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Familie Fußball

Thorin Mentrup 24.05.2019 0 Kommentare

Fußball ist bei ihnen Familiensache: (v. l.) Kelvin-Eric, Sven-Eric, Kennet-Eric und Bea Heise.
Fußball ist bei ihnen Familiensache: (v. l.) Kelvin-Eric, Sven-Eric, Kennet-Eric und Bea Heise. (Thorin Mentrup)

Dreye. Schon oft hat sie sich vorgestellt, wie das wohl wäre: einmal in der Saison in den Urlaub fahren. Doch Bea Heise hat sich längst daran gewöhnt, dass das nicht geht. Fußball geht bei den Heises vor. Wochenende für Wochenende stehen gleich drei Familienmitglieder auf dem Platz – und Bea fiebert mit: Die Söhne Kelvin-Eric und Kennet-Eric haben mit 23 und 18 Jahren noch viele Jahre vor sich. Dass das für Vater Sven-Eric angesichts des Alters seiner Sprösslinge nicht mehr unbedingt gilt, liegt auf der Hand. 52 Jahre ist das Familienoberhaupt alt – oder besser gesagt: jung. Denn beim TSV Ristedt in der Kreisliga zählt es noch immer zum Stammpersonal. Von Fußball-Opa keine Spur.

So unglaublich, wie die Geschichte klingt, ist sie für Sven-Eric übrigens nicht. Er ist als Fußballer in der Region bekannt – und zwar seit Jahrzehnten. Das ist nicht übertrieben, denn er ist seinem Sport seit 48 Jahren treu. Bis in die Verbandsliga hat er es geschafft. „Das hat mir nie jemand zugetraut. Alle haben gesagt, dass die Bezirksliga das Maximum ist“, hat er viele seiner Wegbegleiter Lügen gestraft. Die meisten dieser Wegbegleiter haben ihre Fußballschuhe mittlerweile an den Nagel gehängt oder sind in Ü40- und Ü50-Mannschaften aktiv. Davon ist Sven-Eric Heise ein ganzes Stück weit entfernt. Den perfekten Moment, um die Laufbahn zu beenden, „habe ich einfach nicht gehabt“, verrät er. Dieser Moment würde auch nicht zu ihm passen. Sven-Eric Heise ist die Art Mensch, die sich ihren eigenen Weg sucht – und diesen dann voller Ehrgeiz verfolgt. „Was die anderen denken, wenn sie auf dem Spielberichtsbogen sehen, dass einer aus dem Jahrgang 1966 mitspielt, ist für mich nicht wichtig. Viele reiben sich die Augen, aber Fußball ist keine Frage des Alters, sondern der Qualität“, weiß er. 

Und Qualität hat Heise senior zur Genüge. Er weiß, was er sich zumuten kann. „Ich bin kein Verteidiger mehr, der einem 19-Jährigen hinterherlaufen kann, aber ich habe Erfahrung und einen großen Willen. Ich bin nicht schlechter als andere“, stellt er selbstbewusst fest. Das zeigt sich auch in den Trainingseinheiten. „Papa ist fit wie viele andere nicht“, sagt Kelvin-Eric. Seinem Vater macht so schnell niemand etwas vor. Beim Brinkumer SV nicht, bei dem er bis 2003 spielte, und genauso wenig beim TSV Melchiorshausen, für den er bis 2012 aktiv war, beim SV Dreye, den er später als Spielertrainer übernahm, und auch nicht bei seinem aktuellen Klub TSV Ristedt. „Das ist schon Wahnsinn“, lacht Kelvin-Eric. Genauso wie Bea, die unweit ihres Ehemannes in Brinkum aufwuchs, und sein Bruder Kennet-Eric war er ein steter Begleiter seines Vaters auf den Sportplätzen der Region. „Von Papa wissen wir alles über Fußball“, sagt Kennet-Eric. Mittlerweile stehen die drei Männer des Hauses gemeinsam auf dem Platz. „Das macht uns unglaublich stolz. Es ist ein tolles Gefühl, unser Hobby so teilen zu können“, bedeutet Kelvin-Eric die gemeinsame Zeit auf dem Rasen viel. Seinem Vater geht es nicht anders: „So etwas gibt es vielleicht in der 3. oder 4. Kreisklasse. Aber in der Kreisliga ist das außergewöhnlich.“

Mit Mitte 40 spielte Sven-Eric noch in der Bremen-Liga, der fünfthöchsten deutschen Spielklasse. Er ist ein Fußballer ohne Verfallsdatum. Doch was ist sein Geheimnis? „Die Gene spielen bestimmt eine Rolle“, mutmaßt er. „Aber der Rest ist Wille. Der schlägt jedes Talent.“ Was klingt wie ein Spruch eines Abreiß-Kalenders, ist für den 52-Jährigen eine Einstellung, die er wie kaum ein Zweiter verkörpert. Er ist eine Kämpfernatur. Zu dieser entwickelte er sich bereits als Nachwuchskicker beim Brinkumer SV in den 70er-Jahren, einer Zeit, in der es für viele Heranwachsende eigentlich nur Fußball gab.

