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Niklas Leue: Der treue Stratege

Thorin Mentrup 08.10.2019 0 Kommentare

Niklas Leue (r.) ging als Gesseler Kapitän stets voran – so auch im Prestige-Derby gegen Ristedt im Jahr 2015.
Niklas Leue (r.) ging als Gesseler Kapitän stets voran – so auch im Prestige-Derby gegen Ristedt im Jahr 2015. (Udo Meissner)

Gessel/Syke. Wenn er etwas macht, dann richtig. Das war Niklas Leue immer wichtig – und ist es auch heute noch. Halbe Sachen sind nichts für den 32-Jährigen, auch bei seinem Hobby Fußball nicht. Vielleicht liegt das daran, dass es zu Beginn seiner Zeit im Herrenbereich nur die Frage nach dem Entweder und dem Oder gab: entweder FC Gessel-Leerßen oder TSV Ristedt. Deren Zusammenschluss hatte sich gerade aufgelöst, als Leue von der Jugend zu den Senioren aufrückte. Er entschied sich gemeinsam mit vielen Freunden für Gessel – und ist bis heute beim FC aktiv. Mittlerweile gehört er zur Altherrenmannschaft, die eine Spielgemeinschaft mit Ristedt und Bramstedt bildet. Zuvor war er viele Jahre lang Kapitän in der Ersten. Von der verabschiedete er sich nach 13 Jahren im Sommer mit dem Aufstieg in die 1. Kreisklasse. 

„Das war natürlich der perfekte Abschluss“, blickt Leue zurück. Er hat die insgesamt drei Aufstiege 2009, 2015 und 2019, die er mit dem FC feierte, in sich aufgesogen, aber auch den Einzug ins Pokal-Halbfinale trotz des Ausscheidens gegen den späteren Sieger SV Bruchhausen-Vilsen im Jahr 2014. Für Außenstehende mag das verhältnismäßig klein klingen. Dem Vollblut-Fußballer Niklas Leue bedeuteten diese Momente hingegen sehr viel. „So etwas macht den Sport aus. Das vergisst man nicht mehr“, weiß er. Es habe natürlich auch Enttäuschungen gegeben wie den Abstieg im Jahr 2016, doch er habe sportlich wesentlich mehr schöne als schwierige Zeiten erlebt.

Der Entschluss, in diesem Sommer etwas kürzer zu treten, fiel nicht spontan. „Vor zwei Jahren habe ich bereits gesagt, dass ich mit 32 in die Alte Herren wechseln werde. Es wäre auch so gewesen, wenn wir nicht aufgestiegen wären. So ist es aber natürlich schöner“, lacht Leue, der die ersten Jahre seiner Laufbahn, die vor weit mehr als 20 Jahren begann, beim TuS Syke verbrachte. Ab der B-Jugend lief er dann für Gessel auf. Mit vielen seiner Mitspieler war er bereits zur Grundschule in Barrien gegangen. „Das hat mir den Einstieg leicht gemacht. Es stand schnell für mich fest, dass ich in Gessel bleiben werde.“ Er hätte sich allerdings auch nicht gewundert, wenn es viele seiner Freunde zur Saison 2006/07 nach Ristedt gezogen hätte. „Ristedt hat ja höher gespielt als wir.“ Die Teilung spülte den TSV in die Leistungsklasse, den FC in die 2. Kreisklasse. Aber Leues Freunde entschieden sich wie er für den FC. „Das war mir wichtig. Ich wollte immer mit meinen Jungs kicken“, verdeutlicht der Linksfuß. Deshalb sagte er ein paar Mal auch dem einen oder anderen Klub, der höher spielte und ihn für sich gewinnen wollte, ab. „Ich war in meinen jüngeren Jahren also bestimmt nicht der Schlechteste“, lacht Leue. Trotzdem gab er Gessel und der 2. Kreisklasse den Vorzug. „Ich wollte es einfach hier versuchen“, erklärt er, warum ein Wechsel nie ein großes Thema für ihn war.

