Streichung von Haltestellen am Bremer Kreuz

Mit dem Bus nur noch bis zur Stadtgrenze

Achim. André Meißner, Geschäftsleiter der "4S Service GmbH" im Gewerbegebiet am Bremer Kreuz in Uphusen übt massive Kritik an Politik und Verwaltung der Stadt Achim. Um Geld zu sparen, hat der Stadtrat drei Bushaltestellen in dem Gewerbegebiet gestrichen.
29.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit dem Bus nur noch bis zur Stadtgrenze
Von Ralf Michel

Achim. "Eine Zumutung ist das, nicht nachvollziebar, inakzeptabel!" André Meißner, Geschäftsleiter der "4S Service GmbH" im Gewerbegebiet am Bremer Kreuz in Uphusen übt massive Kritik an Politik und Verwaltung der Stadt Achim. Um Geld zu sparen, hat der Stadtrat drei Bushaltestellen in dem Gewerbegebiet gestrichen. Ohne sich Gedanken über die Folgen dieses Beschlusses zu machen, mutmaßt Meißner. "Für uns ist es aber von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, dass unsere Mitarbeiter öffentliche Verkehrsmittel nutzen können."

Seit 2004 ist die "4S" an der Straße "In den Ellern" angesiedelt. "Damals hat man uns mit dem Hinweis auf die gute Infrastruktur in Achim aus Bremen abgeworben", erzählt Meißner. Umso ärgerlicher sei, dass ein wichtiger Teil der besagten guten Infrastruktur nun einfach gestrichen werde. "Wir sind hier 42 Unternehmen, und die Stadt behandelt uns wie einen Wurmfortsatz."

Um ihren Haushalt zu sanieren, schwenkte die Stadt Achim im Herbst 2009 auf einen rigorosen Sparkurs ein. Dem Rotstift zum Opfer fiel dabei auch die Buslinie 38 der Bremer Straßenbahn AG, die bis dahin auf Bitte Achims die Haltestellen In den Ellern, Oskar-Schulz-Straße und Theodor-Barth-Straße in dem Gewerbegebiet ansteuerte. Jährlich 27.000 Euro kassierte die BSAG für diesen Service von den Achimern. Geld, das sich der Stadtrat (auf Vorschlag der Verwaltung) sparen wollte und deshalb die Kündigung dieses Vertrages beschloss.

Die wird nun wirksam: Ab dem 16. April gilt der neue Fahrplan der BSAG. Die drei genannten Haltestellen tauchen darin nicht mehr auf. Für die meisten der 300 bis 400 Mitarbeiter der "4S" bedeutet dies, dass sie künftig an der letzten Haltestelle auf Bremer Gebiet aussteigen müssen und dann einen guten Kilometer Fußmarsch vor sich haben.

Das Unternehmen hat überwiegend geringfügig Beschäftigte angestellt. "Die meisten von ihnen haben keinen eigenen Wagen, die sind auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen." Zudem würden viele Rentner für die 4S arbeiten, für die ein Fußmarsch von einem Kilometer keine Kleinigkeit sei. Insbesondere nicht in der kalten und dunklen Jahreszeit, betont Meißner und kommt damit auf einen weiteren Kritikpunkt zu sprechen. "Im Winter hat die Stadt bei uns den Räumdienst eingestellt und gestreut wird auch nicht. Laufen Sie mal bei schlechter Straßenbeleuchtung einen Kilometer weit auf spiegelglatten Wegen..." Ganz zu schweigen von den Folgen für den Anlieferverkehr. "Uns fahren im Jahr rund 850 Sattelzüge an. Im letzten Winter hatten wir mal einen Tag mit 74 Lkw und dann war hier nicht geräumt."

Dem widerspricht Steffen Zorn, Chef der Grundstücks- und Gebäudeverwaltung Achim. "In den Ellern" sei sehr wohl im Räumplan der Stadt aufgelistet. Was nicht ausschließe, dass es im vergangenen strengen Winter auch dort zu Verzögerungen gekommen sei. Selbst bei "normalen" Schneeverhältnissen dauere es zwei Tage, bis der Räumbereich Bierden/Uphusen komplett abgearbeitet sei.

Unterstützung bekommt André Meißner derweil von anderer Stelle im Rathaus. Der Stadtrat sei sich offensichtlich nicht im Klaren über die Bedeutung der drei Bushaltestellen gewesen, signalisiert Wirtschaftsförderer Ronald Jurgeleit Verständnis für die Klagen aus dem Gewerbegebiet. "Wir haben deshalb auch eine Anfrage bei den Verkehrsbetrieben laufen, ob eventuell ein eingeschränktes Anfahren der Haltestellen zu Schichtanfang und -ende möglich ist."

Um nach einer für alle Beteiligten akzeptablen Lösung zu finden, hat die Stadt zudem André Meißner für diese Woche zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Womit zumindest an einem weiteren Kritikpunkt des Unternehmers gearbeitet wird. Der nämlich ärgert sich auch über die Art und Weise, wie die Stadtverwaltung das Problem bislang kommuniziert hat. "Da kommt Anfang März so ein Schreiben, indem uns ganz lapidar mitgeteilt wird, dass die drei Haltestellen ab 16. April nicht mehr bedient werden. Sollten Mitarbeiter von uns davon betroffen sein, bittet man uns, das rechtzeitig mitzuteilen", erzählt Meißner. "Was ist das denn für eine Art, miteinander zu reden?"

Inzwischen hat der Unternehmer mit anderen Firmen des Gewerbegebietes (Vitakraft, Kaya Color, Trinks, Deuteron, Polo Filter) Kontakt aufgenommen, um sich zu einer Interessengemeinschaft zusammenzuschließen. "Wir alle zahlen in nicht unerheblichen Umfang Steuern und weiten unsere Geschäftsbereiche kontinuierlich aus. Da kann es nicht sein, dass für unser Gewerbegebiet nichts gemacht wird."

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