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Interview
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Kenny Krause: „Ich liebe Dorfvereine“

Thorin Mentrup 10.07.2019 0 Kommentare

Der Ball ist sein Freund: Kenny Krause war beim Fußballcamp in Stuhr der Held der Kinder und hatte außerdem Zeit für einen Abstecher nach Seckenhausen.
Der Ball ist sein Freund: Kenny Krause war beim Fußballcamp in Stuhr der Held der Kinder und hatte außerdem Zeit für einen Abstecher nach Seckenhausen. (Fotos: Thorin Mentrup)
Herr Krause, die Gemeinde Stuhr ist Ihnen nicht unbekannt, seit Sie im Jahr 2017 mit der Sendung „Hans Sarpei – das T steht für Coach“ bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst zu Gast waren. Wie war Ihr Gefühl, als Sie mit dem Fußballcamp „Kick'n Body“ zurückgekehrt sind?

Kenny Krause: Ich habe mich ein bisschen heimisch gefühlt. Der Weg vom Hotel zur Sportanlage des TV Stuhr führte über Straßen, über die ich schon vor zwei Jahren gefahren bin. Ich muss sagen, ich habe sehr gute Erinnerungen an die Zeit in Seckenhausen. Das war eine der besten Truppen, die wir da hatten, weil auch beide Mannschaften aus dem Verein kamen. Das hatten wir ja vorher noch nie gehabt. Dieser Zusammenhalt war grandios, im Endeffekt war das ja auch eine Mannschaft. Die zwei Teams haben zwar gegeneinander gespielt, aber das war alles eins.

Was ist Ihnen vom Besuch in Seckenhausen noch in Erinnerung geblieben?

Die TSG ist wie eine große Familie. Da waren irre viele Leute auf dem Platz als Zuschauer, dazu noch die dritte und die zweite Mannschaft und die ganzen Familien. Man hat uns hier unter die Fittiche genommen. Wir haben uns einfach wohlgefühlt. Bei anderen Vereinen wird man manchmal mehr geduldet. Hier war das anders, es war ein sehr angenehmes Arbeiten. Deshalb ist der Kontakt nie abgebrochen. Mit Philipp Balters verstehe ich mich zum Beispiel sehr gut. Wir schreiben uns öfter. Ich wäre letztens sehr gern zum Pokalfinale der Ü32 und der Ü40 gefahren. Da ist mir aber ein anderer Medientermin dazwischen gekommen. Das ist manchmal so, wenn man Freiberufler ist. Das Finale hätte ich trotzdem gern gesehen. Ich habe mich natürlich sofort informiert, wie die Spiele gelaufen sind. Zum Glück haben beide Mannschaften den Pokal gewonnen.

Blieb dieses Mal die Zeit für ein Wiedersehen?

Am letzten Donnerstag war das schon ein Highlight. Da hatte Hauke (Janssen, damals Trainer und mittlerweile Fußballspartenleiter der TSG, Anm. d. Red.) Geburtstag und er hat mich eingeladen. Dann saßen wir da mit 25 Leuten und vielen Spielern, die ich von damals noch kannte. Da haben wir natürlich über die Zeit noch mal gesprochen, wie Peter Neururer und ich zum Beispiel Eike (Eike Claas Müller, d. Red.) ausgewechselt haben. Der hatte mit Ali (Hussein, d. Red.) die Position getauscht. Da sagt der Peter zu mir: „Was ist da los, Kenny? Was macht der Lange auf einmal hinten?“ Damals hieß es, Eike kann nicht mehr, und die beiden haben die Position getauscht, damit er sich hinten ausruhen kann. Jetzt weiß ich: Die wollten taktisch etwas umstellen. Aber das ist natürlich Sache der Trainer. Der Neururer sagt dir einmal, was die taktische Marschroute ist, und wenn du das nicht machst: Auf Wiedersehen, mein Freund. Hauke hat mir dann erstmal erklärt, dass es wahrscheinlich das erste Mal in den letzten zehn Jahren war, dass Eike nicht durchgespielt hat. Mir tat das dann leid.

