Pilze sammeln im Landkreis Verden

Mangelware für Feinschmecker

Wegen der Trockenheit haben die meisten Speisepilze kaum Fruchtkörper ausgebildet. Trotzdem haben sie wenig Schaden genommen, denn Pilze sind sehr widerstandsfähig.
10.10.2018, 11:12
Lesedauer: 3 Min
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Mangelware für Feinschmecker
Von Andreas Becker
Mangelware für Feinschmecker

Prächtige Steinpilze wie diese werden in diesem Jahr kaum zu finden sein.

Patrick Pleul

Als Pilzexperte aus Leidenschaft ist Jörg Albers immer wieder erstaunt, wie widerstandsfähig die Fungi, so der wissenschaftliche Name, sind. Selbst die Trockenheit der vergangenen Monate haben die Pilze überlebt, was allerdings nicht bedeutet, dass sie in Massen ihre schmackhaften Fruchtkörper ausgebildet haben. Ganz im Gegenteil. „Das haben viele Arten nicht getan. Bisher haben wir ganz wenig Speisepilze“, sagt Albers. Das bedeutet, dass viele Sammler bisher leer ausgegangen sind.

„Die Hitze in den Sommermonaten war gar nicht das Problem. Aber wenn kein Regen fällt, bilden sich keine Fruchtkörper“, sagt Albers. Was im Sommer nicht gewachsen sei, komme jetzt auch nicht mehr. Anders bei Speisepilzen, die im späteren Herbst ihre Wachstumsperiode hätten. Hier könnten Pilzsammler noch auf Ertrag hoffen. Allerdings machen die Speisepilze für den Mykologen (Pilzforscher) Albers nur einen kleinen Bereich seines Fachgebiets aus. So sei das Wetter für einige Holzbewohner nahezu optimal gewesen, etwa für den Riesenporling (Meripilus giganteus), Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) oder auch einige Dachpilz-Arten der Gattung Pluteus. „Diese Arten profitieren offenbar von der vorhandenen Restfeuchte im Holz. Sie leben auf und in Stubben sowie abgestorbenen Wurzeln an noch lebenden Bäumen und vermehren sich in großer Zahl“, erzählt der Experte.

Die teils sehr hohen Temperaturen seien dafür offenbar sogar förderlich gewesen. Im Gegensatz dazu hätten die für Wald-, Straßen und Parkbäume essentiell wichtigen Mykorrhizapilze (leben in Symbiose mit Bäumen) dagegen bislang kaum Fruchtkörper ausgebildet. Zu ihnen gehören Täublinge, Milchlinge, Knollenblätterpilze und alle Röhrlinge. „Es wird spannend, wie diese vielen Arten – in Niedersachsen gibt es insgesamt über 4000 verschiedene Höhere Pilze – das ungewöhnliche Wetter verkraftet haben. Wahrscheinlich sehen wir das erst im kommenden Jahr“, erklärt Jörg Albers.

Pilzsammler

Beliebte Arten sind Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen.

Foto: Peter Endig

Von Pilzen ist er seit seiner Kindheit fasziniert, wie der Tostedter erzählt, der auch regelmäßig im Landkreis Verden Exkursionen auf den Spuren der Pilze anbietet. Als kleiner Junge sei er bereits mit seinen Eltern in den Wald gegangen, um die schmackhaften Gewächse zu sammeln. „Angefangen hat das natürlich mit dem Essen und der Frage, welche Arten genießbar sind und welche nicht“, erinnert er sich. Dann absolvierte er eine Ausbildung zum Pilzsachverständigen. „In erster Linie habe ich mir mein Wissen autodidaktisch angeeignet und im Austausch mit anderen meine Kenntnisse erweitert“, sagt er.

Welche Arten essbar sind und vor allem, wie man sie erkennt, das sei trotz der intensiven Beschäftigung mit den Pilzen nicht so einfach zu sagen. "Die meisten Arten sind schwierig zu erkennen", betont der Experte. Schwieriger jedenfalls, als dies einem Laien zuzumuten sei. "In Niedersachsen alleine gibt es etwa 4000 Pilzarten, davon ist nur eine Handvoll essbar", sagt der Tostedter. In ganz Deutschland gibt es etwa 7000 Pilzarten. Zu den beliebtesten Arten gehören Maronen, Steinpilze und Pfifferlinge. Letztere seien weit verbreitet, allerdings nicht in großen Mengen. "Pfifferlinge kann man nicht züchten, das ist ein Symbiosepilz, der in Gemeinschaft mit bestimmten Bäumen lebt", erklärt Jörg Albers.

Eine einfache Faustregel für das Erkennen der essbaren Arten gebe es jedenfalls nicht, entscheidend sei das Gesamtbild aus Stiel, Hut, Geflecht und Basis. Werde beispielsweise der Pilz abgeschnitten, bleibe die Basis im Boden und könne später nicht mehr untersucht werden. "Pilze kann man leicht verwechseln", warnt Albers. Auch die Frische sei entscheidend. Auch wer einen alten Speisepilz esse, riskiere Magen- und Darmverstimmungen. "Die meisten Krankenhausaufenthalte durch Pilzgenuss gehen auf alte, verdorbene Exemplare zurück, erzählt Albers, der in solchen Fällen häufig als Berater hinzugezogen wird. Ein paar besonders gefährliche Arten gebe es auch in hiesigen Wäldern. Etwa den Spitzgebuckelten Rauhkopf oder den berüchtigten Grünen Knollenblätterpilz, der die Leber zersetzt und tödlich sein kann.

Zwar sei Trockenheit nicht förderlich für die meisten Pilzarten, die größte Gefahr gehe aber vom Menschen aus. „In den vergangenen 30 bis 40 Jahren haben viele Pilze stark unter der Überdüngung gelitten“, kritisiert Albers.

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