Die Behramis haben Fußball im Blut

Im Leben der Syker Familie Behrami spielt das runde Leder eine große Rolle.Vater Astrit Behrami lief unter anderem für den SC Weyhe in der Oberliga auf.

Foto: Vasil Dinev

Die Behramis sind eine fußballverrückte Familie. Das gilt nicht nur für Vater Astrit und seine Frau Sevdije, sondern auch für die drei Söhne Leon (ganz links), Endrit (auf dem Schoß seines Vaters) und Ermal.

Syke. Die Behramis und der Fußballsport – für die in Syke lebende Familie ist das mehr als eine reine Freizeitbeschäftigung. Während Vater Astrit Behrami, der unter anderem für den ehemaligen Landesligisten Barnstorfer SV und den einstigen Oberligisten SC Weyhe auflief, immer noch in der Alten Herren des TuS Syke sowie als Gastspieler in der Ü40 des TSV Ippener aktiv ist, treten seine drei Söhne Leon, Ermal und Endrit langsam in dessen Fußstapfen. Und auch Mutter Sevdije teilt die Leidenschaft ihrer fußballbegeisterten Männer, begleitet sie häufig auf die Sportplätze der Region.

„Sie hält uns den Rücken in vielerlei Hinsicht frei, ist bei unseren Spielen dabei und kümmert sich um die Wäsche aus gleich vier Sporttaschen. Nach Möglichkeit fahren wir auch zu jedem Spiel mit, teilen uns auf, wenn unsere Söhne zeitgleich spielen. So sind wir an den Wochenenden in ganz verschiedenen Regionen auf den Sportplätzen in Niedersachsen und Bremen anzutreffen“, schildert Astrit Behrami. Die Wege, die die Eltern zurücklegen müssen, sind nicht ohne, denn alle drei Söhne gelten als talentierte Kicker. Leon, der im Januar seinen 15. Geburtstag feierte, spielt beim C-Junioren-Landesligisten TuS Sudweyhe. Vor allem im Kreisderby gegen die JSG Sulingen wusste der offensive Mittelfeldspieler zu gefallen, steuerte beim 2:0-Erfolg seines Teams beide Treffer bei.

Ganz viel Talent

Bis zum Sommer vergangenen Jahres war er für den TuS Syke aktiv, agierte zudem regelmäßig in Talentteams des SV Werder Bremen, nachdem er vor gut zweieinhalb Jahren zu einem Talenttag eingeladen worden war. Ins Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten wurde er nicht aufgenommen, stattdessen nahmen ihn die Sudweyher mit ihrem Trainer Christian Mach unter ihre Fittiche. Leons jüngerer Bruder Ermal, der Anfang Februar 13 Jahre alt wurde, hat derweil den Sprung ins Nachwuchsleistungszentrum von Werder vor gut zweieinhalb Jahren geschafft, spielt dort aktuell in der U13. „Aufgrund der Erfahrungen mit Leon haben wir Ermal selbst beim Talentteam des SV Werder angemeldet. Nach ungefähr fünf bis sechs Monaten kam Werder auf uns zu. Die Verantwortlichen teilten uns mit, dass sie sich vorstellen können, dass Ermal dort spielt. So kam er damals in die U10“, verrät Vater Astrit.

Ermal sei zunächst auf offensiven Positionen zuhause gewesen, mittlerweile agiere er jedoch überwiegend defensiver als Innen- oder Außenverteidiger oder auch als Sechser. „Die Spielübersicht und Ballführung ist sowohl bei Leon als auch Ermal sehr gut. Leon könnte sein Spiel ohne Ball noch verbessern. Ermal befindet sich im Nachwuchsleistungszentrum des SV Werder logischerweise in guten Händen. Während Leon dreimal in der Woche trainiert und zudem ein Spiel bestreiten muss, muss Ermal bei Werder gar viermal zu Übungseinheiten erscheinen. Dazu kommen ebenfalls noch ein Spiel und diverse weitere Leistungsvergleiche mit anderen Nachwuchsleistungszentren hinzu. Respekt, wie sie den Spagat zwischen Schule und Fußball meistern. Das alles ist sehr zeitintensiv. Sie müssen viel investieren“, weiß der im Kosovo aufgewachsene Astrit.

