Die Tonfiguren von Hilde Würtheim ziehen vor der Großen Kunstschau viele Blicke auf sich

Menschenbilder - innen und außen

Worpswede. Nähert man sich dem Eingang der neu gestalteten Großen Kunstschau, bleibt der Blick am Bacchusbrunnen von Waldemar Otto hängen, um gleich darauf weiter, sozusagen den Stufen folgend, auf Figuren zu treffen, die verblüffen. Man fragt sich, ob es lebende Skulpturen so genannter Kleinkünstler sind, die man häufig auf den Straßen und Plätzen großer Städte antreffen kann und die oft minutenlang in starrer Pose verharren. Beim Näherkommen stellt man fest, dass diese Figuren keine lebenden Skulpturen, sondern aus Ton geformte Abbilder heutiger Menschen sind. Geschaffen hat sie die in Würzburg ansässige Bildhauerin Hilde Würtheim.
25.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gudrun Scabell

Worpswede. Nähert man sich dem Eingang der neu gestalteten Großen Kunstschau, bleibt der Blick am Bacchusbrunnen von Waldemar Otto hängen, um gleich darauf weiter, sozusagen den Stufen folgend, auf Figuren zu treffen, die verblüffen. Man fragt sich, ob es lebende Skulpturen so genannter Kleinkünstler sind, die man häufig auf den Straßen und Plätzen großer Städte antreffen kann und die oft minutenlang in starrer Pose verharren. Beim Näherkommen stellt man fest, dass diese Figuren keine lebenden Skulpturen, sondern aus Ton geformte Abbilder heutiger Menschen sind. Geschaffen hat sie die in Würzburg ansässige Bildhauerin Hilde Würtheim.

Die Skulpturen beleben nicht nur das terrassenförmige Gelände vor dem Museum hinter dem großen Parkplatz an der Bergstraße, sie weisen auch auf die Ausstellung in seinem Inneren hin - auf die "Men-schenbilder", eine Präsentation aus den Beständen der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland.

Die Idee, diese Figuren im Außenraum des Museums zu platzieren, stammt von der Osterholz-Scharmbeckerin Ilka Mahrt. Sie gehört zur Gruppe der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kulturstiftung Landkreis Osterholz, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Ilka Mahrt ist Mitglied des Ausstellungsteams, das gemeinsam Ideen entwickelt und Ausstellungsprojekte vorbereitet. Dies sei eine ideale Form von Teamarbeit, sagt die Geschäftsführerin der Kulturstiftung, Karen Hammer. Denn die Ehrenamtlichen seien als Außenstehende ein wichtiges "Korrekturelement".

Ilka Mahrt entdeckte die lebensgroßen Tonskulpturen auf Schloss Callenberg in Coburg und stellte den Kontakt zur Bildhauerin her. Sie seien eine künstlerische Ergänzung des Themas "Menschenbilder" für den Außenraum, betont Karen Hammer. Und durch die Größe und das unverkennbar Freundliche der Figuren würden die Besucher auf die Ausstellung eingestimmt, ergänzt sie.

Besucher wenden sich Figuren zu

Freundliches und zugleich Vertrautes ist diesen Skulpturen eigen. Ihre Posen und Gesten hat die Künstlerin dem Leben abgeschaut. Vor allem die individuell und realistisch gestalteten Gesichter - im Gegensatz zu den stereotyp aufgefassten Körpern - lassen die Hemmschwellen der Besucher sinken. Sie wenden sich den Figuren zu, setzen sich für ein Erinnerungsfoto neben sie und legen schon mal ihren Arm um die Schulter der zumeist jung anmutenden Frauen aus Ton. Oder sie suchen die Nähe der Skulpturen, um neben ihnen auszuruhen.

Immer lösen die Figuren bei den Besuchern etwas aus - sei es ein stiller Dialog zwischen Figur und Mensch, sei es Spaß und Freude beim Betrachten und Entdecken der tönernen Zeitgenossinnen. Denn so manche modische Accessoires schmücken sie. Da gibt es beispielsweise eine Dame mit zwei kleinen Hüten auf dem Kopf, zu der sich dann eine Besucherin mit Hut gesellt. Eine Momentaufnahme der Ausstellung, die einer gewissen Komik nicht entbehrt.

Hilde Würtheim studierte bei Professor Theo Wieland in München. Ihre ersten künstlerischen Schritte ging sie als Malerin und Zeichnerin. Bis sie ihre Leidenschaft für das Modellieren entdeckte. Sie beobachtet Menschen im Alltag, bringt ihnen ein unaufdringliches Interesse entgegen, hört ihnen zu. Das ist die Basis für ihre Arbeit.

Die Tonfiguren entstehen im Aufbauverfahren. Nach dem Brand trägt die Künstlerin Farbpigmente auf, um die Kleidung der Figuren abzugrenzen. Die Hautpartien bleiben als gebrannte Tonoberfläche sichtbar. Die Accessoires, die den Skulpturen etwas Spielerisches verleihen, findet die Künstlerin auf Flohmärkten.

Auch auf dem hinteren Gelände der Großen Kunstschau sind zwei weibliche Tonfiguren platziert. Man kann sie vom gläsernen Durchgang aus sehen. Und von dort aus ist auch eine stehende Figur auszumachen - auf dem Balkon der kleinen Woh-nung, die Ursula Köhler einst bewohnte. Die Tonfigur ist ihr, der jahrzehntelangen Leiterin der Großen Kunstschau, nachempfunden. Eine kleine Hommage an Ursula Köhler, deren Leben untrennbar mit dem Bauensemble von Bernhard Hoetger in Worpswede verbunden war.

Die Ausstellung "Menschenbilder" und die Arbeiten von Hilde Würtheim sind noch bis zum 14. August zu sehen; Öffnungszeiten täglich von 10 bis 18 Uhr. Die Tonskulpturen sind verkäuflich, Anfragen unter 04792 / 1302.

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