Worpswede Martha Vogelers Webhaus wird saniert

Worpswede. Das Haus im Schluh hat eine spannenge Geschichte, die Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Die Risse im Gebälk sind tiefer und breiter geworden. Montag beginnt die gründliche Sanierung.
24.07.2010, 04:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede. Es sind nur ein paar Schritte von der Hauptstraße zum Haus im Schluh. Sie wirken wie eine Zeitreise. Laubbäume werfen Schatten auf reetgedeckte Bauernhäuser, die den Charme vergangener Jahrhunderte ausstrahlen. Hier hat Martha Vogeler nach ihrer Trennung von Heinrich Vogeler und dem Auszug aus dem Barkenhoff 1920 gelebt. Die Fachwerkhäuser erzählen ihre Geschichte. Doch ist die Zeit nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Die Risse im Gebälk sind tiefer und breiter geworden. Montag beginnt die gründliche Sanierung.

Endlich ist das Geld dafür da, knapp zwei Millionen Euro. Das Haus im Schluh profitiert vom Masterplan des Landes, der Worpswedes Museen sanieren und modernisieren soll, um mehr kunstinteressierte Touristen ins Dorf zu ziehen. 'Es ist wirklich ein Segen, dass wir jetzt die Möglichkeit zur Sanierung haben', sagt Daniela Platz, Urenkelin von Martha und Heinrich Vogeler. Sie führt das Haus im Schluh zusammen mit ihrer Cousine Berit Müller als Museum und Pension. 'Man sieht die Gebäudeschäden außen und innen', sagt Daniela Platz.

Die beiden großen Bauernhäuser sind über 300 Jahre alt. Das erste hatte Martha Vogeler 1919 in einem Nachbardorf entdeckt und in den kleinen Sandweg 'Im Schluh' versetzen lassen. Das zweite Haus kam 1937 dazu. Die kleine Pension und die Handweberei sicherten die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Martha Vogeler, die hier mit ihren Töchtern Mieke, Bettina und Mascha lebte. Sie webten kunstvolle Gobelins, aber auch Kleider- und Mantelstoffe, Tischdecken und Vorhänge aus Leinen und Wolle.

Montag kommen die Dachdecker. Sie klettern auf das Webhaus, um das Reet zu entfernen. Im August wird der Dachstuhl behutsam saniert und restauriert. Eine veränderte Dachkonstruktion soll das Dach besser isolieren und für mehr Luftzirkulation sorgen. Im September wird das Dach neu gedeckt. Drinnen nehmen Handwerker die alten Holzdielen auf. Wenn der neue Betonboden ausgehärtet ist, wird der alte Holzfußboden darauf angebracht - so, dass die Luft unter und zwischen den Hölzern zirkulieren kann.

Spannend werde es im Spätsommer, prophezeit Daniela Platz. 'Dann kann man sehen, wie so ein Fachwerk saniert wird.' Vorsichtig werden Handwerker die Steine entfernen, damit am hölzernen Ständerwerk gearbeitet werden kann. 'Beim Fachwerk muss man alle paar Jahrzehnte gucken', erklärt Vogelers Urenkelin, 'vor allem bei den unteren Schwellen.' Hier nistet sich Nässe ein, wenn der Regen an den Wänden herunterperlt. Innen werden die Gefache mit einer isolierenden Lehmschicht gefüllt, die mit Kalkputz überzogen wird. Zement wäre schädlich für das hölzerne Fachwerk. Moderne Klima- und Lichttechnik wird eingebaut, damit das Jahrhunderte alte Haus neuen Museumsstandards genügt.

Während der Sanierung geht der Museums- und Pensionsbetrieb weiter. Daniela Platz und Berit Müller werden sonnabends um 11 Uhr weiter Führungen anbieten und einmal im Monat auch das Sanierungsprojekt zeigen.

Das Webhaus ist leer. Die alten Bauernwebstühle stehen schon nebenan im Pensionshaus. Der Kern der Heinrich-Vogeler-Sammlung ist hier auch zu sehen: die Bilder, die Martha Vogeler aus dem Barkenhoff mitgebracht hat, darunter der 'Frühling', Heinrich Vogelers Radierungen und Möbel, Porzellan, Bestecke, Familienporträts. Besucher stehen vor alten Bauernmöbeln, Kunsthandwerk und bäuerlichem Hausrat, den Martha und Heinrich Vogeler gesammelt hatten.

Auch der Museumsshop ist ins Pensionshaus umgezogen - in den früheren Wohnraum des Worpsweder Archivars Hermann Rief, der vor einem Jahr im Alter von 100 Jahren starb. 'Unser Kaffeegarten ist auch geöffnet', sagt Daniela Platz. 'Wer will, kann in der Pension übernachten.' Das Pensionshaus soll im nächsten Jahr saniert und restauriert werden. Bürgermeister Stefan Schwenke sieht das historische Ensemble im Schluh als 'Brückenschlag zwischen der bäuerlichen und dörflichen Tradition und dem Kunst- und Kulturbetrieb. Das gilt es zu erhalten und aufzuwerten'.

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