-Söhle ein ganz besonderes Pflichtspiel bestritt, es war nämlich sein letztes für seinen Heimatverein TSV Heiligenrode. Der 14-Jährige, das stand bereits fest, würde weiterziehen nach Oldenburg zum JFV Nordwest, um dort in der U15-Mannschaft am großen Traum jedes Talentes zu arbeiten: dem Profifußball.

Simon Hake-Söhle verabschiedete sich auf allerbeste Art und Weise: Mit zwei Toren gegen den FC Gessel-Leerßen schoss er sein Team zum 6:2-Pokalsieg. Das machte den Wechsel nach Oldenburg, in die Stadt der beiden Vereine VfB und VfL, die gemeinsam den JFV bilden, einfacher. Denn leicht fiel Simon dieser Schritt nicht. „Ich habe bislang immer mit meinen Freunden zusammengespielt“, erzählt er. Nun ging es für ihn raus aus seinem sportlichen Wohnzimmer, wo in den Jahren zuvor vor allem Alexander Stoll und Markus Müller sein Talent gefördert hatten. Genauso wie etwa auch Walter Brinkmann, Wilco Freund und Hermann Schlake am DFB-Stützpunkt Sulingen.

In Oldenburg, der drittgrößten Stadt Niedersachsens, ist alles größer und professioneller als in Heiligenrode. Das hat Simon schnell gemerkt. „Es macht riesigen Spaß, ich fühle mich sehr wohl“, sagt er. Der 14-Jährige ist angekommen – in der Huntestadt, aber auch in seiner neuen sportlichen Klasse. Denn er hat einen gewaltigen Satz nach oben gemacht. Genau genommen: nach ganz oben. Denn höher als in der Regionalliga können C-Jugendliche im Fußball nicht spielen. Es gibt in dieser Altersklasse keine Bundesligen. Simon trifft also auf den gleichaltrigen Nachwuchs der ganz Großen aus dem Norden: auf den FC St. Pauli, den Hamburger SV, den VfL Wolfsburg, Hannover 96 und natürlich auch den SV Werder Bremen, seinen Lieblingsverein. Darauf wird er allerdings keine Rücksicht nehmen, wenn der JFV am 9. Februar zum Rückrundenauftakt gegen die Grün-Weißen ran muss. Dann will der schnelle und dribbelstarke Angreifer dabei helfen, die Chancen auf den Ligaerhalt weiter zu erhöhen. „Den Klassenerhalt in der Regionalliga hat noch nie eine Mannschaft des JFV geschafft“, weiß Simon. „Das ist für uns alle natürlich eine Motivation. Wir können Geschichte schreiben.“ Deshalb kniet er sich bei jedem Spiel und bei jedem Training rein. Die Einheiten sind deutlich mehr geworden: vier in der Woche statt deren zwei in Heiligenrode. „Das ist eine ganz andere Hausnummer“, erklärt Simons Vater Thomas. Mit dem Zug reist sein Sohn nach Oldenburg, dort wird er dann vom JFV abgeholt. Simon hat eine neue Fußballwelt betreten. Das zeigt sich schon daran, dass er und seine Mitspieler beim Auswärtsspiel in Flensburg sogar einen Tag vor der Begegnung anreisten und in der schleswig-holsteinischen Metropole übernachteten.

Die Aufgaben des 14-Jährigen in Oldenburgsind klar umrissen: Als Stürmer soll er Tore schießen, aber auch Vorlagen liefern und fleißig nach hinten mitarbeiten. Klingt erst einmal ganz einfach, aber in der komplett neuen Umgebung „habe ich schon ein bisschen Zeit gebraucht, um mich an alles zu gewöhnen“, gibt Simon zu. Die Unterschiede zwischen Kreis- und Regionalliga sind groß: „Das Spiel ist viel schneller. Du hast nicht mehr so viel Zeit, wenn du den Ball hast.“ Auch die Gegenspieler sind taktisch und körperlich stärker – da braucht die Anpassung Zeit. Anfangs saß Simon häufiger auf der Bank, mittlerweile hat er seinen Platz im Team gefunden. Zweimal hat er in der Hinrunde getroffen. In der Rückserie darf es gern noch das eine oder andere Tor mehr werden, wenn es nach ihm geht. „Tore zu schießen ist einfach das beste Gefühl“, sagt der beidfüßige Vollblutstürmer und grinst.