Abstecher nach Seckenhausen: Beim Geburtstag von Hauke Janssen (2. v. r.) kamen Erinnerungen an die Dreharbeiten für das Format "Hans Sarpei – das T steht für Coach hoch".
Abstecher nach Seckenhausen: Beim Geburtstag von Hauke Janssen (2. v. r.) kamen Erinnerungen an die Dreharbeiten für das Format "Hans Sarpei – das T steht für Coach hoch". (Thorin Mentrup)
Haben Sie zu anderen Vereinen eine genau so enge Bindung aufgebaut?

Hier ist es schon etwas Spezielles, aber es gibt auch noch andere Highlights, zum Beispiel die Mannschaft in Südtirol. Die hat mich schon eingeladen, dort Urlaub zu machen. Die würden sich riesig freuen, wenn ich da noch einmal hinkomme. Das ist aber 1200 Kilometer weg. Die schicken mir auch noch regelmäßig Bilder von der Mannschaftsfahrt. Als die eine Saisonvorbereitung in Thailand gemacht haben, habe ich nachts um drei Uhr WhatsApp-Anrufe von denen bekommen. Beim SV Buchholz 05 im Westerwald bin ich sogar Ehrentrainer. Die habe ich nach unserer Sendung noch zweimal trainiert. Die haben mich als Trainer für ein Aufstiegsspiel geholt. Wir haben auch gewonnen, aber sind trotzdem nicht aufgestiegen, weil ein Gegner einen Spieler eingesetzt hat, der nicht spielberechtigt war. So hat die Mannschaft, die wir eigentlich überholt hatten, kampflos den Sieg bekommen. Deshalb kann ich leider nicht behaupten, dass ich ein Aufstiegstrainer bin.

Woran liegt es, dass Sie so gut ankommen?

Mich haben die Spieler und Mannschaften immer als einen von ihnen akzeptiert. Die sagen: Der Kenny kann auch nicht so gut Fußball spielen, der läuft noch weniger als wir. Aber der ist cool. Ich bin einer, der auch mal Gnade vor Recht ergehen lässt im Training. Ich vereinfache dann auch mal die Übung. Das danken die Jungs einem auch. Ich versuche einfach, ihnen das Gefühl zu geben, dass wir vom ersten Tag an mit ihnen arbeiten wollen und wir darauf Bock haben. Wenn die merken, dass du mitziehst und Gas gibst, nehmen die dir das ab. Ich trainiere dann ja auch mit, wenn ein Spieler fehlt. Ich quäle mich für die Jungs, obwohl das für mich auch anstrengend ist. Wenn ich alles für sie gebe, dann tun sie das auch für mich.

Der Spaß darf in den Einheiten von Kenny Krause nicht zu kurz kommen – genauso wenig wie Teamfähigkeit. Beides vermittelte er den jungen Kickern in Stuhr.
Der Spaß darf in den Einheiten von Kenny Krause nicht zu kurz kommen – genauso wenig wie Teamfähigkeit. Beides vermittelte er den jungen Kickern in Stuhr. (Thorin Mentrup)
Das Einer-von-uns-Gefühl ist in Seckenhausen sehr gut angekommen, und auch beim TV Stuhr wurden Sie gefeiert. Woher kommt dieser Kenny-Hype?

Wenn ich das beschreiben könnte. Das ist eine Eigendynamik. Ich bin so, wie ich bin. Kinder merken schnell, ob man eine Rolle spielt. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ich werde auch mal laut, aber ich nehme mir Zeit für sie. Die Kinder merken, dass ich Spaß mit ihnen habe und ihnen etwas durchgehen lasse. Ihnen gefällt es, wenn man auch mal mitmacht. Ich erlaube ihnen, Fehler zu machen, mache aber auch selbst welche.

Wie ist das denn, wenn man so gefeiert wird?

Das macht einen natürlich stolz. Es ist ja auch nicht mein erstes Kinder-Camp. Ich will nicht übertreiben, aber es läuft eigentlich immer so gut. Es ist einfach meine Art. Ich mache nichts dafür, ich bin einfach ich. Ich würde mit einer Erwachsenenmannschaft genauso umgehen. Ich bin zu jedem respektvoll – auch wenn er eine Arschgeige ist.

Was gefällt Ihnen denn besser: die Arbeit im Herren- oder die im Jugendbereich?

