Mehr als drei Millionen Euro sollen in das Tochterunterhmen SSB fließen / Geplant: Yachtbau-Kompetenzzentrum

Lürssen investiert in den Standort Berne

Wie Klaus Borgschulte, technischer Geschäftsführer des Nordbremer Schiffbauers Lürssen, den Mitgliedern von zwei Ausschüssen erklärte, will sein Betrieb in erheblichem Umfang in das Tochterunternehmen Schiffs- und Stahlbau Berne investieren. Die Gemeinde Berne wurde vom Oldenburger Gewerbeaufsichtsamt um eine Stellungnahme zu den Lürssen-Plänen gebeten. Weiterer Tagesordnungspunkt: Ein ortsansässiger Spediteur beantragt für ein Fitness- und Physiotherapie-Zentrum Befreiung von den Regelungen im Bebauungsplan.
21.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hannelore Johannesdotter

Wie Klaus Borgschulte, technischer Geschäftsführer des Nordbremer Schiffbauers Lürssen, den Mitgliedern von zwei Ausschüssen erklärte, will sein Betrieb in erheblichem Umfang in das Tochterunternehmen Schiffs- und Stahlbau Berne investieren. Die Gemeinde Berne wurde vom Oldenburger Gewerbeaufsichtsamt um eine Stellungnahme zu den Lürssen-Plänen gebeten. Weiterer Tagesordnungspunkt: Ein ortsansässiger Spediteur beantragt für ein Fitness- und Physiotherapie-Zentrum Befreiung von den Regelungen im Bebauungsplan.

Berne. Die Firma Lürssen will ihren Standort Berne, das ist der Betrieb Schiffs- und Stahlbau Berne (SSB) auf dem Gelände der ehemaligen Rolandwerft, ausbauen. Mehr als drei Millionen Euro sollen hier in Anlagen für Fertigung und Montage von Yachten und Marineschiffen investiert werden. Schwerpunkt wird das so genannte Refit sein, also die Reparatur von Yachten und Schiffen.

Diese Auskunft gab Geschäftsführer Klaus Borgschulte den Mitgliedern der Ausschüsse für Gemeindeentwicklung, Wirtschaft und Tourismus sowie Landwirtschaft, Umwelt und Energie, die gemeinsam unter Leitung von Lars Steenken tagten. Anlass für den Besuch des Geschäftsführers war der Antrag seiner Firma auf Errichtung und Betrieb des Schwimmdocks. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg hatte die Gemeinde Berne um eine Stellungnahme zu dem Antrag gebeten.

Die Planung von Lürssen sieht vor, Halle 1 auf dem Werftgelände für Endmontage und Ausrüstung von Schiffen vorzuhalten. Hier wird im Juli ein Patrouillenboot auf Kiel gelegt, das als Schwesterschiff von drei bereits gelieferten komplett in Berne gebaut wird.

In Halle 2 wird laut Klaus Borgschulte ein Kompetenzzentrum für Yachtkomfort entstehen. Gebaut werden sollen hier unter anderem Außenhautklappen von zwölf mal drei Meter Größe und einem Gewicht bis zu zwölf Tonnen. Hinter den Klappen werden auf den Luxus-Yachten die Beiboote verstaut. Auch Landgänge nimmt Firma Lürssen bei SSB ins Programm auf, nachdem es in der Vergangenheit oft massive Probleme in der Zulieferung gegeben habe, so der Geschäftsführer.

Schließlich soll die Halle 3 für den Sektionsbau genutzt werden. Fünf bis sechs Plätze stünden hier zur Verfügung. Zur Endmontage werden die Sektionen per Transportponton später zum Lürssen-Werftbetrieb in Vegesack überführt.

Auch das im vergangenen Jahr angeschaffte Dock will die Firma Lürssen künftig in Berne nutzen. In ihm sollen ausschließlich Reparaturen stattfinden. Diese Arbeiten werden, versicherte Klaus Borgschulte gegenüber dem Ausschuss, keinen nennenswerten Lärm verursachen, da sie meistens im Schiff erfolgen werden. Deshalb werde auch keine Überdachung für das Dock nötig.

150 SSB-Mitarbeiter in Warfleth

Nach Auskunft des Geschäftsführers hat der Nordbremer Schiffbaubetrieb alle Mitarbeiter der Firma SSB übernommen. Zusammen mit Leihhandwerkern und Unterlieferanten werde der Betrieb in Warfleth künftig rund 150 Mitarbeiter beschäftigen. "Wir setzen langfristig auf den Standort", betonte der Geschäftsführer angesichts der Investition, die hier geplant ist.

Die Fraktionen im Gemeinderat hatten vor ihrer Entscheidung um Erläuterung zu dem Bauvorhaben gebeten und werden sich jetzt beraten. Eine Empfehlung wurde deshalb noch nicht ausgesprochen. Sie ist erst vom Verwaltungsausschuss in der nächsten Woche zu erwarten.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt: Die Gemeinde Berne wird, so die einstimmige Empfehlung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, Wirtschaft und Tourismus, das Vorhaben eines Berner Unternehmers positiv bescheiden. Der Spediteur hat einen Antrag auf Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes Nummer 36 im Gewerbegebiet Campe gestellt.

Der Antragsteller möchte dort ein Gebäude für Fitness und Physiotherapie errichten. Nach dem gültigen Bebauungsplan sind Anlagen, die gesundheitlichen Aspekten dienen, auf dem Grundstück allerdings ausgeschlossen. Demgegenüber, so informierte Fachbereichsleiter Michael Heibült, lasse der Gesetzgeber solche Vorhaben im Außenbereich ausdrücklich zu.

Die Festsetzungen im Bebauungsplan stammen noch aus dem alten Flächennutzungsplan von 1988. Damals sollte diese gemeindliche Fläche in Campe vorgehalten werden für einen Supermarkt. Der durfte jedoch wegen der unmittelbaren Nachbarschaft eines landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebs dort nicht entstehen. Der Camper Unternehmer hatte später Interesse für den Erwerb des Grundstücks bekundet, auf dem er eine Betriebsleiterwohnung bauen und seine Lastwagen warm laufen lassen wollte.

Nach Auskunft von Michael Heibült handelt es sich bei dem Gebäude für Fitness und Physiotherapie nicht um ein Fitnesscenter wie das in Berne bestehende Maximumm. Mit der Bauvoranfrage sei das Vorhaben, auf dem Grundstück eine Betriebsleiterwohnung zu errichten, auch nicht ad acta gelegt. Über die Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes entscheidet der Landkreis. Sollte der seine Zustimmung versagen, müsste die Gemeinde Berne ihren Bebauungsplan an dieser Stelle ändern, wenn sie das Vorhaben befürwortet und es dem Antragsteller ermöglichen möchte.

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