Internationaler Orgelwettbewerb Michael Unger gibt Konzert

Ganderkesee. Es war ein kleiner, ebenso feiner wie markanter Nachzügler vom Bremer Musikfest 2010, als der kanadische - derzeit in Rochester/New York als Kirchenmusiker tätige Organist - Michael Unger einen Orgelabend in der St.-Cyprian-und-Cornelius
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Von Günter Matysiak

Ganderkesee. Es war ein kleiner, ebenso feiner wie markanter Nachzügler vom Bremer Musikfest 2010, als der kanadische - derzeit in Rochester/New York als Kirchenmusiker tätige Organist - Michael Unger einen Orgelabend in der St.-Cyprian-und-Corneliuskirche gab. Zum Musikfest Bremen, das übrigens einen beachtenswerten Umgang mit dem Abenteuer Alte Musik pflegt, gehört seit 2010 auch das Arp-Schnitger-Festival. In dessen Rahmen gibt es einen zweijährlich stattfindenden internationalen Orgelwettbewerb. Einer der Preisträger des ersten Wettbewerbs war Michael Unger. Jetzt spielte er wieder in Ganderkesee.

Die Jury hatte Unger mit einem von drei Arbeitsstipendien (unter anderem ermöglicht durch den WESER-KURIER) an einer der musikalisch und historisch so wertvollen Orgeln des in der Wesermarsch schaffenden Orgelbaumeisters Arp Schnitger (1648 - 1719) ausgestattet. Schnitgers Wirkungskreis erstreckte sich übrigens bis nach Brasilien. Die zahlreichen im Nordwesten erhaltenen und wie die Ganderkeseer Orgel aufwendig restaurierten Orgeln gehören zu den Schätzen des europäischen Orgelbaus. Deswegen strebt man an, sie in den Rang eines Weltkulturerbes heben zu lassen.

Diese Königin der Instrumente ist ein sensibles Geschöpf, besonders wenn sie so alt ist. Ein Organist muss sich ausgiebig mit ihr vertraut machen. Bei ihrer ersten Begegnung mit dem Preisträger Unger beim Preisträgerkonzert vor einem Jahr fremdelte sie allerdings ein bisschen, gab sich kapriziös, was auch Auswirkungen auf das Spiel Ungers hatte. Damals wirkte es eher zurückhaltend, aber am Sonnabend war das ganz anders. Jetzt war Unger nach einer intimen Arbeitswoche vollkommen vertraut mit der Orgel. Und er hatte sie, wie er im Vorfeld erzählte, für jedes Stück im Programm "so schön wie möglich" gemacht. Diese Orgelschönheit reichte dann von gellender Wildheit bis zu feiner Zierlichkeit, war Orgelsinnlichkeit und Orgelpracht.

Das Programm war sehr sinnfällig aufgebaut. So wies das einleitende Präludium in C von Dieterich Buxtehude mit seiner machtvoll deklamierenden Pedalintroduktion deutlich voraus auf Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 von Johann Sebastian Bach am Ende des Abends, die zu Beginn auch mit einem solch großartigen Pedalsolo aufwartete. Das macht Bachs Buxtehude-Verehrung ohrenfällig, und es gab Michael Unger abermals Gelegenheit, seine virtuosen Pedalkünste zu beweisen. Aber gleich im Buxtehude-Präludium war Unger etwa in der Fuge oder den Tonleiterpartien im Schlussteil ein begeisternder con-bravura-Spieler. Das Bach-Adagio spielte er mit biegsam gestalteten Melodielinien, vermied indes jede hier sich bietende Möglichkeit zur Weichlichkeit. Die Fuge war kontrolliert in ihrem tänzerischen Elan, es gab in ihr Durchführungspartien, die in ihrer exaltierten Klangintensität zu den atemberaubenden Momenten des Abends wurden.

Zu den freien, nicht choralgebundenen Werken des Programms gehörte mittendrin auch das Concerto C-Dur (nach Torelli) von Johann Gottfried Walther. Unger behandelte es mit spielerischer Leichtheit, in seiner zarten, transparenten Registrierung wirkte es wie eine Rockorchestrierung der Torellischen Vorlage. In den cantus-firmus-gebundenen Werken des Programms (Scheidemann, Sweelinck, Böhm) waren die genannte Biegsamkeit von Ungers Melodiegestaltung, seine feinen Zäsuren und sensibel-atmenden Tempogestaltung im Kleinen, seine wohlausgeformte Artikulation Grundlage einer äußerst sprechenden Gestaltung. Und besonders in diesen Werken waren die Klangschönheiten der Ganderkeseer Orgel gegenwärtig, ihre Fähigkeit, etwa ein führendes cantus-firmus-Register sich so wunderbar mit den Begleitstimmen mischen zu lassen.

Die knapp 50 Zuhörer der Abendmusik spendeten am Ende langen Applaus. Und Blumen für den Schnitger-Forscher aus Kanada gab es auch.

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