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TSV Süstedt
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Leidenschaftlicher Überzeugungstäter

Nastassja Nadolska 06.02.2019 0 Kommentare

41 Jahre lang war Uwe Garbers im Vorstand des TSV Süstedt tätig und kann auf eine aufregende Zeit zurückblicken.
41 Jahre lang war Uwe Garbers im Vorstand des TSV Süstedt tätig und kann auf eine aufregende Zeit zurückblicken. (Michael Braunschädel)

Auf der rechten Seite des Flures steht ein Bild aus alten Zeiten: Zu sehen sind unter anderem der ehemalige Sportdirektor des SV Werder Bremen Klaus Allofs, der damalige Trainer Thomas Schaaf und Uwe Garbers, ehemaliger Vorsitzender des TSV Süstedt, die sich unterhalten. Das Foto entstand am 12. Juli 2002, als die Profifußballer des SV Werder Bremen mit Ailton und Co. zum 55. Geburtstag des TSV Süstedt für ein Freundschaftsspiel zu Gast waren. „Das war der absolute Höhepunkt des Vereins. 2500 Zuschauer waren an diesem Tag bei uns. Unser Dorf war voll mit Autos“, erinnert sich Garbers.

Eine von vielen Veranstaltungen, die Garbers in 41 Jahren beim TSV Süstedt, davon 30 als erster Vorsitzender, erlebte und organisierte. Im vergangenen Dezember legte er auf der Jahreshauptversammlung sein Amt nieder. „Ich habe für mich entschieden, dass ich mein Werk getan habe. Für mich gehört die Arbeit nun in junge Hände“, begründet Garbers den Schritt.

1966 trat er im Alter von elf Jahren beim TSV Süstedt ein und schloss sich der Fußballabteilung an. Von der C-Jugend bis zu den Alten Herren durchlief er alle Altersklassen. „Die Zeit bei der ersten Herren, die damals noch in der Bezirksklasse mitmischte, gehörte zu meinen sportlich besten Jahren“, betont der ehemalige Vorsitzende. 1976 wurde er Jugendtrainer und im darauffolgenden Jahr leitete er den Jugendbereich des TSV Süstedt. „Das war meine erste Tätigkeit im Vorstand. Sie hatten mich damals gefragt, ob ich es machen möchte, und ich habe direkt ja gesagt“, berichtet Garbers, der sich in den folgenden Jahren immer weiter nach oben arbeitete und 1988 zum Vorsitzenden gewählt wurde und in die Fußstapfen von Albrecht Soller trat. „Zuvor war ich als Geschäftsführer tätig. Die Eingewöhnungsphase war von daher nicht so schwierig. Dennoch waren es große Fußstapfen, in die ich damals getreten bin.“

Mit einem klaren Ziel trat Garbers seinen neuen Posten an: „Ich wollte ein gutes Vorstandsteam mit kreativen und engagierten Köpfen zusammenstellen“, erzählt er. Außerdem suchte er den Kontakt zu allen Mannschaften und Gruppen: „Ich wollte alle kennenlernen und wissen, wie sie arbeiten.“ Garbers' besonderes Engagement sprach sich herum und so wuchs die Zahl der Vereinsmitglieder unter seiner Leitung von 370 (1988) bis 2018 auf 657 an. 

In den 90er-Jahren organisierte Garbers mit seinem Team etliche Feste und Sportwochen, unter anderem sollte 1991 das Kreispokalfinale auf dem Gelände des TSV Süstedt ausgetragen werden. Daraus wurde aber nichts: „Unser Sportheim wurde zu einem Asylantenheim umfunktioniert. Uns waren die Hände gebunden, da die Samtgemeinde das Sagen über das Vereinsheim hatte“, berichtet er. Fünf Jahre später folgte wohl das größte Projekt des TSV und für Garbers selbst: der Dachausbau des Vereinsheims. „Das war ein ganz schönes Brett. Ich habe die einzelnen Fraktionen besucht und mit den Politikern gesprochen. Letzten Endes hat sich eine Mehrheit für den Ausbau gefunden.“ Mit dem Bau sei etwas für die Zukunft des Vereins und der Einwohner in den drei Dörfern Süstedts geschaffen worden, „weil wir von da an auf die wachsenden Ansprüche reagieren und unser Angebot erweitern konnten“, sagt Garbers. Zusätzlich zum Fußball bietet der TSV mittlerweile auch Aerobic, Gymnastik, Kinderturnen, Radwandern und eine Theatergruppe an, die sich mit der plattdeutschen Sprache beschäftigt und deren Stücke unter anderem im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen gezeigt werden. „Das plattdeutsche Theater begleite ich schon von Anfang an und es ist auch mittlerweile sehr bekannt. Die Vorstellungen sind so gut wie immer ausverkauft, was mich natürlich sehr freut“, sagt der ehemalige Vorsitzende, der 1997 zum 50. Geburtstag des TSV den SV Werder Bremen zu einem Freundschaftsspiel in das kleine Dorf holte und damit zahlreiche Zuschauer lockte. Zwei ähnliche Veranstaltungen organisierte Garbers gemeinsam mit dem Fußball-Spartenleiter Stephan Meyer 2002 und 2009, als der SVW und der FC St. Pauli zu Gast in Süstedt waren. „Gegen Pauli waren knapp 1500 Zuschauer da. Für das ganze Dorf waren diese Veranstaltungen eine tolle Sache.“

Doch nicht nur das gehörte zu den Aufgaben des ehemaligen Vorsitzenden. Besonders die Suche nach Übungsleitern für die verschiedenen Kurse stellte sich manchmal als eine besondere Herausforderung heraus. „Das war nicht immer ganz einfach, weil auch viele neben dem Beruf einfach nicht mehr die Zeit haben, abends einen Kurs zu leiten“, sagt Garbers, der sich an eine junge Frau erinnert, die als Übungsleiterin in der Kindergymnastik beim TSV anfing und mit ihrem Wesen damals für Furore sorgte: „Sie hatte knallbunte Haare und war etwas wilder als das, was wir in Süstedt gewohnt waren. Das sorgte bei den Eltern natürlich für Empörung. Doch nach drei Kursen änderte sich ihre Meinung ganz schnell“, sagt er und schmunzelt.

Als Landwirt weiß Garbers, wie er ein Unternehmen führen muss. Diese Denke hat er auch auf seine Tätigkeit als Vereinsvorsitzender übertragen. „In beiden Bereichen muss ich mit fremden Geldern hantieren, die ich verantwortungsvoll nutzen muss“, schildert Garbers, der 2016 für sich entschied, sein Amt als erster Vorsitzender niederzulegen. Traurig sei er aber nicht: „Da ich quasi direkt am Vereinsheim wohne und mit den Verantwortlichen weiterhin in Kontakt bleiben werde, fühlt es sich nicht so stark nach einem Abschied an“, sagt er. Den Schlüssel für das Vereinsheim hat er noch. Auf die Frage, wann er diesen abgeben möchte, sagt er schmunzelnd: „Irgendwann bestimmt.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...