Lilienthal

Mit der Sonne Klima schützen

Lilienthal. In Grasberg gibt es zwei Bürgersolarkraftwerke, ein drittes ist in Planung. In Lilienthal soll ein solches Projekt auch umgesetzt werden; dafür stellt die Gemeinde das Dach der Grundschule Falkenberg zur Verfügung. Das Konzept orientiert sich an dem Bürgersolarkraftwerk in Ritterhude.
02.09.2010, 06:00
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Mit der Sonne Klima schützen
Von Peter Hanuschke

Lilienthal. In Grasberg gibt es bereits zwei Bürgersolarkraftwerke, ein drittes ist in Planung. In Lilienthal soll ein solches Projekt nun auch umgesetzt werden; dafür stellt die Gemeinde das Dach der Grundschule Falkenberg zur Verfügung. Das Konzept orientiert sich an dem Bürgersolarkraftwerk in Ritterhude.

Das Werk in Ritterhude produziert seit 2009 Strom. Angeschoben wurde das dortige Projekt von der Gemeinde Ritterhude, den Wirtschaftsbetrieben der Gemeinde und dem Energieversorger Stadtwerke Osterholz.

Christian Meyer-Hammerström, Geschäftsführer der Stadtwerke Osterholz, ist zuversichtlich, 'dass wir die Anlage noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen können', sagte er bei der Vorstellung des Projekts 'Grünes Licht - Das Bürgersolarkraftwerk' während der Ratssitzung am Dienstagabend. Seine Zuversicht beruhe auf den positiven Erfahrungen, die er in Ritterhude gesammelt habe. Das Projekt sei dort vollständig gezeichnet. 'Wir haben unsere Anschubfinanzierung über 50000 Euro an diesem 100000 Euro teuren Solarkraftwerk inzwischen als Anteile an Bürger vergeben können.' Insgesamt gebe es in Ritterhude 54 Darlehensgeber.

Das Ziel, das sich hinter dem Bürgersolarkraftwerk verbirgt, sei, dass Lilienthal beabsichtige, bei der Erzeugung und Nutzung regenerativer Energien eine Vorbildfunktion einzunehmen. Dieses Ziel soll durch eine möglichst breite Einbindung der Öffentlichkeit gestützt und gestärkt werden, so Meyer-Hammerström. Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg sei bei diesem Vorhaben, dass Ökologie und Wirtschaftlichkeit in einem vernünftigen Einklang stünden.

Das Modell sieht im einzelnen vor, dass die Gemeinde über die kostenlose Nutzung der Dachfläche ein Projekt biete, wodurch Bürger als Darlehensgeber einen Klimaschutzbeitrag leisten können. Das Betreibermodell ist als Darlehen konzipiert, das über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) getilgt wird. Das Darlehen ist zunächst zinsfrei und wird nach 13 Jahren verzinst. Das Darlehen hat eine Laufzeit von 20 Jahren und 'es ist sicher. Darlehensnehmer sind die Wirtschaftsbetriebe, die sich zu 100 Prozent im Eigentum der Gemeinde Lilienthal befinden', erläuterte Meyer-Hammerström. Für die künftige Abwicklung sind die Osterholzer Stadtwerke zuständig, in deren Netz der erzeugte Strom eingespeist wird und die sich ebenfalls als Darlehensgeber engagieren.

'Das Modell ist nicht dazu geeignet, möglichst viel rauszuholen', sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Allerdings gebe es eine sichere Verzinsung, und es werde ein sinnvoller Klimaschutzbeitrag geleistet. 'Genau darum geht es ja - einen Beitrag für die Zukunft zu leisten.' In Ritterhude hätten einige gleich im doppelten Sinne an die Zukunft gedacht: 'Wir hatten einige Großeltern, die die Verträge gleich für ihre Enkel abgeschlossen haben.'

Wie die Verzinsung aussehen könnte, das zeigte der Geschäftsführer an einem Beispiel auf. Ein Bürger, der sich mit 1000 Euro an dem Bürgersolarkraftwerk in Lilienthal beteiligt, bekomme eine geplante Ausschüttung pro Jahr von 76,90 Euro. Die geplante Ausschüttung in 20 Jahren liege demnach bei 1538,03 Euro, wovon 1000 Euro Tilgung sind und 538,03 Euro die Verzinsung. Grundlage dafür sei der geplante Stromertrag durch diese Anlage von 37400 kWh pro Jahr. Die Vergütung durch das EEG beträgt 32,88 Cent/kWh, woraus sich geplante Erlöse von 12297 Euro ergeben. Abzüglich von Versicherungsbeiträgen (250 Euro), der Zuführung von Rücklagen (250 Euro) und einer Pauschale für Verwaltungsaufwand (1925 Euro) bleibe ein Überschuss von 9871 Euro, der entsprechend des Anteils an der Investitionssumme (128367 Euro) aufgeteilt werde.

Meyer-Hammerström: 'Damit wir von der Kalkulation auf der sicheren Seite sind, haben wir in Lilienthal zirka 1500 Sonnenstunden im Jahr zu Grunde gelegt. Das ist ein konservativer Ansatz. Dieser Wert liegt also am unteren Spektrum von dem, was es in der Gemeinde Lilienthal in den vergangenen Jahren tatsächlich an Sonnenstunden gegeben hat.'

Wie und wann Anteile am geplanten Bürgersolarkraftwerk in Lilienthal gekauft werden können, das wird in den nächsten Wochen noch in Informationsveranstaltungen vorgestellt.

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