Mit seiner Treffsicherheit und seiner Stärke am Ball hat sich Simon überhaupt erst ins Rampenlicht gespielt. Beim Rehdener Hallenmasters im Januar vergangenen Jahres etwa ärgerte er mit dem Sulinger Stützpunktteam etliche Nachwuchsteams von Profi-Klubs. Gemeinsam mit Leonit Basha, der mittlerweile ins Leistungszentrum von Hannover 96 gewechselt ist, zeigte Hake-Söhle, dass er auch mit den Großen seines Jahrgangs mithalten kann. Gegner war damals unter anderem der JFV Nordwest, dessen Coaches mehr vom Heiligenroder Talent sehen wollten. Im Probetraining überzeugte Simon und stimmte dem Wechsel zu. Eine komplizierte Oberschenkelverletzung im Frühjahr warf ihn zurück, doch davon ließ er sich nicht mehr stoppen. Er fühlte sich bereit für den Schritt vom TSV zum JFV. Auch dank des Sieges über Gessel-Leerßen war der Abschied ein voller Erfolg – umso mehr noch, da es nicht der einzige Pokal war, den das Talent in die Höhe stemmen durfte: Auch mit der U8-Mannschaft, die er als Co-Trainer eine Saison lang betreute, feierte er den Sieg im Endspiel. „Das war wirklich schön. So habe ich es mir im Vorfeld gewünscht“, erzählt Simon, dessen Bindung zum TSV noch immer sehr stark ist: In der kurzen Winterpause beim JFV stand er deshalb fast jeden Tag in Heiligenrode auf dem Sportplatz, um mit seinen ehemaligen Teamkollegen zu kicken. Auch seine ehemaligen Schützlinge der U8 besucht er regelmäßig. „Dann muss ich immer erzählen, wie es gerade in Oldenburg läuft“, sagt Simon, der sich über die Zuneigung, die ihm alle TSVer entgegenbringen, sehr freut.

Sportlich konzentriert sich der 14-Jährige aber einzig und allein auf Oldenburg. Zwar belegt er mit dem JFV momentan einen Abstiegsplatz, doch noch hat Simon nicht aufgegeben. „Es sind nur zwei Punkte bis zum Nichtabstiegsplatz. Das können wir auf jeden Fall schaffen, denn wir haben ein gutes Team, das zusammenhält“, sagt er kämpferisch. Beitragen dazu will er mit guten Leistungen, Toren und Vorlagen. Schließlich geht es für ihn auch darum, sich für einen Platz in der U17-Mannschaft des JFV zu empfehlen. „Diesen Sprung will ich unbedingt schaffen“, bekräftigt er. Als Spieler des jüngeren Jahrgangs wird das in der kommenden Saison nicht leicht werden. „Aber warum sollte es nicht klappen, wenn ich eine gute Rückrunde spiele?“, fragt Simon selbstbewusst. Er hat ein klares Ziel vor Augen: In der kommenden Saison will er in der B-Junioren-Regionalliga und in der darauffolgenden Spielzeit in der B-Junioren-Bundesliga spielen. Dann hätte er bei seinen Besuchen auf der TSV-Anlage wieder jede Menge zu erzählen.


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Leserkommentare
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
peteris am 21.10.2019 17:36
Der Erdteil Afrika ist so groß, da passt Europa zig mal rein.

Es fallen dort nicht überall den Menschen Bomben auf den Kopf. ...