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TuS Syke
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Eine Historie mit Höhen und Tiefen

Nastassja Nadolska 14.05.2019 0 Kommentare

Wasserball gehört zu den Sportarten, die nicht von vielen Vereinen angeboten werden. Beim TuS ist die Sparte ein Aushängeschild.
Wasserball gehört zu den Sportarten, die nicht von vielen Vereinen angeboten werden. Beim TuS ist die Sparte ein Aushängeschild. (Jonas Kako)

Syke. Erst waren es nur Turner und Fußballer. Einige Jahre später kamen Schützen, Faustballer und Korbballerinnen dazu. Im weiteren Verlauf baute der Turn- und Sportverein Syke sein Repertoire aus und zählt nach genau 100 Jahren aktuell 22 Sparten. Mit der Mitgliederversammlung an diesem Mittwoch, 15. Mai – dem Gründungstag des TuS –, soll das 100-jährige Bestehen gefeiert werden. „Für uns alle ist es natürlich etwas ganz Besonderes“, weiß die Vorsitzende des TuS, Sigrun Steinmetz, die auf eine Vereinsgeschichte mit vielen Höhen und Tiefen zurückblickt.

Bevor es zur Gründung des TuS am 15. Mai 1919 kam, organisierten sich die ersten Sportler 1862 im SV Syke. 1889 wurde der Turnverein Gut Heil Syke gegründet. Beide Vereine hatten insgesamt 134 Mitglieder. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges lösten sie sich aber wieder auf. Nach dem Krieg versammelten sich im Winter 1918/19 die Syker Turner und gründeten vor genau 100 Jahren den Turn- und Sportverein Syke. „Parallel dazu fanden sich Fußballer zusammen und gründeten im April den Fußballclub Eintracht. Beide standen in enger Verbindung zueinander, sodass sie kurzerhand zusammengelegt wurden“, weiß Sigrun Steinmetz aus Erzählungen von Zeitzeugen und Büchern.

Über die Jahre wuchs der Verein kontinuierlich an. Zahlreiche Sportarten kamen in den 1920er-Jahren dazu, etwa Schießen, Korbball, Faustball, Schlagball sowie Frauen- und Mädchenturnen. Zwischen 1929 und 1945, in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs, kam das Vereinsleben komplett zum Erliegen. „Sportvereine mussten damals den Organisationsstrukturen der Nazis weichen“, berichtet die TuS-Vorsitzende.

Die Stadt Syke hatte damals Glück, dass aus baulicher Sicht so gut wie nichts zerstört worden war. „Allerdings haben viele Sportler ihr Leben gelassen oder kehrten nach dem Krieg schwer verwundet zurück. Zu diesem Zeitpunkt herrschte ein Mangel in allen Bereichen“, erläutert Sigrun Steinmetz. Mit viel Geduld, Arbeit und vor allem Hilfe von anderen Vereinen und Organisationen wurde der TuS Syke nach und nach wieder aufgebaut. Vor allem die 1960er-Jahre brachten wichtige Impulse für die Vereinsentwicklung. „Zahlreiche Sportstätten, Lehrschwimmbecken und Turnhallen wurden fertiggestellt. Dadurch kamen neue Sparten dazu, die noch mehr Mitglieder anlockten. Bei unserem 50-jährigen Bestehen 1969 hatten wir 1400 Mitglieder“, erzählt Sigrun Steinmetz. Zwischen 1970 und 1990 gab es einen weiteren Zuwachs. „Die Einwohnerzahl in Syke stieg in dieser Zeit bis auf 19 400 an. Ganze Familien traten als neue Mitglieder ein, sodass der TuS zwischenzeitlich 2000 Aktive zählte.“ Weitere Sportarten wie Badminton, Leichtathletik, Wasserball, Boxen und Denksport bereicherten den TuS genauso wie zwei Orchester.

Mitte der 1990er-Jahre folgte die wohl schwierigste Zeit des TuS. Neben sinkenden Mitgliederzahlen hatte der Verein mit Schulden zu kämpfen. „220 000 D-Mark belasteten den Haushalt, und aus dem laufenden Spielbetrieb wurde jährlich ein Minus von 15 000 D-Mark erwirtschaftet“, berichtet Sigrun Steinmetz. Von außen betrachtet ein schwieriges Erbe, das der ehemalige Vorsitzende Peter Schnabel 1999 antrat. „Für mich persönlich waren die Dinge recht schnell zu ordnen. Außerdem hatte ich einen engagierten Vorstand um mich herum“, berichtet Schnabel, der 18 Jahre später trotz des schwierigen Starts und der Baumaßnahmen am Vereinsheim dem Vorstand einen weitestgehend schuldenfreien Haushalt übergeben konnte.

Aus seiner Sicht gibt es eine Sache, mit der sich der TuS Syke von allen anderen Vereinen in der Umgebung besonders abhebt: „Die große Angebotsvielfalt. Sie bietet den Menschen viel Lebensqualität.“ Das weiß auch Sigrun Steinmetz: „Natürlich ist es etwas Besonderes, allerdings gibt es auch Sportarten, die wir bisher noch nicht anbieten.“ Das Spezielle aus ihrer Sicht ist die Struktur der Stadt. „Zwar haben wir keinen zentralen Punkt, an dem sich alle treffen können. Dafür können wir den Mitgliedern eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten, um ihre Sportarten auszuüben“, betont die Vorsitzende, die diesen Aspekt als Grund für das langjährige Bestehen des Vereins nennt.

Trotz vieler positiver Entwicklungen warten auf den TuS noch einige Baustellen: „Die Arbeiten am Vereinsheim werden uns auch in Zukunft beschäftigen. Kontinuierlich wollen wir in den Erhalt des Gebäudes investieren. Als nächster Schritt sollen die Duschen saniert werden“, berichtet Steinmetz. Auch die Zukunft der Turnhalle Am Riederdamm sei noch nicht geklärt. „Die Stadt ist nicht verpflichtet, diese Halle für den Schulbetrieb einzuplanen. Nun müssen wir uns überlegen, in welcher Form die Halle weiter gehalten oder an andere Vereine abgegeben werden kann“, schildert die TuS-Vorsitzende.

Doch erst einmal wird sie sich den Feierlichkeiten an diesem Mittwoch und am kommenden Sonntag ab 11 Uhr im Syker Theater widmen. „350 ehemalige und aktive Mitglieder werden gemeinsam mit uns feiern und können sich auf ein buntes und tolles Rahmenprogramm freuen.“

Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen sollen bis in den späten Herbst hinein andauern.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
Wollen Sie im Ernst behaupten, dass Menschen, die sich für Kultur interessieren, keine normalen Leute sind ?