Tempo 15 auf der Hauptstraße in Syke Messgeräte zeigen Wirkung

Syke. Auf der sanierten Hauptstraße in Syke haben Fußgänger Vorrang - und zwar auf der gesamten Fahrbahnbreite. 15 Kilometer pro Stunde lautet der Grenzwert, mit dem die Verkehrsgeschwindigkeit auf ein verträgliches Maß gebracht werden. Messgeräte zeigen jetzt Wirkung.
26.02.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Benjamin Klare

Syke. Auf der sanierten Hauptstraße in Syke haben Fußgänger Vorrang - und zwar auf der gesamten Fahrbahnbreite. Damit soll nicht nur die Attraktivität der Hauptstraße als Einkaufsstraße gesteigert, sondern zugleich das Geschwindigkeitsniveau des Verkehrs auf ein verträgliches Maß gebracht werden. 15 Kilometer pro Stunde (km/h) lautet der Grenzwert - doch halten sich die Verkehrsteilnehmer auch an das Tempo? Aufschluss geben die beiden Geschwindigkeits-Messgeräte, die auf Anregung des Arbeitskreises Hauptstraße am 8. Februar montiert wurden. Angela Kehl vom Fachbereich Ordnung und Soziales hat jetzt die ersten Zahlen ausgewertet.

'Die Geräte zeigen offenbar Wirkung: Sie finden Beachtung und Regeln das Verkehrsverhalten - und das nicht zum Negativen', sagt Angela Kehl. Wesentlich unter 20 km/h und angepasst müsse die Geschwindigkeit aus verkehrsrechtlicher Sicht sein, was heutzutage als Schrittgeschwindigkeit verstanden werde. 'Im Tagesschnitt nähern sich die Fahrzeuge der Messstelle mit 18 bis 19 km/h', berichtet sie von den Daten, die das Gerät beim Modehaus Fresh vom 8. bis 19. Februar gespeichert hat. Haben sie die Messstelle passiert, so Angela Kehl weiter, fahren die Verkehrsteilnehmer durchschnittlich ein km/h langsamer. 'Das ist ein Erfolg.'

Auch am Wochenende, wenn ausschließlich Fahrzeuge mit Ausnahmegenehmigungen die 'Bummelzone' Hauptstraße befahren dürfen, ist dieser Effekt zu beobachten - nur, dass die Eingangs-Geschwindigkeit rund 21 km/h beträgt. 'Wenn die Straßen leer, also wenig Fußgänger unterwegs sind, ist die Durchschnitts-Geschwindigkeit höher', erklärt die Verwaltungsmitarbeiterin das Phänomen, das auch in Wohngebieten mit verkehrsberuhigtem Bereich zu beobachten sei.

Poller wird oft umfahren

Auffällig sei zudem, dass das Verkehrsaufkommen auf der Hauptstraße an den ausgewerteten Sonnabenden und Sonntagen ungewöhnlich hoch war. 'Leider umfahren viele den Poller', sagt Angela Kehl und nennt Zahlen: Obwohl lediglich 70 Verkehrsteilnehmer im Besitz der erforderlichen Sondergenehmigung wären, war das gemessene Verkehrsaufkommen am Wochenende unverhältnismäßig hoch. Vergangenen Sonnabend wurden 440, am Sonntag immerhin 278 Fahrzeuge gezählt. 'Dem müssen wir Einhalt Gebieten', kündigt Angela Kehl an. Mit Baken soll künftig die Fläche zwischen dem Poller und Ihr Platz verringert und somit unberechtigtem Verkehr in der Bummelzone der Garaus gemacht werden.

Ortskundige dazu zu bewegen, die Hauptstraße nicht als Durchgangsstraße zu benutzen, ist laut Angela Kehl ein weitaus schwieriges Unterfangen. Zwar sei das Verkehrsaufkommen an den Wochenenden seit Einrichtung der Bummelzone vergleichsweise stark zurückgegangen, an Werktagen mit bis zu 1700 Fahrzeugen aber noch relativ hoch - auch, wenn die Messgeräte ebenfalls Fahrradfahrer erfassen. 'Wir müssen den Durchgangsverkehr aus der Hauptstraße herausholen', sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. 'Durch die Hauptstraße zu fahren, darf keinen Spaß machen. Das muss sich durchsetzen.'

Durchgangsverkehr vermeiden, Zielverkehr zulassen und die Geschwindigkeit weitestgehend reduzieren - in diesen Dreiklang stimmen Stadtverwaltung und Syker Werbegemeinschaft gleichermaßen ein. Einig sind sich Werbegemeinschaftschef Michael Lux und Angela Kehl auch darin, dass 15 km/h eigentlich zu schnell sind. 'Wenn alle 15 km/h oder langsamer fahren, haben wir aber viel erreicht', sagt Lux. Tatsächliche Schrittgeschwindigkeit, also fünf bis sieben Kilometer pro Stunde, sei allerdings schwer zu fahren, gesteht er. 'Die Messgeräte haben ihre Wirkung - zumindest vorübergehend', findet Michael Lux und hofft wie Angela Kehl, dass die Wirkung nicht mit der Zeit nachlässt.

Zum Rückgang des Durchgangsverkehrs sollen auch die Parkplätze im Umfeld der Hauptstraße beitragen, die seit Ende vergangenen Jahres ausdrücklich als Zielparkplätze für Auswärtige ausgewiesen sind. 'In der Innenstadt sind gute Parkmöglichkeiten vorhanden', sagt Angela Kehl und verweist auf die rückwärtige Erreichbarkeit der Hauptstraße. Verkehrsteilnehmer können ihr Fahrzeug etwa auf den Parkflächen an den Berufsbildenden Schulen (BBS), der Kreissparkasse oder Volksbank, Luise-Chevalier-Straße und am Kreishaus abstellen. 'Geschäftsleute und Ärzte aus der Hauptstraße sollten ihre Kunden beziehungsweise Patienten auf die rückwärtigen Parkmöglichkeiten hinweisen', erklärt Michael Lux.

Dass Fußgänger auf der Hauptstraße Vorrang haben, sei weder in ihren noch in den Köpfen der motorisierten Verkehrsteilnehmer verankert. 'Die Fußgänger nehmen ihr Vorrecht nicht wahr', sagt Lux und nennt ein Beispiel: Bevor jemand zu Fuß die Straße überquert, wartet er und überlässt Autofahrern die Vorfahrt.

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