Ritterhude. Für die Bühnenakteure steht fest: Frauen können nicht einparken, zicken rum und nerven nur. Frauen und Männer sind viel zu verschieden, als dass sie zueinander passen könnten – dies ist zumindest oberflächlich die unmaßgebliche Meinung von drei gescheiterten Eheexistenzen in der Komödie "Butterbrot", mit der am Wochenende drei ehemalige Packhaus-Darsteller im Hamme-Forum gastierten.
Als Selbsthilfegruppe haben sie sich zu einer Männer-WG zusammengeschlossen. Sie versuchen nun, den Scherbenhaufen ihrer Beziehungen auf typisch männliche Weise zu bewältigen und ihre Leiden genüsslich auszukosten. Dem Dreimänner-Haushalt gehören der gescheiterte Schauspieler Stefan, der schöngeistige Architekt Martin und der notorische Fremdgänger und Schuhverkäufer Peter an.
In "hochprozentigen" Männergesprächen schwingen sie sich zu Sachverständigen in Liebesdingen auf. Dabei sondern sie die kuriosesten Beziehungsweisheiten ab und versteigen sich am Ende zu der sarkastischen Behauptung, Frauen hätten in ihrer Entwicklung die Stufe des Menschen noch nicht erreicht. Sie könnten gar nicht denken. Und so könnten Frauen auch nicht männliche Seitensprünge durch eigene Affären beantworten, entrüstet sich der selbst ernannte Weiberheld Peter. Seine Frau hatte die Nase voll von seinen Eskapaden und hat die Konsequenzen gezogen – sie ließ sich scheiden. Das gehe zu weit. Freiheiten, die sich ein Mann herausnehmen dürfe, dürften sich Frauen noch lange nicht erlauben, ist Peter überzeugt. Irgendwo höre die Freiheit ja wohl auf.Empört bricht es aus dem gehörnten Platzhirsch heraus: "Die nimmt sich den besten Anwalt und mir bleibt bloß ein Butterbrot!"
Und genau dieses Butterbrot gab dem Roman den Titel, den sein Autor Gabriel Barylli 1988 erstmals als Komödie auf die Bühne brachte. Seitdem ist das Stück über 150 Mal inszeniert worden. Es gehört zu den erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. Trotz der teilweise flapsigen Männer-Sprüche ist die Komödie beileibe kein frauenfeindliches Stück: Die Frauen sind lediglich die Projektionsfläche, vor der die Männer ihre "Angst vor dem Alleinsein" wortreich verdrängen. In der mehr oder weniger geistreichen Auseinandersetzung über Mann und Frau, Partnerschaft und Single-Dasein, überschwängliche Liebesgefühle und boshafte Rosenkriege entblößen die Herren der Schöpfung schonungslos ihre eigenen schwachen Stellen.
Sie bekämpfen zwar mit typisch männlichen Argumenten die "Liebe als Todesfalle", sind aber dem ewig Weiblichen hoffnungslos erlegen, Und der Zuschauer begreift: All die boshaften Plattitüden, abgedroschenen Klischees und geistlosen Vergleiche sind nur der hilflose Ausdruck ihrer Identitätskrise
Der gescheiterte Schauspieler Stefan, desillusioniert gespielt von Nicolas König, versucht vergeblich den geistig-moralischen Felgaufschwung an der intellektuellen Reckstange. Das vor Selbstmitleid triefende Weichei Martin – rührselig dargestellt von Timothy Peach – leidet an der Leidenschaft. Und Peter, ein in seinem Stolz verletzter Macho, begehrt trotzig auf: "Ich bin ein freier Mann!" Diesen hormongesteuerten Temperamentsbolzen gibt Joshy Peters.
Mit seinem Stück hat Gabriel Barylli den männlichen Wahn als Selbstbetrug entlarvt. Denn: "Kaum ist ne Frau da, schon dreht sich die Sonne um die Erde!" Die drei temperamentvollen Bühnenakteure erhielten einen begeisterten Beifall.