Premiere Achimer Speeldäl

Mehr Schein als Sein

Mit einer ungewohnt großen Zahl an Mitwirkenden konnte die Achimer Speeldäl sich in diesem Jahr an ihr neues Stück wagen. Und jeder Einzelne überzeugte die Zuschauer bei der Premierenvorstellung im Kasch.
14.10.2018, 17:13
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Von Gisela Enders

Erna Wutschke ist zufrieden. Tag für Tag empfängt sie in ihrer Eckkneipe die selben Gäste zu Klönschnack, Schnäpschen und Bier. Beim Austausch von Klatsch und Tratsch geht dann auch die eine oder andere stramme Knackwurst über den Tresen, die einst als Namensgeber für die Dorfgaststätte fungiert hat. Alles könnte so schön sein. Doch dann kündigt sich unerwarteter Besuch an.

Genau an diesem Punkt fängt das Verwirrspiel an, zu dem sich am Sonnabendabend etwa 150 Fans des niederdeutschen Humors im Achimer Kulturhaus Alter Schützenhof eingefunden hatten. Auf dem Programm stand die Premiere des neuen Theaterstücks der Achimer Speeldäl. Kaum ein Stuhl war an diesem Abend unbesetzt, als sich der Vorhang in der Bergstraße hob. Gelächter ob der typgerechten Bühnenarbeit der zehn Freizeitmimen bestimmten von Anfang an den Abend.

Worum es in der Komödie „Kaviar dröppt Currywurst“ von Winnie Abel in Einzelnen geht, ist schnell erzählt: Für die Eröffnung einer schlichten Wirtschaft hatte sich Wirtin Erna einst Geld von ihrem wohlhabenden Onkel geliehen, ihm jedoch vorgegaukelt, einen Gourmettempel in Planung zu haben. Dass Korn statt Champagner durch die Kehlen der Stammgäste fließt, deren „Deckel“ gefühlt die Höhe des Turms von Pisa erreichen, wird allerdings erst zum Problem, als der im fernen Ausland lebende Verwandte seinen Besuch ankündigt, um den Wert seiner Investition in Augenschein zu nehmen. Da ist guter Rat teuer.

„Haben wir im vergangenen Jahr ein Stück mit lediglich fünf Akteuren auf die Bühne bringen können, sehen wir uns dieses Mal breiter aufgestellt und freuen uns über Neuzugänge und Wiedereinsteiger in unserer Truppe“, erklärte Tim Beinker, Vorsitzender der Achimer Speeldäl vor der Aufführung. Zehn Schauspieler würden an dem von Heino Buerhoop übersetzten Lustspiel mitwirken, dazu ein Bühnenbau-Team und Henriette Jäger als Souffleuse.

Einen Ausschlag für die Bereitschaft zur aktuellen Verstärkung des Teams sieht der 43-Jährige unter anderem in der Regiearbeit, die Günther Kothe auf hohem Niveau gelinge. „Die Zusammenarbeit mit ihm macht riesigen Spaß und war vielleicht auch für Katja Makat einer der Gründe, von Ottersberg zu uns zu wechseln." Er selbst sei bereits in dritter Generation involviert, schon seine Großeltern hätten seinerzeit auf der Bühne gestanden. Freude empfindet der Vereinsvorsitzende auch darüber, dass zunehmend jüngere Menschen ins Team kämen. Nicole und Lothar Simon – als Zuschauer im Kasch – mühten sich indes, dem Stoff zu folgen. „Wir verstehen das meiste und reimen uns den Rest zusammen“, erklärte das Paar mittleren Alters, das aus Dünsen angereist war.

Dem umjubelten Premierenabend waren zahlreiche Übungsstunden vorangegangen. Bereits im Mai hatten sich die Akteure im Clüverhaus getroffen und ein- bis zweimal wöchentlich geprobt. Da die Kneipengänger bürgerlich gekleidet seien, habe man sich um eine Kostümierung der einzelnen Charaktere keine Gedanken machen müssen, zeigte sich Tim Beinker erleichtert. Aber auch ohne die Sorge um das entsprechende Outfit sei das Arbeitspensum groß gewesen und Lampenfieber durchaus vorhanden.

Ob Wirtin Erna mit heiler Haut aus dem Dilemma hervorgeht, lässt sich auch am 21. Oktober erfahren. Wiederum im Kasch wird des Rätsels Lösung präsentiert; ein Frühstück umrahmt das Spektakel um 9.30 Uhr. Es folgen zwei weitere Auftritte in der Aula der Thedinghauser Gudewill-Schule, die für den 3. und 4. November terminiert sind.

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