Beides hat Vor- und Nachteile: Im Herrenbereich kannst du dich als Trainer auszeichnen, da kann man mal glänzen, wenn man Übungen auf Bundesliga-Niveau anbietet. Aber noch mehr Spaß macht es mit den Kindern, weil das Feedback besser ist. Ihnen kann man noch so viel beibringen, sie freuen sich über Erfolgserlebnisse. Die versuche ich ihnen zu geben. Wir versuchen ihnen aber noch mehr beizubringen, Teamfähigkeit zum Beispiel. Eine Mannschaft ist nur so gut wie der Schwächste. Aber wenn man als Team funktioniert und sich hilft, ist man vielleicht besser als die andere Mannschaft, die drei gute Spieler hat, die aber alles alleine machen und nicht miteinander funktionieren. In der Gemeinschaft ist man stark, das bringen wir den Kindern bei. Das finde ich ganz wichtig. Ich arbeite gern mit Kindern, kann meine Ideen ausleben und habe Spaß dabei. Irgendwann ist es mein Ziel, dass es das „Kick it like Kenny“-Camp gibt. Das ist das, wo ich mal hin will.

Fußball ist nur eine Ihrer Leidenschaften: Sie haben lange Zeit Handball beim VfL Gummersbach gespielt, betreiben zudem ein eigenes Handballprojekt. Wie haben Sie den Abstieg des VfL aus der Bundesliga erlebt?

Es war einfach eine Blamage und tat weh. Die Leute haben keinen Bezug mehr zu der Mannschaft. Wenn früher sieben Mann auf der Platte standen, waren da sechs aus Gummersbach. Jetzt spielt da keiner mehr aus Gummersbach. Bis vor zwanzig Jahren war das noch die erfolgreichste Handballmannschaft der Welt. Handball war Gummersbach. Heute kennt man da keinen mehr. Früher waren da Erhard Wunderlich, Heiner Brand, Jo Deckarm. Das ist, als wenn du beim Fußball von Matthäus, Beckenbauer oder Maradona sprichst. Die schämen sich jetzt dafür, was passiert. Dabei können sie gar nichts dafür. Ich gucke mir die Spiele auch nicht mehr so oft an.

Ihnen blutet also das Herz?

Ja, klar. Ich habe da mein ganzes Jugendleben lang und auch noch als Erwachsener gespielt. Für Gummersbach zu spielen, war eine Riesensache. Wir haben mal drei Jahre lang auf Kreis- und Mittelrhein-Ebene kein einziges Spiel verloren. Viele Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe, haben danach in der Bundesliga oder der zweiten Liga gespielt. Ich weiß nicht, ob ich es als Torhüter in die Bundesliga geschafft hätte, aber die zweite Liga hätte ich mir schon zugetraut. Aber dann war das Knie kaputt und das war es dann.

Alle hören auf sein Kommando: Kenny Krause gibt Anweisungen beim Fußballcamp.
Alle hören auf sein Kommando: Kenny Krause gibt Anweisungen beim Fußballcamp. (Thorin Mentrup)
Wie schwer war es, aus diesem Traum vom Profihandballer gerissen zu werden?

Das war am Anfang wirklich schwer, weil man sich dann fragt, warum man sieben, acht Jahre lang in der Jugend alles gegeben hat. Ab der C-Jugend haben wir fünfmal pro Woche trainiert. Dazu kamen die Spiele. Wir hatten fast kein Privatleben mehr. Am Abend vor den Spielen mussten wir um neun Uhr zu Hause sein. Dann hat der Trainer angerufen und du musstest ans Telefon gehen. Wenn das alles vorbei ist, denkst du: Was hättest du für einen Spaß haben können mit deinen Jungs? Für das Leben war das aber eine gute Schule. Ich habe viel mitgenommen, auch als Trainer. Ich bin mal hart zu den Spielern, aber nur weil ich will, dass sie etwas erreichen.

Auch dem Fußball sind Sie treu geblieben. Wie sah dort Ihr sportliches Leben aus?

Ich habe immer beim FC Windhagen gespielt. Das ist mein Herzensverein. Das ist der Stadtteil von Gummersbach, aus dem ich komme. Ein katastrophaler Fußballverein. Der Platz ist zu kurz und zu schmal. Der ist im Industriegebiet. Da war einfach nicht mehr Platz. Man spielt auf Asche, es gibt keine richtigen Kabinen, nur so eine Holzhütte. Darin haben wir uns unser Leben lang drin umgezogen. Ich war immer der Kapitän. In dem Team haben immer nur Jungs aus unserem Dorf gespielt. Ich war damals – das glaubt man mir gar nicht mehr – der Schnellste, der Torschützenkönig. Ich hatte Angebote von vernünftigen Vereinen, aber ich bin trotzdem dageblieben. Bei uns war einer, der hatte eigentlich gar keinen Bock auf Fußball. Den habe ich jede Woche abgeholt. Wir mussten ja elf Mann haben.