Auch Endrit, der im Januar seinen siebten Geburtstag feierte, hat den Spaß am Fußball entdeckt. Beim TuS Syke agiert er zurzeit in der F-Jugend. „Talent ist auch bei ihm vorhanden“, sagt der stolze Vater. Momentan hat die Corona-Pandemie die Aktivitäten der vier Fußballer ausgebremst. „Der Fußball, die persönlichen Kontakte zu den Mitspielern und sich einfach mal mit diesen zu treffen, fehlt meinen Jungs natürlich. Zumindest konnten wir in letzter Zeit einige Geburtstage feiern, sodass es nicht ganz so langweilig wurde. Denn auch meine Frau feierte Anfang Januar ihren Geburtstag. Wir haben bestimmt ein bis zwei Kilo zugenommen“, lacht der 46-jährige, der sich bis zu seinem Geburtstag noch bis Ende März gedulden muss. 

Von Pristina nach Syke

Es war im November 1994, als es Astrit Behrami aus der kosovarischen Hauptstadt Pristina nach Deutschland verschlug. „In Kroatien, Slowenien und Bosnien tobte bereits der Krieg. Es war abzusehen, dass sich dieser irgendwann auch auf den Kosovo ausbreiten würde. Der Schritt, nach Deutschland zu gehen, war unausweichlich“ nennt er seinen Beweggrund, seinem Heimatland den Rücken zu kehren. Erste Adresse in Deutschland war für ihn Syke, da dort bereits ein Onkel und Cousins von ihm lebten. Einer seiner Cousins ist Flamur Aradini, aktuell Erste-Herren-Trainer des TuS. „Anfangs war es schwierig für mich als junger Mann in einem fremden Land. Ich konnte die Sprache nicht“, verrät Behrami. Es war der Fußball, der ihm half, sich in neuer Umgebung schnell zu integrieren. „Der Fußball hat mir sehr geholfen und mir viel gegeben. Ich fühlte mich durch den Sport schnell heimisch und habe viele Leute kennengelernt.“

Durch die Teilnahme an einem Fußball-Turnier für Firmenmannschaften knüpfte Behrami Kontakt zum Chef einer Gebäudereinigungsfirma, bei der er noch immer beschäftigt ist. Seine ersten fußballerischen Schritte auf Vereinsebene unternahm er Ende 1995 mit seinem Syker Kumpel Dzemi Meissner in der Reserveelf des TSV Bassum, die damals von Frank Fischer trainiert wurde. Schnell lotste ihn Hubert Schulten, der als Co-Trainer an der Seite von Andreas Schmidt agierte, zum SV Heiligenfelde. Dort bestritt der begnadete Techniker im Sommer 1996 sein erstes Punktspiel. „Beim SVH kenne ich noch immer viele Leute, die ich mag und mit denen ich befreundet bin. Besonders die großen Weihnachtsfeiern mit 300 bis 400 Menschen aus allen Sparten sind mir in Erinnerung geblieben. Die waren einmalig und legendär“, schwärmt Behrami. 1998 zog es ihn zum Landesligisten Barnstorfer SV unter Coach Stefan Müller. „Barnstorf war damals die Top-Adresse im Kreis Diepholz, war ständig in der Landesliga vertreten. Da gab es tolle Duelle wie zum Beispiel gegen den ASC Nienburg, zu denen schon mal 800 bis 1000 Zuschauer kamen, oder auch die Kreisduelle gegen Twistringen und Rehden“, erinnert sich Behrami.

Eine Torvorlage gegen Werder

Ein sportlich anderes Kaliber war die Zeit beim SC Weyhe, mit dem der offensive Mittelfeldakteur die Saison 2003/04 in der damaligen Oberliga Niedersachsen/Bremen bestritt, aus dieser jedoch abstieg. Hier trafen die Weyher unter anderem auf den VfB Oldenburg, den SV Wilhelmshaven oder auch auf die Zweitvertretung des VfL Wolfsburg mit der Vereinslegende Roy Präger. Als Sieger des Presse-Cup-Wettbewerbs der Bremer Tageszeitungen AG gewannen die Weyher ein Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten SV Werder Bremen. "Werder hatte gerade das Double geholt, kam mit allen Stars wie Ailton oder Johan Micoud auf die Zentralsportanlage. Vor mehreren tausend Zuschauern verloren wir zwar mit 1:7, ich gab jedoch die Vorlage zum Ehrentreffer, den Thorsten Greb erzielt hat, schildert Behrami einen seiner schönsten Fußball-Momente.

Im Jahr 2004 gesellte sich auch noch privates Glück hinzu. Behrami lernte seine Ehefrau Sevdije kennen, die er 2012 heiratete. Die nächste fußballerische Station war der TuS Syke. Danach verschlug es Behrami, der 2005 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, noch zum FC Sulingen, zum TSV Ippener und zur TSG Osterholz-Gödestorf. Die drei Söhne Leon, Ermal und Endrit, denen das fußballerische Talent offensichtlich in die Wiege gelegt wurde, kamen zur Welt und sind mittlerweile drauf und dran, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten.

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