Stuhrer Rat entscheidet nächste Woche über den ersten Gleichstellungsplan der Gemeinde Mal mehr Frauen, mal mehr Männer

Mit einem Entwurf des ersten Gleichstellungsplans der Gemeinde Stuhr wird sich der Rat bei seiner nächsten Sitzung beschäftigen. Der Plan sieht vor, dass langfristig in den verschiedenen Berufsgruppen, die bei der Gemeinde angesiedelt sind, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herrscht.
14.09.2012, 05:00
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Mal mehr Frauen, mal mehr Männer
Von Markus Tönnishoff

Mit einem Entwurf des ersten Gleichstellungsplans der Gemeinde Stuhr wird sich der Rat bei seiner nächsten Sitzung beschäftigen. Der Plan sieht vor, dass langfristig in den verschiedenen Berufsgruppen, die bei der Gemeinde angesiedelt sind, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herrscht.

Stuhr. In welchen Berufsgruppen ist der Anteil von Frauen oder Männern besonders groß oder klein? Und was müsste getan werden, um dort zu einem ausgeglichenen Verhältnis der Geschlechter zu kommen? Das sind die Kernfragen, mit denen sich der Entwurf für den ersten Gleichstellungsplan der Gemeinde Stuhr beschäftigt. Nun hat am Mittwoch, 19. September, ab 18.30 Uhr der Stuhrer Rat das Wort. Er muss entscheiden, ob der Plan verabschiedet wird.

"Nach dem niedersächsischen Gleichbehandlungsgesetz sind wir angehalten, so einen Plan aufzustellen", erklärt Bürgermeister Niels Thomsen den Hintergrund. Zunächst wird im Gleichstellungsplan aufgeführt, in welchen Berufsgruppen es Missverhältnisse gibt, wobei der Plan die Situation wiedergibt, die im Juni des Vorjahres herrschte. So will es das Gesetz. Eine Unterrepräsentanz liege vor, wenn der Frauen- oder Männeranteil in einem Bereich unter 45 Prozent liege. Demnach gebe es zum Beispiel bei den Beamten in der Besoldungsgruppe A 10 mit 30,5 Prozent eine Unterrepräsentanz der Frauen, in der Besoldungsstufe A 11 seien 33,3 Prozent der Beamten Frauen. "Auffallend ist die Geschlechterverteilung im Bereich der Besoldungsgruppe A 12 mit vier ausschließlich männlichen Beschäftigten", heiß es im Planentwurf. Bei der Gesamtheit der Beamtenschaft liege der Anteil von Frauen bei 28,3 Prozent.

"Gesellschaftliche Gründe"

Ganz anders sehe es jedoch in einigen Bereichen aus, in denen Gemeindemitarbeiter auf Angestelltenbasis tätig sind. Im Bereich der Reinigungs- und Küchenkräfte seien Männer deutlich unterrepräsentiert, in zwei Entgeldstufen dieses Bereichs seien überhaupt keine Männer tätig. Auch beim sogenannten mittleren Dienst seien nur wenige Männer vertreten, im gehobenen Dienst sei die Hälfte der höheren Entgeldgruppen mit gleich vielen Männern und Frauen besetzt.

Zur Gemeinde gehören auch sogenannten Regiebetriebe – zum Beispiel die Sozialstation. Dort seien 78,2 Prozent der Mitarbeiter Frauen. "Das hat natürlich auch etwas mit gesellschaftlichen Gründen zu tun, die eine Kommune nicht einfach ändern kann", so Thomsen. Gleichwohl gebe es in diesem Bereich auch Veränderungen. "Vor 15 Jahren wären männliche Altenpfleger undenkbar gewesen, heute haben wir zwei männliche Altenpfleger", erläutert Thomsen. Das sei auch eine gesellschaftspolitische Entwicklung.

Beim Baubetriebshof, ebenfalls ein Regiebetrieb der Gemeinde, seien 8,1 Prozent der Beschäftigten Frauen. Dort würden fast nur Berufe aus dem technischen Bereich ausgeübt, sodass "sich die gesellschaftliche Verteilung im Regiebetrieb spiegelt", heißt es im Planentwurf. Vorbehalte oder Gründe, die gegen eine Beschäftigung von Frauen auf dem Baubetriebshof sprechen, seien nicht gegeben. Das beweise die Tatsache, dass dort bereits Frauen tätig sein.

Nun sei es das Ziel, mit verschiedenen Vorgehensweisen die Geschlechterverteilung in den verschiedenen Bereichen anzugleichen. Deshalb sollen bei Stellenausschreibungen für eine Stelle in einem Bereich, in dem es zum Beispiel zu wenig Frauen gibt, Frauen besonders angesprochen werden. Das gleiche solle auch gelten für Bereiche, in denen zu wenig Männer tätig sind. "Eine zweite Ausschreibung hat auf Verlangen der Gleichstellungsbeauftragten zu erfolgen, wenn unter den Bewerbungen keine des unterrepräsentierten Geschlechts ist", heißt es im Entwurf. Zu einem Vorstellungsgespräch sollen dann nicht nur die Besten eingeladen werden, sondern auch zur Hälfte Bewerber des unterrepräsentierten Geschlechts, sofern sie die Mindestvoraussetzungen erfüllen. Bei gleicher Befähigung und Leistung dürfe der Vertreter des unterrepräsentierten Geschlechts bevorzugt werden.

Als einen weiteren Weg nennt der Entwurf unter anderem die Entwicklung eines Teilzeitkonzeptes und die weitere Einführung von Telearbeit. "Unsere Architektin arbeitet bereits teilweise von zu Hause aus, das ist ja heutzutage oft kein Problem. Telearbeit ist sicherlich ausbaufähig", sagt Thomsen. Der Gleichstellungsplan, der von der Stuhrer Verwaltung und der stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten und sowie dem Personalrat entworfen wurde, ist bis zum Jahr 2014 gültig, wenn er von der Politik verabschiedet wird. Auf der Agenda der Sitzung am Mittwoch stehen unter anderem noch ein Bericht über die Prüfung von Stuhrer Investitionen durch den Landesrechnungshof und die Änderung der Vergnügungssteuersatzung. Die Sitzung ist öffentlich.

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