Eine Collage mit zahlreichen Erinnerungen bekam Niklas Leue zum Abschied.
Eine Collage mit zahlreichen Erinnerungen bekam Niklas Leue zum Abschied. (Thorin Mentrup)

Dabei war es beim FC in den Anfangsjahren nach dem Aus des 1. FC Ristedt/Gessel sportlich gar nicht so leicht. „Wir waren ein komplett zusammengewürfelter Haufen. Wir hatten auch nicht nur gute Fußballer dabei. Aber wir hatten richtig viel Spaß, auch wenn wir im Mittelfeld herumgedümpelt sind.“ Diese Begeisterung, die auch der Verein schürte, gefiel Leue – und sie packte auch Kicker von außerhalb. „Nach einer Saison hatten wir dann schon eine zweite Mannschaft, später dann sogar eine dritte“, war der Angestellte eines Syker Unternehmens stolz darauf, Teil dieser Entwicklung zu sein.

Sportlich war er ohnehin eine feste Größe und im defensiven Zentrum gesetzt. Leue kam meist auf der Sechs oder in der Abwehr zum Einsatz: „Früher habe ich lieber offensiv im Zentrum gespielt. Aber je älter ich wurde, desto weiter bin ich nach hinten gerückt“, erlebte er eine Entwicklung, die dem einen oder anderen Routinier nicht fremd sein dürfte. Aufgrund seiner Rolle auf dem Feld, aber auch weil er den Mund aufmachte, seine Mitspieler dirigierte und das Geschehen ordnete, rückte der Stratege zwangsläufig in den Fokus, die Mannschaft auch als Kapitän aufs Feld zu führen. Leicht fiel es ihm allerdings nicht, diese Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert schien, auszufüllen. „Ich habe es erst sogar abgelehnt, weil ich mich nicht richtig herangetraut habe. Dann habe ich es ein Jahr gemacht, war aber zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Ich habe einfach nicht mehr gut gespielt“, erklärt er, warum er für eine weitere Saison ins zweite Glied rückte. Dann aber bekam er die Binde zurück. „Ich habe mich dann freier gefühlt“, war er bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Mitte 20 war er da. Bis zum Ende blieb er dann Kapitän. „Das macht mich stolz“, sagt Leue.

Der 32-Jährige war stets ein Vorbild, bei Wind und Wetter beim Training, er verpasste kein Spiel. Es sei denn, er war verletzt. Das kam aber nicht oft vor. Ein paar Mal rissen die Bänder, aber eine wirklich lange Pause musste er nur einmal einlegen, als der Meniskus im rechten Knie Schaden genommen hatte. Ansonsten kann Leue bis heute nichts vom Fußballplatz fernhalten. „Natürlich fragt man sich mal, ob sich das alles lohnt und ob man nicht eine Auszeit nehmen sollte. Aber ich habe bei einigen Freunden gesehen, wie schwer es dann ist, wieder anzufangen. Viele sind dann nicht mehr zurückgekommen.“ Deshalb blieb Leue dauerhaft am Ball – und ist es noch heute. „Aufhören? Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. „Altliga werde ich auf jeden Fall noch spielen“, blickt er voraus.

Er erst einmal aber ist er bei den Alten Herren am Ball. Seinen neuen fußballerischen Lebensabschnitt genießt Leue durchaus. „Ich mag es, dass es ein bisschen lockerer zugeht. Der große Zwang ist nicht mehr da. Aber wenn ich spiele, will ich gewinnen“, bleibt er ein Wettkämpfer. Deshalb hält er sich die Trainingsabende und die Spieltage auch für Fußball frei. Mit halben Sachen gibt sich Niklas Leue eben immer noch nicht zufrieden.


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Leserkommentare
Wesersteel am 23.10.2019 10:50
Klimanotstand...................sind den ALLE nur noch ganz viel Bluna ?
WESER-KURIER_Onlineredaktion am 23.10.2019 10:44
Danke für den Hinweis. Das Gelände wurde vor 14 Jahren erworben. Die Fläche ist elf Hektar groß. Wir haben das korrigiert.