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Der freie Fall in die 2. Kreisklasse droht

Jannis Klimburg 09.10.2019 0 Kommentare

Die TSG Osterholz-Gödestorf (am Ball Adrian Pielmeier) hat richtungsweisende Begegnungen vor der Brust.
Die TSG Osterholz-Gödestorf (am Ball Adrian Pielmeier) hat richtungsweisende Begegnungen vor der Brust. (Michael Braunschädel)

Ristedt/Gödestorf. So schnell kann es im Fußball gehen. In der vergangenen Saison 2018/19 spielten der TSV Ristedt und die TSG Osterholz-Gödestorf noch gemeinsam in der Kreisliga Diepholz. Das Ende ist bekannt: Beide Mannschaften stiegen sang- und klanglos ab, stehen sich nun Anfang Dezember in der 1. Kreisklasse gegenüber. Eigentlich dürfte man bei zwei Absteigern von einem Top-Duell ausgehen, doch weit gefehlt. Der TSV Ristedt rangiert mit nur zwei mickrigen Punkten und 11:41 Toren auf dem vorletzten Platz. Noch schlechter ist die TSG Osterholz-Gödestorf in die Saison gestartet. Die Blau-Weißen verbuchten noch keinen einzigen Zähler, kassierten bereits 50 Gegentore und markierten nur drei Treffer. Doch die Leidensgeschichte der beiden Klubs unterscheidet sich dann doch etwas.

TSV Ristedt: Ein Radikalumbruch blieb nach dem Abstieg aus. Zwar angelte sich der Verein einige junge Talente, doch der Kader aus der Kreisliga-Saison hielt dem TSV Ristedt weitestgehend die Treue. Für den neuen Übungsleiter Sven-Eric Heise, der in der vergangenen Spielzeit noch als spielender Co-Trainer fungierte, bestand die größte Aufgabe darin, die jungen Spieler in den Kader zu integrieren und an den Seniorenbereich heranzuführen. „Wir wollten einen Schnitt machen und mit den Talenten einen neuen Weg einschlagen“, betont Heise. Es muss festgehalten werden: Bislang ging das Konzept nicht auf. Denn mit zwei Zählern liegt der TSV Ristedt exorbitant weit von seinen eigenen Ansprüchen entfernt. „Du darfst mit dem Kader nicht so weit unten stehen. Unser Ziel war es nach dem Abstieg, am Ende einen der ersten fünf Plätze zu belegen“, seufzt der Dirigent. Seiner Meinung nach lege es aber nicht an der Mentalität seiner Spieler, denn die Trainingsbeteiligung und das Engagement bei den Einheiten stimme. „Vom Fleiß und vom Einsatz her kann ich den Jungs absolut nichts vorwerfen. Es sind immer 14 bis 16 Spieler beim Training, die richtig Gas geben.“

Vielmehr sei es eine Kopfsache, meint Ristedts Coach. „Wir haben alle noch eine Blockade im Kopf, die sich nach dem Abstieg festgesetzt und bislang noch nicht gelöst hat. Als Trainer geben wir eine Marschroute vor, doch nach zehn Minuten wird unser Plan dann immer über den Haufen geworfen, weil wir uns viel zu viele einfache Fehler leisten.“ Hinzu kommen einige unglückliche und vermeidbare Niederlagen. So zum Beispiel die 1:2-Pleite gegen den direkten Abstiegskonkurrenten SC AS Hachetal. „Wir hatten viel mehr Schüsse als der Gegner, mehrmals das Aluminium getroffen. Dann ist das Spielglück auch nicht auf unserer Seite“, ärgert sich Heise. Doch seine Schützlinge nimmt er bei der Grundsuche für die miserable Punkteausbeute natürlich auch in die Pflicht. „Andere Teams wollen den Sieg meistens mehr. Nicht bei allen, aber bei einigen Spielern fehlt mir die richtige Mentalität, wenn wir im Rückstand sind. Dann gehen mir die Köpfe zu schnell nach unten“, moniert der Trainer, der sich selbst natürlich auch hinterfragt, gleichzeitig aber auch den Rückhalt vom Vorstand spürt. „Wir sprechen viel, sie vertrauen mir voll und ganz“, bekräftigt er. Eines ist sicher: Wenn der TSV Ristedt nicht erneut absteigen will, muss dringend ein Erfolgserlebnis her. Um die Blockade im Kopf zu lösen. Und den ersten Sieg der Saison einzufahren.

