Kreisverwaltung dehnt Möglichkeit der „alternierenden Telearbeit“ auf Führungskräfte aus / Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements Mehr Flexibilität für Eltern und pflegende Angehörige

Die Kreisverwaltung macht ihre Arbeitszeiten noch flexibler. Seit Jahresbeginn dürfen selbst Führungskräfte teilweise zu Hause arbeiten. Dass soll nicht nur den Beschäftigten und deren Familien, sondern auch den Bürgern entgegenkommen.
08.01.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Die Kreisverwaltung macht ihre Arbeitszeiten noch flexibler. Seit Jahresbeginn dürfen selbst Führungskräfte teilweise zu Hause arbeiten. Dass soll nicht nur den Beschäftigten und deren Familien, sondern auch den Bürgern entgegenkommen.

Wildeshausen. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Das Sprichwort scheint man bei der Kreisverwaltung nicht zu fürchten. Dort gilt seit Jahresbeginn eine neue Dienstvereinbarung. Die besagt, dass selbst Führungskräfte ihre Arbeit regelmäßig von zu Hause aus erledigen dürfen, jedenfalls teilweise. Mit der Regelung unterstreicht der Landkreis seinen Anspruch, ein moderner und familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein.

"Alternierende Telearbeit" gibt es beim Kreis schon seit 2005. "Alternierend", also "abwechselnd" heißt sie, weil niemand ausschließlich am heimischen Schreibtisch fleißig sein darf. Ein Teil der Arbeitszeit ist immer "am Arbeitsplatz in der Dienststelle zu erbringen". Bislang waren das mindestens zwei Fünftel der wöchentlichen Arbeitszeit. Für Beschäftigte auf den unteren Ebenen gilt das auch weiterhin. Die neu in die Vereinbarung aufgenommenen Führungskräfte müssen dagegen vier Fünftel ihrer Wochenarbeitszeit anwesend sein. "Leitungsfunktion" heißt dabei von den Amtsleitern aufwärts – gegebenenfalls auch bis zur Dezernenten-Ebene. Für Personal mit nur "teilweiser Leitungsfunktion", also etwa stellvertretende Amtsleiter, wird die Aufteilung nicht ganz so eng gesehen, von den vier Fünfteln sind in geringem Umfang Ausnahmen möglich.

Mit der erweiterten Flexibilität verfolgt der Landkreis gleich mehrere Ziele auf einmal. Insbesondere soll Beschäftigten mit kleinen Kindern oder auch pflegebedürftigen Angehörigen ermöglicht werden, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Das ist aber keine pure Menschenfreundlichkeit. Vielmehr sind in der Präambel der Vereinbarung beispielsweise auch "eine engere Bindung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Dienststelle", "eine frühere Rückgewinnung von Personalressourcen aus Beurlaubungen oder Elternzeit" sowie "eine nachhaltige Steigerung der Motivation" aufgezählt.

Personalamtsleiter Carsten Sünramm sieht darüber hinaus sowohl die alternierende Telearbeit als auch die insgesamt flexible Arbeitszeitregelung – es gibt schon seit längerem nur noch die vereinbarte Wochenarbeitszeit, aber keine pauschale Kernarbeitszeit mehr – als Bausteine eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Denn verschiedene Studien besagten, dass innovative, an den Bedürfnissen der Beschäftigten ausgerichtete Organisation der Arbeit der Gesundheit förderlich sei. Er findet das sehr einleuchtend. "Stress über längere Zeit bedeutet in der Regel Krankheit." Mit individuelleren Lösungen lasse sich dagegen mancher Druck vermeiden.

Einfach kommen und gehen, wann sie lustig sind, können die Beschäftigten trotzdem nicht. Ohnehin muss die alternierende Telearbeit für jeden einzeln genehmigt werden. Denn nicht alle Tätigkeiten eignen sich dazu. Eine Reinigungskraft könne nun mal nur da putzen, wo der Dreck ist, nennt Sünramm ein Beispiel. Und auch bei Teilzeit sind Grenzen gesetzt. Wer weniger als eine halbe Stelle ausfüllt, kann die nicht auch noch teilweise nach außen verlagern.

Wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, kommt außerdem noch ein weiterer wichtiger Punkt dazu: der Datenschutz. Sensible Papiere auf dem Wohnzimmertisch, das geht natürlich nicht. Die Datenschutzbeauftragte sehe sich jeden einzelnen Heim-Arbeitsplatz genau an, versichert Sünramm, vom Dienst-Laptop bis zum abschließbaren Aktenschrank.

Die Belange der Bürger würden aber nicht nur in dieser Hinsicht berücksichtigt, findet Sünramm. Denn auch von den flexiblen Arbeitszeiten selbst hätten sie etwas. Das mag auf den ersten Blick überraschen, wenn man an feste Öffnungszeiten denkt. Doch verlässliche Sprechzeiten gibt es immer noch, montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 16 Uhr treffe man im Kreishaus in jeder Abteilung passende Ansprechpartner an, sagt Sünramm. Wie das allerdings organisiert werde, regle jeder Bereich für sich. Und das bedeute, dass dann mehr Möglichkeiten und auch mehr Bereitschaft bleiben, dem Publikum bei Terminen nach Vereinbarung auch zu etwas ungewöhnlicheren Zeiten entgegenzukommen.

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