Stiftung reagiert mit Rabatt-Aktion

Maribondo-Supermarkt fehlt die Kundschaft

Osterholz-Scharmbeck. Die Regale des Supermarktes im Maribondo-Center an der Bahnhofstraße sind mit 7000 bis 8000 Artikeln gut gefüllt, der Laden selbst hingegen ist meist leer – es fehlt an Kundschaft.
31.10.2013, 02:10
Lesedauer: 3 Min
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Maribondo-Supermarkt fehlt die Kundschaft
Von Michael Rabba
Maribondo-Supermarkt fehlt die Kundschaft

Nein, unser Fotograf ist nicht Zeuge eines Großeinkaufs im Maribondo-Supermarkt geworden. Die Maribondo-Mitarbeiterin Martina Leibel und ihr Kollege David Pulvermacher verpacken vielmehr Ware für einen „Satelliten-Laden“ der Stiftung.

Michael Rabba

„Das Konzept ist nicht gestorben, nur der Kern lebt nicht.“ So beschreibt Geschäftsführer Erwin Bienewald die Situation beim Nahversorgungsangebot der gemeinnützigen Stiftung Maribondo da floresta. Der „Kern“, das ist der vor einem Jahr eröffnete Supermarkt im Maribondo-Center in der Kreisstadt. Während der mobile Einkaufswagen der Stiftung immer mehr Orte ansteuert und auch die „Satelliten“-Läden von Maribondo gut laufen, fehlt es dem zentralen Markt an Kunden. Mit einer Rabatt-Offensive will Bienewald das ändern.

Die Regale des Supermarktes im Maribondo-Center an der Bahnhofstraße sind mit 7000 bis 8000 Artikeln gut gefüllt, der Laden selbst hingegen ist meist leer – es fehlt an Kundschaft. Ein Jahr nach dem Start des Einkaufsmarktes kann Erwin Bienewald als Geschäftsführer der gemeinnützigen Stiftung Maribondo da floresta keine positive Bilanz ziehen. Der Markt mit seinen rund 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche wird kaum angenommen. Bienewald reagiert darauf jetzt mit mehreren Maßnahmen.

Ab November hat der Supermarkt montags nur noch von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Montagnachmittags ist die Bowlingbahn im Center geschlossen, und bislang sei nur wegen des Marktes nachmittags ein Mitarbeiter am Empfang eingesetzt worden, so Bienewald. Angesichts nur vereinzelter Kunden zu dieser Zeit sei das nicht sinnvoll. Sonnabends schließt der Markt künftig um 12 Uhr und damit zwei Stunden früher als bisher. „Dafür bieten wir dann frische Brötchen an.“ Dienstags bis freitags hat der Markt von 8 bis 19 Uhr geöffnet.

Um mehr Kunden für den Einkauf zu gewinnen, startet Bienewald im November außerdem eine besondere Aktion: Wer sich als Stammkunde registrieren lässt, bekommt künftig 7,5 Prozent Rabatt auf seine Einkäufe. Ausgenommen seien preisgebundene Artikel wie Tabakwaren und Zeitschriften. Die Stammkunden will Maribondo stets am letzten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr zu Kaffee und Kuchen einladen. „Wir wollen Ihre Wunsche und Anregungen hören und mit Ihnen über aktuelle Fragen bei der Versorgung mit Lebensmitteln sprechen“, ist auf einem Info-Blatt zu lesen, das Maribondo diese Tage an die Haushalte verteilen lässt. Motto: „Wir haben nicht alles, aber alles billiger.“

Gedacht hatte sich Erwin Bienewald die Supermarkt-Sache vor einem Jahr ganz anders. Ein Modellprojekt hatte er geplant, finanziell fünf Jahre lang gefördert von der Aktion Mensch. Eine „andere Art von Supermarkt“ sollte es werden, mit vielen regionalen Produkten und Aktionen rund um Lebensmittel. Dafür wollte Maribondo zwei hauptamtliche „Manager“ einstellen. Doch aus der Förderung durch die Aktion Mensch wurde nichts: „Das von der N-Bank erstellte Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Marktes reichte der Aktion Mensch nicht“, erzählt er. „Wir hätten ein neues Gutachten von einem Institut in Berlin bekommen können, das für die Aktion Mensch tätig ist.“ Aber das hätte ein halbes Jahr gedauert, und „wir waren mit dem Supermarkt bereits so weit, dass eine Verzögerung nicht mehr infrage kam“. Einen vorläufigen Markt-Start genehmigte die Aktion Mensch dann nicht, und damit war die Förderung dahin. Die beiden „Manager“ mussten wieder entlassen werden.

Ohne Frische-Theke und mit einem Team, das zur Hälfte aus schwerbehinderten Mitarbeitern bestehe, habe sich der Markt dann als „nicht konkurrenzfähig“ erwiesen, bilanziert Bienewald. Nur wenn Zugreisende am Bahnhof wegen ausfallender Verbindungen einen Zwangsaufenthalt haben, „herrscht bei uns Hochbetrieb“, sagt Bienewald und schmunzelt.

Der Maribondo-Chef hofft natürlich, durch die Rabatt-Aktion viele Stammkunden gewinnen zu können. Die Zukunft des Marktes hänge davon aber nicht ab. „Wir sind nicht pleite, und unsere Leute haben auch zu tun.“ Denn im Supermarkt an der Bahnhofstraße werde die Ware für die „Satelliten“-Läden in Meyenburg und Basdahl zusammengestellt. Diese Läden liefen gut, und er habe bereits weitere Angebote, Dorfläden in der Region zu betreiben.

Auch der mobile Einkaufswagen von Maribondo wird in Osterholz-Scharmbeck „bestückt“. Und auch dieses Angebot sei kontinuierlich gewachsen, so Bienewald: Neben Ortschaften im Landkreis Osterholz sei der rollende Markt jetzt auch im Landkreis Cuxhaven unterwegs. Dort habe Maribondo die Tour eines verstorbenen selbstständigen Mobilmarkt-Betreibers übernommen. Evelin Vaillant hat dafür einen Kollegen bekommen: Bei der Cux-Fahrt sitzt Clemens Fahnenbruch am Steuer.

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