TSG Osterholz-Gödestorf: Im Gegensatz zum TSV Ristedt musste die TSG Osterholz-Gödestorf den Abgang zahlreicher Leistungsträger verkraften. Aus der Kreisliga-Saison blieben von den 25 Akteuren nur noch sieben erhalten. Unter anderem wechselten Frank Weseloh und Malte Garlich zum ambitionierten Bezirksligisten SV Heiligenfelde. „Leider haben uns einige Spieler plötzlich hängen gelassen, obwohl sie uns vorher eine Zusage erteilt hatten“, so Axel Waldeck, der zusammen mit Denis Kastendiek das Kommando bei der TSG im Sommer übernommen hat. So stand das Gespann in der Vorbereitung vor einer Herkulesaufgabe, in nur wenigen Wochen eine konkurrenzfähige Truppe auf die Beine zu stellen. Die Lösung: Fünf Jungspunde aus Heiligenfeldes A-Junioren wagten den Schritt in die 1. Kreisklasse. Hinzu kamen etliche Kicker aus der zweiten Herren, die in der zurückliegenden Spielzeit in der 3. Kreisklasse vor die Pille traten. Insgesamt 39 Spieler für die erste und zweite Herren standen Osterholz-Gödestorf somit zur Verfügung. „Unsere Idee war es, die beiden Teams zusammen trainieren zu lassen. So haben wir im Schnitt zumindest immer 20 Spieler beim Training“, meint Waldeck. Seine Meinung nach gründet die schlechte Position in der Tabelle auch nicht auf der Einstellung seiner Schützlinge. „Sie sind super motiviert beim Training, geben alles für den Verein. Selbst bei einem erneuten Abstieg würde der Stamm diesmal so zusammenbleiben“, ist sich der Coach sicher. In die gleiche Kerbe schlägt Kastendiek: „Auch bei einem Abstieg bricht die Truppe auf keinen Fall auseinander. Es wäre also kein Weltuntergang für uns.“

Dennoch versuchen die Blau-Weißen natürlich alles, um den Klassenerhalt zu sichern. Auch wenn der Rückstand auf das rettende Ufer bereits 13 Punkte beträgt. „Wir sind optimistisch, dass wir das Blatt noch wenden können. Dafür setzen wir uns sehr kleine Ziele“, sagt Waldeck. Die entscheidenden Spiele kommen erst noch für die TSG. So trifft sie vor der Winterpause noch auf den TSV Ristedt, AS United, SC AS Hachetal und TSV Süstedt. „Gegen die direkten Konkurrenten müssen wir gewinnen. Dann werden wir auch sehen, wohin die Reise geht“, versichert Waldeck. Und in der Winterpause soll dann noch einmal personell nachgelegt werden. „Wir benötigen auf alle Fälle noch einen schnellen Stürmer sowie einen Verteidiger“, sagt Waldeck. Mit zwei potenziellen Neuzugängen ist die TSG Osterholz-Gödestorf bereits in Gesprächen. Vielleicht kann sich die Mannschaft zur Rückrunde mit den neuen Akteuren und den vielen Langzeitverletzten, die dann zurückkehren, auch entsprechend einspielen. „Bislang konnten wir noch kein Spielsystem entwickeln, weil wir die Formation immer ändern mussten“, seufzt Waldeck. Doch erst einmal müssen die Begegnungen gegen die direkten Konkurrenten gespielt werden. Und im Idealfall auch alle gewonnen werden, damit die anderen Teams nicht davonziehen. 


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Leserkommentare
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
HB-Maennchen am 23.10.2019 09:23
Da möchte man als schlichter Leser des Weser-Kuriers der jetzt wieder doch etwas deutlicher wahrnehmbaren schreibenden Stimme der Chefredakteurin ...