Es gab aber zwei Mannschaften, die waren noch schlechter. Wir waren immer Drittletzter, hatten aber immerhin vier Spiele, die wir gewinnen konnten. Bei den anderen Spielen war klar, dass wir verlieren. Wir haben mal 16:1 verloren, sogar mal 24:1. Aber ich habe eine Ecke direkt verwandelt, das war dann für mich ein Erfolgserlebnis. 

Warum haben Sie den Verein nicht verlassen?

Ich hatte das Gefühl, wenn ich jetzt weggehe, bricht das hier zusammen. In Gummersbach war es so: Der FC Windhagen war ich. Ich konnte meine Jungs nicht im Stich lassen. In der A-Jugend kam dann ein anderer Verein, der VfR Marienhagen, der immer um die Meisterschaft spielte. Ich wollte wieder absagen, aber unser Trainer hatte eine Bäckerei und hat es zeitlich nicht mehr geschafft. Wir hatten keinen neuen Trainer. Bevor die Mannschaft komplett auseinanderbricht, gehe ich doch, habe ich mir gesagt. Ich habe aber fünf Spieler mitgenommen. Dann haben wir in einer Mannschaft gespielt, mit der wir dreimal Meister geworden sind. Das war vielleicht geil. Als wenn du immer bei Freiburg spielst und auf einmal dann nach Dortmund wechselst. Es hat natürlich richtig Spaß gemacht. Trotzdem möchte ich die Jahre davor nicht missen, weil ich da mit meinen Freunden gespielt habe. Die kannte ich seit dem Kindergarten oder seit der Schule. Das bedeutet auch viel. Erfolg ist nicht alles. Manchmal ist eine Freundschaft vom Fußball, die 20, 30 oder noch mehr Jahre hält, mehr wert als irgendein Titel.

Dann müssen Sie sich hier beim TV Stuhr oder bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, bei denen Fußball auch nicht des Geldes wegen gespielt wird, ja besonders wohl fühlen.

Genau. Das Konzept ist einfach geil. Die Spieler sind hier, weil ihnen die Gemeinschaft so gut gefällt. Die Tabelle ist nicht so wichtig. Wenn man mal bei der TSG schaut, fahren da auf einer Mannschaftsfahrt 150 Leute mit. Das gibt es nirgendwo anders. Ich komme aus einem Dorfverein, ich liebe das.

Klingt so, als wäre der dritte Besuch in der Gemeinde Stuhr bereits beschlossene Sache…

Ich komme auf jeden Fall wieder. Das ist mit Hauke schon verabredet. Es ist von Osnabrück ja auch nicht so weit. Es ist alles angedacht, aber es muss auch terminlich passen.

Zur Person

Kenny Krause (42) ist ein Influencer und Trainer aus Osnabrück. Gemeinsam mit Hans Sarpei und Peter Neururer stand er fast 20 Mal für die Sport1-Sendung „Hans Sarpei – das T steht für Coach“ vor der Kamera, unter anderem im Jahr 2017 bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Als ehemaliger Fuß- und Handballer kennt er sich in beiden Sportarten sehr gut aus, betreibt zudem die Projekte „Handballstarz“ und „Fußballstarz“. Beim TV Stuhr war er zuletzt als Trainer des Fußballcamps „Kick'n Body“ an der Seite von Kay Hödtke, Jeremy Karikari und Christian Koßmann aktiv.


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Leserkommentare
alterwaller am 18.10.2019 20:26
Eine "ich-bin-dagegen-Initiative" nach der anderen. Bremen ist zwar meine Heimatstadt aber inzwischen bin ich froh mich vor ca. 6 Jahren vom Acker ...
Posaune am 18.10.2019 20:16
Aus Luftschlössern werden keine Lustschlösser entstehen weil sich Luft und Lust nicht sonderlich verstehen ;-).

Träume kann man ja ...