Damals machte er sich mit Sicherheit keine Gedanken darüber, irgendwann mit seinen Söhnen auf dem Platz zu stehen. Doch vor ein paar Jahren war das ein realistisches Ziel. „Eigentlich wollte ich das in der Bremen-Liga mit meinem Erstgeborenen tun, aber dafür haben mir die ominösen drei, vier Jahre gefehlt“, sagt er. Doch das war kein Problem, denn Sven-Eric spielte und spielte, bis Kelvin-Eric im selben Team war und jetzt auch Kennet-Eric. Auch in Ristedt ist er der Nimmermüde, der Antreiber. Spielertrainer, spielender Co-Trainer, einfach nur Feldspieler – es gibt eigentlich nichts im Fußball, was Sven-Eric nicht gewesen ist.

Mit der Fußballverrücktheit hat er seine ganze Familie angesteckt. „Wir waren eigentlich immer dabei, wenn Papa irgendwo gespielt hat“, erzählt Kelvin-Eric. Er selbst stand kurz davor, eine professionelle Laufbahn einzuschlagen, spielte in der Jugend des SC Weyhe in der Regionalliga. „Ein halbes Profileben war das“, blickt er zurück. Auch in Sudweyhe und Habenhausen war er aktiv, ehe es ihn zum VFC Plauen in die Regionalliga Nordost zog. Dreye, Oberneuland und nun Ristedt waren weitere Stationen. „Ich habe endlich wieder Spaß am Fußball“, freut er sich. Das liegt auch daran, dass er seine Leidenschaft mit seiner Familie teilen kann.

Ähnlich fühlt auch Kennet-Eric. Im Vergleich zu seinem älteren Bruder ist seine Laufbahn beschaulich: In Dreye begann er mit dem Fußballspielen, dort gehört er noch zur A-Jugend, während er im Seniorenbereich in Ristedt Erfahrungen sammelt. Sein Vater war fast immer auch sein Trainer. „Er ist der Leidtragende. Er muss damit zurechtkommen, dass ich ihm direkt die Meinung sage vor und nach dem Spiel. Da gibt es auch mal eine Verbalpeitsche“, kann Heise senior nicht aus seiner Haut. Er ist und bleibt ein ehrgeiziger Fußballer, der die manchmal recht lockere Art der jungen Generation nur schwer nachvollziehen kann. Seinen Junior stört es allerdings überhaupt nicht, dass sein Vater nicht nur Förderer, sondern auch Kritiker ist. „Ich habe mich immer darüber gefreut, dass Papa mein Trainer ist. Wenn er mir sagt, dass ich etwas besser machen kann, dann versuche ich das umzusetzen. Wenn er mir etwas mit auf den Weg gibt, dann weiß ich, dass es richtig ist.“

Rat holen kann sich Kennet-Eric aber auch bei seiner Mutter. Denn Bea hat sich in all den Jahren zu einer Fußball-Expertin entwickelt. Ob in Brinkum, Ristedt, Melchiorshausen, Dreye, Bremen, Wolfsburg oder auch Berlin – Bea war dabei, wo auch immer ihre Jungs auf Torejagd gingen. „Das fordert dir eine Menge ab“, weiß sie besonders aus den Jahren, in denen ihre Söhne und ihr Mann für unterschiedliche Teams spielten. Da war es schwer, alle gemeinsam an einen Tisch zu bringen. „Eine Zeit lang hat jeder auch noch unterschiedliches Essen bekommen: der eine war im Aufbau, der andere in der Reha.“ Bea hat das alles gemeistert. Sie ist der Beweis dafür, dass die Frau die Familie zusammen- und den Laden am Laufen hält. „Wir haben ihr alles zu verdanken“, ist sich Sven-Eric sehr wohl bewusst. Nur deshalb kann der Selbstständige fünf bis sechs Mal pro Woche auf dem Platz stehen.

Für Bea haben sich die Zeiten geändert. Weil ihre drei Jungs nun gemeinsam in Ristedt spielen, wo ihr Ehemann ab dem Sommer Spielertrainer sein wird, muss sie nun weniger reisen und sich nicht mehr nach drei Spiel- und Trainingsplänen richten.

Sie hat in mehr als drei Jahrzehnten auf einiges verzichtet, jetzt aber ist sie „einfach nur stolz, die drei gemeinsam auf dem Platz zu sehen“. Dafür lässt sie den Urlaub in der Saison gern Urlaub sein. Bis diese Vorstellung Realität wird, wird sich Bea wohl noch gedulden müssen, denn Sven-Eric hat ein Ende seiner Endlos-Laufbahn noch nicht geplant. „Solange es geht, will ich weitermachen“, sagt er. Das überrascht Bea freilich nicht: „Ich habe gedacht, dass er kürzertreten wird, wenn seine Jungs im Herrenbereich sind. Jetzt habe ich Angst, dass er noch auf seine Enkel wartet.“ Selbst das scheint bei Familie Heise – oder besser: Familie Fußball – alles andere als undenkbar zu sein.


Sporttabellen & Ergebnisse
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Leserkommentare
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